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Ski-Langläufer Axel Teichmann : Der Bart muss ab

  • -Aktualisiert am

Abgeschlagen: Quälend langsam dreht Teichmann seine Runden - und steigt danach aus Bild: dapd

Mittendrin und nicht dabei: Axel Teichmann wirkt im Allgäu wie festgefroren und steigt bei der Tour de Ski aus. Bei der WM im Februar will er wieder Medaillen sammeln. Doch selbst Trainer Jochen Behle fällt der Optimismus schwer.

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          Axel Teichmann wollte gar nichts sagen. Das Ergebnis sprach schon für sich. Auf Rang 56 landete der beste deutsche Skilangläufer auf der vierten Etappe der Tour de Ski - mit mehr als drei Minuten Abstand zu den Tagesbesten in Oberstdorf. Das waren im 20-Kilometer-Verfolgungsrennen am Montag bei herrlichem Winterwetter der Finne Matti Heikkinen als Gewinner vor dem Schweizer Dario Cologna, der weiterhin die Gesamtwertung anführt, und dem Tschechen Martin Jaks.

          Weit dahinter drehte der 31 Jahre alte Bad Lobensteiner quälend langsam seine Runden, seine letzten bei dieser Tour, denn er stieg danach aus. Offizielle Begründung: muskuläre Probleme. „Er wird zwei Tage pausieren und dann ganz normal wieder ins Training einsteigen. Ich denke, dass er beim Weltcup in Liberec im Team-Sprint wieder erste Wettkampferfahrung sammeln wird“, sagte Bundestrainer Jochen Behle.

          Behle ist ins Grübeln gekommen

          Der Mann, der bei den vergangenen Olympischen Winterspielen in Vancouver zwei Silbermedaillen eroberte und schon zwei Weltmeistertitel in seinen Besitz brachte, wirkte im Allgäu wie festgefroren. Für den 1,86 Meter langen Thüringer Teichmann redete am Dienstagmittag sein Chef Behle. „Axel hat mir gesagt, dass heute vom ersten Meter an überhaupt nichts ging.“ Das sah jeder der 6500 Zuschauer in der Oberstdorfer Skiarena. Der Lobensteiner war in seiner eigenen Welt - fernab der Konkurrenz, in der Mann gegen Mann hart und aufwendig um jeden Meter gekämpft wurde. Teichmann dagegen lief - mittendrin und nicht dabei - einsam und von niemandem bedrängt vor sich hin.

          Teamkollege Filbrich macht Teichmann (Foto) Mut: „Axel hat immer so schön gesagt - Totgesagte leben länger”
          Teamkollege Filbrich macht Teichmann (Foto) Mut: „Axel hat immer so schön gesagt - Totgesagte leben länger” : Bild: dpa

          Dabei will derselbe Athlet trotz vierwöchiger Wettkampfpause nach einer heftigen Erkältung und eines bisher mehr als enttäuschenden Saisonverlaufs bei der Ende Februar in Oslo beginnenden Weltmeisterschaft zwei weitere Medaillen seiner längst üppigen Plakettensammlung hinzufügen. Aber wie? Behle weiß es im Moment auch nicht. Seine Hoffnung gründet sich auf vergangene Erfahrungen mit diesem stets kantigen, manchmal grantigen, introvertierten Sportler. „Axel“, hebt der Cheftrainer hervor, „ist einer von der Sorte, die wiederkommen und sofort mit einem guten Ergebnis dastehen.“

          Fürs erste zählt die Gegenwart, und da ist Behle spätestens seit Dienstag ins Grübeln gekommen. Schließlich hatte sich Teichmann bei der Tour gesund zurückgemeldet. Seelisch jedoch scheint der Ausdauerathlet momentan nicht in der nötigen Balance. „Axel hat sich etwas anderes vorgestellt als das, was er momentan abliefert“, sagt Behle. „Das ist keine einfache Situation für ihn.“ Die Tour-Wertung spielt für Teichmann keine Rolle mehr, im Weltcup-Klassement ist er als 38. nur unter „ferner liefen“ dabei. Er wäre vermutlich schon froh, wieder so weit zu sein wie sein langjähriger Trainingsgefährte Jens Filbrich, der vor Weihnachten ebenfalls an einem Infekt litt und deswegen wie Teichmann im Weltcup aussetzen musste.

          „Ich will ja nicht verwahrlosen“

          Filbrich ist als bester Deutscher 21. der Tour und wäre am Dienstag ohne seinen schmerzhaften Sturz im ersten Teil des Rennens weiter vorn im Tagesklassement als auf Rang 30 knapp hinter seinen Landsleuten Tom Reichelt (Oberwiesenthal/20.) und Hannes Dotzler (Sonthofen/23.) gelandet. Filbrich machte sich und Behle für die WM neuen Mut, als er sein Vorbild Teichmann zitierte: „Axel hat immer so schön gesagt: Totgesagte leben länger.“

          Ob man dem altbekannten Spruch in diesem Fall auch trauen sollte? Zu viele Zweifel sind in dieser bislang missratenen Langlaufsaison gesät worden. Selbst Jochen Behle fällt der professionelle Optimismus derzeit schwer, nachdem er von nahem miterlebt hat, wie seine bisherigen Paradesportler Teichmann und Tobias Angerer - er gab bei der zweiten Tour-Etappe auf - in ein tiefes Form-Loch gefallen sind. So wird denn die Aufbauzeit bis zur WM am Holmenkollen knapp. „Ein Plan“, stellt Behle fest, „sieht für mich anders aus, denn irgendwann wird es schwierig, von jetzt auf gleich zu arbeiten, wenn keine Basis da ist.“

          Teichmann muss sich indes nur selbst angucken, um zu sehen, dass er die Wende zurück zu alter Klasse rasch schaffen sollte. Schließlich lässt sich der Langläufer einen jetzt schon ziemlich langen blonden Bart wachsen, der erst ab sein soll, wenn er wieder zu den Weltcup-Gewinnern gehört. Beim Blick in den Spiegel hat er sich gesagt: „Ich will ja nicht verwahrlosen.“ Was dagegen hilft? Siegen und die Konkurrenz rasieren. Wenn das nur so einfach wäre.

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