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Ski-Glosse : Lindsey Vonn und die Kandahar

  • -Aktualisiert am

Unzufrieden mit der WM-Piste: Lindsey Vonn klagt über die Kandahar Bild: dapd

Die Kandahar ist unsympathisch: Aber das tägliche Klagen der Lindsey Vonn nervt. Wer verletzt ist, sollte sich nicht auf die Abfahrtsstrecke der WM in Garmisch einlassen.

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          Wirklich sympathisch ist sie nicht, die Kandahar. Eisig und unterkühlt windet sie sich furchtbar steil den Berg hinab, meidet Sonne und liebt schlechtes Licht. Sie ist eine Skipiste, die zur Grausamkeit neigt und auch zum Größenwahn. Weshalb sonst würden ihre Streckenabschnitte Namen tragen wie Hölle oder Himmelreich? Oder Freefall, als wäre sie eine Achterbahn in Disneyland? Eine wirklich unsympathische Erscheinung.

          Doch die Kandahar ist nicht irgendeine Piste, sie ist die Abfahrtsstrecke bei dieser Ski-WM in Garmisch. Und wie es so ist mit unsympathischen Erscheinungen, denen man nicht aus dem Weg gehen kann: Man muss sich mit ihnen arrangieren. Wer Weltmeister werden will, muss durch Himmelreich und Hölle, muss Ski fahren und gleichzeitig eislaufen können, muss mit schlechter Sicht zurechtkommen und mit einer Ratterpiste, die so brutal auf jeden Muskel einschlägt, dass der Masseur abends alle Hände voll zu tun hat, die Schmerzen aus dem Körper zu kneten. Wer auf der Kandahar wie am Sonntag (11 Uhr) im Abfahrtsrennen der Frauen Weltmeisterin werden will, muss sich trauen, sich überwinden. Jammern hilft nicht.

          Womit wir bei Lindsey Vonn wären. Die Amerikanerin ist die beste Skiläuferin der vergangenen Jahre. Allerdings pflegt sie auch gern ihre Verletzungen. Nach Garmisch kam sie wegen eines Trainingssturzes mit Kopfschmerzen. Das ist nicht angenehm, aber wie jede Unpässlichkeit ist es für die Amerikanerin Anlass zu großer öffentlicher Klage. Wie damals vor einem Jahr bei den Olympischen Spielen in Vancouver, als sie mit einer Schienbeinprellung die Medien zwei Wochen lang in Atem hielt - und dann doch Gold in der Abfahrt gewann.

          In Garmisch ist es jetzt nicht nur der Kopf, der schmerzt, es ist auch die Kandahar, über die sie sich wie keine andere Starterin fast täglich beklagt. Da möchte man dieser unsympathischen Piste dann doch einmal zur Seite springen und sagen: Ja, sie ist grenzwertig, sie ist gefährlich, aber sie ist halt eine WM-Piste. Wer verletzt ist, sollte sich nicht auf sie einlassen.

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