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Ski-Freestylerin Sarah Burke : Crash in der Halfpipe

  • -Aktualisiert am

Bislang der Star der Szene: Bei den X-Games wollte Sarah Burke ihren Titel verteidigen Bild: REUTERS

Die kanadische Freestyle-Ikone Sarah Burke kämpft nach einem Sturz in Park City um ihr Leben. Sie wusste um das Risiko - „aber du schiebst es weg.“

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          Sie hatte sich viele Jahre dafür eingesetzt, dass ihre Disziplin ins olympische Programm aufgenommen wird. Mit Erfolg: In Sotschi 2014 werden im Ski-Slopestyle erstmals Medaillen vergeben. Doch zur Zeit weiß niemand, ob Sarah Burke jemals wieder Sport treiben wird. Die erfolgreiche Halfpipe-Freestylerin liegt seit Dienstag in kritischem Zustand in einer Klinik in Salt Lake City und kämpft um ihr Leben, nachdem sie während eines Trainingslagers in der Superpipe in Park City schwer gestürzt war.

          Sie wurde von den Ärzten operiert und in ein künstliches Koma versetzt. Die 29-jährige Kanadierin, die viermal ihre akrobatische Disziplin bei den amerikanischen X Games und auch bei der Weltmeisterschaft 2005 gewann, wusste um die Risiken, war jedoch stets sicher, dass sie damit umgehen könne: „Du trägst einen Helm. Du trägst Schutzpolster. Du tust, was du tun musst”, sagte sie vor zwei Jahren im amerikanischen Fernsehen.

          Eine Vorzeigefahrerin in der Szene

          Die genauen Umstände des Unfalls sind bislang nicht bekannt. „Ich habe gehört“, sagte Peter Judge, der Geschäftsführer der kanadischen Freestyle-Mannschaft, „dass sie im unteren Teil bei einem Sprung auf den Beinen landete, dann aber mit dem Kopf aufschlug. Sie wurde sogleich mit einem Hubschrauber ins Krankenhaus geflogen. Es war kein katastrophaler Sturz. Deshalb bin ich verblüfft.“ Judge verteidigte am Mittwoch das Gesundheitsrisiko der Freestyler, die bei ihren Wettbewerben gewagte Salti und Schrauben springen. „Ich halte Freestyle-Ski generell für extrem sicher. Risiken gibt es in jeder Sportart.“

          Beim Training in der Halfpipe von Park City ist Burke schwer gestürzt. „Sarah hat ernsthafte Verletzungen erlitten“

          Tatsächlich sind die Herausforderungen für die Fahrer in der Halfpipe in den vergangenen Jahren ständig gewachsen. Einer der Gründe: Die Wände der Pisten, die wie riesige Schneewannen aussehen, wuchsen in den sogenannten Superpipes auf eine Höhe von bis 6,70 Meter. Eine vor zwei Jahren im britischen Journal of Sports Medicine veröffentlichte Studie fand denn auch heraus, dass die Verletzungsstatistik bei den Spitzenathleten unter den Freestyle-Skiern vergleichsweise hoch sei – besonders was schwere Verletzungen angeht. In dieser Szene wurde Sarah Burke in den letzten Jahren zu einer Art Vorzeigefahrerin.

          So stand sie im Mittelpunkt eines Dokumentarfilms, aus dem der Fernsehsender Ski Channel am Mittwoch Ausschnitte zeigte und in dem sie an der Seite ihres Ehemanns Rory Bushfield, ebenfalls ein Freestyle-Skier, ihre romantische Zuneigung zum Winter in den Bergen formuliert: „Das ist unser Leben. Hier haben wir uns getroffen, hier spielen wir“, sagte sie, unterbrochen von Bushfield, der hinzufügte: „Und hier werden wir hoffentlich sterben.“

          „Hände, Rippen, Nase, Knie“

          Burkes Unfall passierte in derselben Halfpipe, in der 2009 Kevin Pearce, einer der besten amerikanischen Snowboarder der letzten zehn Jahre, schwer stürzte und schwere Hirnverletzungen erlitt. Er war im Rahmen einer mehrjährigen Therapie in der Lage, Schritt für Schritt wieder sprechen, laufen und Snowboarden zu lernen. Die Halfpipe von Park City war auch Austragungsort der Freestyle-Weltmeisterschaft im vergangenen Jahr.

          „Sarah ist eine starke Frau“, sagte Rory Bushfield am Mittwoch. „Und sie wird ganz sicher kämpfen, um wieder gesund zu werden.“ Burke hatte sich über die Gefahren hin und wieder mit ihrer amerikanischen Konkurrentin Kristi Leskinen unterhalten. „Wir haben darüber gesprochen, wie man Verletzungen vermeiden kann“, sagte sie der kanadischen Zeitung Toronto Star. „Es ist etwas, das jeder weiß und im Hinterkopf hat, aber du schiebst es weg. Denn solche Verletzungen gibt es nicht oft.“ Leskinen hatte 2005 eine Gehirnblutung nach einem Sturz erlitten.

          Burke hatte sich erst vor zwei Jahren an der Wirbelsäule verletzt und musste einen Winter pausieren. 2007 hatte sie sich während der X Games in Aspen die Nase gebrochen. „Hände, Rippen, Nase, Knie. Eine ausgekugelte Schulter, die operiert werden musste. Ich habe einiges abbekommen“, wurde sie im Dezember im Vancouver Magazine zitiert. Das Skigebiet Whistler, einer der Austragungsorte der Olympischen Winterspiele 2010, war die zweite Heimat für Burke geworden, die in der Stadt Midland in der Provinz Ontario aufgewachsen war. Bei den Olympischen Spielen in Sotschi 2014 wäre sie 31 Jahre und damit schon ziemlich alt für einen Spitzenathleten in einer Freestyle-Disziplin. Trotzdem hatte sie dieses Ziel stets vor Augen. „Ich werde immer besser”, erzählte sie im vergangenen Frühjahr. „Diese Gelegenheit werde ich nicht sausen lassen.“

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