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Ski nordisch : Behles Langläufer sind der Konkurrenz derzeit voraus

  • -Aktualisiert am

Axel Teichmann (m.) gewinnt vor Rene Sommerfeldt (l.) und dem Russen Wassilij Rotschew Bild: dpa/dpaweb

Die deutschen Skilangläufer haben mit zwei Siegen die Konkurrenz beeindruckt und ihre hohen Ansprüche untermauert. Ist Weltcupsieger Axel Teichmann zu früh auf dem Höhepunkt des Leistungsvermögens?

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          Doppelt und vierfach gut - die deutschen Skilangläufer haben nun nicht gerade gespielt mit der Konkurrenz, dafür waren die Rennen bei sehr frostigen Temperaturen im schwedischen Ort Gällivare nahe dem Polarkreis zu anstrengend. Aber die Männer von Bundestrainer Jochen Behle haben mit zwei Siegen sowie weiteren Klasseplazierungen am Wochenende die Konkurrenz beeindruckt und ihre hohen Ansprüche für diese Weltmeisterschaftssaison untermauert. Stellt sich nur die Frage: Ist der Thüringer Axel Teichmann, am Samstag Einzelsieger über 15 Kilometer klassisch und tags darauf Motor der 4x10-Kilometer-Staffel, zu früh auf dem Höhepunkt des Leistungsvermögens?

          Schließlich finden die Titelkämpfe in Oberstdorf erst in knapp drei Monaten statt. Behle glaubt nicht, daß die Leistungskurve bei einer Konstellation wie am Wochenende bis zur WM zwangsläufig nach unten führen muß: "Wer jetzt einen Weltcup gewinnen kann, kann auch Medaillen gewinnen." Die Frauen haben sich anders als die Männer noch Steigerungsmöglichkeiten offengehalten. Evi Sachenbacher war beim Sieg der Norwegerin Marit Björgen als Zehnte über 10 Kilometer klassisch beste Deutsche, die Staffel wurde am Sonntag immerhin Dritte hinter dem norwegischen und dem finnischen Quartett. Die Leistung Evi Sachenbachers ist schon als Indiz zu werten, daß ihr der Trainerwechsel zu Wolfgang Pichler die richtigen Impulse für das WM-Heimspiel im Oberallgäu gegeben hat.

          Teichmann läßt es normalerweise ruhiger angehen

          Von Aufwärtstrend darf man im deutschen Skilanglauf eigentlich nicht mehr sprechen. Denn die Männer bestimmen das Weltniveau und tauchen seit drei Jahren regelmäßig auf vorderen Rängen auf. Im vergangenen Winter setzte sich erstmals auch ein Deutscher in der Weltcup-Gesamtwertung auf Rang eins, der Sachse René Sommerfeldt. Am Samstag wurde er Zweiter, hinter Teichmann und vor dem Russen Wassilij Rotschew, was fast noch überraschender war als Teichmanns großer Vorsprung nach einer ungewohnten, weil von Anfang an auf Maximaltempo ausgerichteten Renntaktik.

          Weltmeister Teichmann läßt es normalerweise etwas ruhiger angehen und steigert sich dann auf den letzten Kilometern gewaltig. Da er auch, wie mit Heimtrainer Cuno Schreyl abgesprochen, in den vergangenen vier Wochen, seit dem Weltcupauftakt mit dem Düsseldorfer Rheinufer-Sprint, das Trainingspensum im Vergleich zu früheren Jahren noch etwas gesteigert hatte, wäre eine gewisse Müdigkeit erklärlich gewesen. Doch die harte Vorbereitung unmittelbar vor der Wettkampfperiode scheint ihm eher Beine gemacht zu haben. Damit hatte er selbst nicht gerechnet.

          Sommerfeldt seit Juni mit Schmerzen

          Die Kommentare von Bundestrainer Behle klangen geradezu enthusiastisch. "So eindrucksvoll hätte ich das nicht erwartet, solch ein Vorsprung ist phänomenal." Teichmann lag über 36 Sekunden vor Sommerfeldt, die übrige Konkurrenz folgte noch weiter zurück. Bemerkenswert dabei, daß Jens Filbrich als Fünfter und Tobias Angerer auf Rang sieben ebenfalls in der absoluten Weltspitze landeten. Damit deuteten die vier schon an, daß sie bei regulären Bedingungen als Staffel nur sehr schwer zu schlagen sind. Daß ihnen die Italiener allerdings bedrohlich nahe kamen, hatte Teichmann erwartet. Gerade die Italiener schätzt er in diesem Winter hoch ein, weil sie mit Blick auf Olympia 2006 in Turin "richtig Gas geben".

          Sommerfeldt war fast ein Wackelkandidat für die Rennen gewesen. Denn seit Juni plagt er sich mit Knieschmerzen herum. Damals spielte die Ski-Nationalmannschaft eine Fußballpartie gegen die AH-Mannschaft (also die alten Herren) von Willingen, der Läufer bekam einen Schlag ans Knie. Er nahm die Verletzung nicht richtig ernst, aus einer Prellung wurde eine hartnäckige Entzündung, manche geplante Trainingseinheit fiel für den Schmerzpatienten flach.

          „Die anderen Nationen werden aufholen"

          Nun ist Sommerfeldt nicht gerade ein Mann, der es gemächlich angehen lassen würde. Er versuchte, sein Pensum durchzuziehen, es sogar noch auszuweiten, um Substanz aufzubauen. Schließlich hat er sich vorgenommen, so viele Weltcuprennen wie möglich zu bestreiten und wieder eine führende Rolle im Kampf um die Gesamtwertung zu spielen. Der Dreißigjährige ist, so eine leidvolle Erfahrung seiner Trainer, schwer davon zu überzeugen, daß Pausen und Regeneration gelegentlich die besseren Mittel sein können, um fit zu werden. Zuletzt tauchten die überwunden geglaubten Beschwerden wieder auf, Sommerfeldt mußte sich sogar kurzfristig Spritzen setzen lassen. Wer weiß, wie sein Knie die Belastungen von Gällivare verkraftet.

          "Es scheint so, als seien wir der Weltspitze derzeit etwas voraus, doch bis zur WM in Oberstdorf ist noch viel Zeit", so lautete Behles Bilanz. "Sicher ist, daß es nicht mit derartiger Überlegenheit weitergeht. Die anderen Nationen werden aufholen." Teichmann hat im Sommer verletzungsfrei trainiert und die Intensität der Einheiten gesteigert, zwei mögliche Erfolgsfaktoren.

          Der 25 Jahre alte Läufer aus Lobenstein ist ein sachlicher, analytischer Typ. Man kann davon ausgehen, daß er jetzt nicht leichtsinnig auf den Gedanken kommt, diese Saison als Selbstläufer aufzufassen. Eher neigt er zu Vorsicht und Skepsis. Teichmann wird mit Sicherheit seine Arbeit niemals schleifen lassen.

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