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Ski-Weltcup in Kitzbühel : Deutsche Abfahrer im Aufwind

  • -Aktualisiert am

Mit 35 Jahren blüht er auf: Der Österreicher Romed Baumann, der seit 2019 für Deutschland fährt. Bild: dpa

Am Hahnenkamm beweisen die deutschen Skirennläufer auf einer Strecke, die als eine der spektakulärsten und anspruchsvollsten im Weltcup gilt, dass sie zur Weltspitze gehören.

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          Andreas Sander gehört nicht zu den Skirennläufern, die ihren Gefühlen am Ende eines Rennens freien Lauf lassen, wenigstens nicht unmittelbar. Auch an diesem Sonntag dauerte es ein wenig, bis das, was ihn nach der zweiten Weltcup-Abfahrt in Kitzbühel beschäftigte, aus ihm herausbrach. Er hatte bereits die obligatorische Materialkontrolle hinter sich, als er die Stille am Fuße des Hahnenkamms mit einem lauten Schrei durchbrach. Keinem Freudenschrei, das war klar, vielmehr packte der Deutsche in diesen verbalen Ausbruch seinen ganzen Ärger.

          Die Ausfahrt Steilhang habe er nicht so gut erwischt, klagte Sander später, „und im Mittelteil war es zu verkrampft“. Klingt nach einer verkorksten Fahrt und nicht nach dem sechsten Platz, auf dem Sander schließlich landete, direkt hinter dem Mannschaftskollegen Romed Baumann, mit einer Sekunde Rückstand auf Beat Feuz. Der Schweizer war wie am Freitag der Schnellste, gewann vor Johan Clarey aus Frankreich und dem Österreicher Matthias Mayer. Mit diesem Doppelerfolg tilgte er den Makel des ewigen Zweiten auf der Streif an diesem Wochenende sehr eindrucksvoll.

          „Klare Vorwärtsentwicklung“

          Es sagt einiges über die Entwicklung einer Abfahrtsmannschaft aus, wenn ein Athlet mit seiner Leistung hadert, statt sich über ein Ergebnis zu freuen, das noch vor vier, fünf Jahren einer besonderen Erwähnung bedurfte hätte. Zumal auf einer Strecke, die als eine der spektakulärsten und anspruchsvollsten im Weltcup gilt. Mittlerweile mischen die Deutschen in der schnellsten Disziplin kräftig vorne mit, und das, obwohl mit Thomas Dreßen der Beste derzeit nach einer Hüftoperation noch verletzt fehlt. Für den dreimaligen Abfahrtssieger der vergangenen Saison gibt es laut Cheftrainer Christian Schwaiger zwar „eine kleine Chance“, bei den Weltmeisterschaften im Februar in Cortina d’Ampezzo dabei zu sein, aber so lange liegt der Fokus auf Sander und Baumann.

          Schnell unterwegs: Andreas Sander in Kitzbühel
          Schnell unterwegs: Andreas Sander in Kitzbühel : Bild: dpa

          Die beiden sind für „die klare Vorwärtsentwicklung“, wie es Alpinchef Wolfgang Maier bezeichnet, in diesem Winter verantwortlich. In drei der fünf Abfahrten des Winters landete Sander in den Top Ten, Baumann schaffte dies sogar viermal. Im Disziplin-Weltcup liegt deshalb der Tiroler, der seit vergangenem Winter für den Deutschen Skiverband fährt, direkt vor Sander auf dem sechsten Platz. „Wir gehören sicher zum Kreis, der bei der WM um eine Medaille mitfahren kann“, sagt Maier.

          Mannschaftsinterne Duelle können motivieren, wie es die Norweger seit vielen Jahren zeigen. Dort stachelten sich einst Lasse Kjus und Kjetil-André Aamodt gegenseitig zu Höchstleistungen an, später Aksel Lund Svindal und Kjetil Jansrud. Sie können aber auch bremsen, und das hat Baumann in Österreich erlebt, wo der Kampf um die Startplätze aufreibend sein kann und das Betriebsklima beeinträchtigt. Manche Athleten kommen mit dieser Gemengelage gut zurecht, andere reiben sich dabei auf. Baumann gehörte zur zweiten Gruppe. Seit seinem Wechsel zum Deutschen Skiverband blüht er auf, hat sich mit nun 35 Jahren noch einmal zurück in die Weltspitze gekämpft. Der fünfte Platz vom Sonntag war sein bestes Abfahrtsergebnis seit sechs Jahren.

          Baumann profitiert von der guten Stimmung in der Mannschaft und lässt dafür die Kollegen teilhaben an seinem großen Erfahrungsschatz. In Kitzbühel startete er in beiden Abfahrten als erster Deutscher, ganz bewusst wählte er am Sonntag die frühe Startnummer. Dass er deshalb noch keine Infos über die Strecke hatte, sich ganz auf seinen Eindruck bei der Besichtigung verlassen musste, nahm er in Kauf, versorgte aber den kurz nach ihm startenden Sander noch per Funk. Als „alter Hase“, sagt Cheftrainer Schwaiger, wisse Baumann auf den Abfahrten genau, „wo man Zeit verlieren kann und wo man Zeit gewinnen kann“.

          Und er mache sich „keinen Kopf“, wie er sagt, dass der nächste Schritt, der nach ganz vorne, bisher noch nicht geklappt hat. „Wenn du solide unter die ersten zehn fährst, wird es auch einmal für das Podium reichen“, ist er sicher. Vielleicht schon in zwei Wochen auf der heimischen Kandahar in Garmisch-Partenkirchen. Oder Mitte Februar bei der wichtigsten Abfahrt des Winters. Die bei der WM.

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