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Ski nordisch : Jochen Behle im F.A.Z.-Sportgespräch: "Ich habe den Verband vor mir gewarnt"

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Jochen Behle, der 42 Jahre alte Willinger, ist erst seit einem Jahr offiziell Bundestrainer der Skilangläufer. Seine zweite Laufbahn kam für viele Beobachter der Wintersportszene überraschend, paßt aber zu seiner sauerländischen Mentalität: "Berechenbar darf man nie werden. Es müssen immer wieder Worte im Team fallen, bei denen alle sagen, das hätten wir von ihm nicht erwartet."

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          Sehen wir im Skilanglauf den Erfolg des Konzepts Behle? Oder den Erfolg eines Konzeptes, zu dem Jochen Behle - in welcher Weise auch immer - dazugehört?

          Nur dazugehört. Das Konzept kommt ursprünglich von Jürgen Wolf, ich setze es um. Es entstand aus der Erkenntnis heraus, daß es so, wie es früher war, einfach nicht funktionierte. Zu der Zeit war Wolf Bundestrainer und versuchte, mich mit ins Boot zu nehmen. Anfänglich, im Jahr 2000, habe ich das für eine Saison nur im Sprint-Bereich gemacht, bevor ich früher als erwartet den ganzen anderen Bereich mit übernommen habe. Man brauchte mich als Praktiker. Ich war näher an der Mannschaft dran, ich bin teilweise ja noch mit diesen Sportlern gelaufen. Jürgen Wolf kam aus dem Trainerbereich, hatte jahrelang auch Trainer-Ausbildung gemacht, das war also mehr Theorie. Wir haben uns sehr gut ergänzt. Ehrlich gesagt, hat die Mannschaft den Jürgen nicht so akzeptiert.

          Ist das Konzept personenabhängig?

          Ich kann die besten Konzepte erstellen, aber das ist Theorie, wird immer Theorie bleiben. Es in die Praxis umsetzen kannst du nur, wenn die Athleten mit ihren Heimtrainern dahinterstehen. Das haben wir in den vergangenen zwei Jahren sehr gut geschafft.

          Wie war denn der Zustand des deutschen Langlaufs, als Sie eingestiegen sind?

          Noch nicht weit. Das Konzept stimmte, aber ich war teilweise völlig anderer Meinung als Jürgen Wolf, wir haben uns darüber unterhalten und meine Vorstellung gemeinsam verwirklicht. Das hieß, den jungen Leuten erst mal Chancen zu geben, länger an ihnen festzuhalten, ehrlich mit ihnen zu arbeiten. Es war für mich alles wesentlich einfacher, nicht nur, weil ich mit Rene Sommerfeldt oder Andreas Schlütter während der Aktivenzeit Doppelzimmer geteilt habe. Ich kann anders auf die Athleten einwirken. Sie wissen, wie ich das über Jahre als Athlet angepackt habe. Sie kennen meine Stärken. Ich war im Prinzip für sie nie der Trainer in der klassischen Funktion, sondern ein Diskussionspartner. So sehe ich mich auch. Alle Wege, die wir gehen wollen, werden mit den Athleten diskutiert. Ich habe sie immer wieder aufgefordert: "Sagt mir, was ihr wollt, auch wenn euer Trainer das anders sieht, das ist mir erstmal egal. Ich will zunächst wissen, wo ihr hinwollt, wie ihr euch das vorstellt." Dann erst kann ich mir Gedanken machen: Haben die vielleicht recht, habe ich etwas nicht gesehen, was sie gesehen haben? Oder muß ich hergehen und ihnen erklären, warum ich anderer Ansicht bin?

          Sie sind ja erst 1998 zurückgetreten als Athlet. Sind die Erfahrungen aus der aktiven Zeit Ihr Kapital?

          Es ist schon ein Vorteil, wenn du seit zwanzig Jahren mit der Sache zu tun hast, dich selbst in viele Dinge hineindenken kannst, weil du es als Athlet erlebt hast. Ich habe ja, Positives wie Negatives, alles durch. Wenn ich mit einem Athleten spreche, kann ich alles, was er sagt, bis aufs kleinste nachvollziehen. Ich kann Ratschläge geben, die auch funktionieren.

          Sie haben sich das Konzept zurechtgebogen, aber sich nicht einem Konzept untergeordnet?

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