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Ski : Das Land, in dem Frauen kein Trost sind

  • -Aktualisiert am

Ratlos: Hermann Maier Bild: REUTERS

Es klemmt ganz gewaltig im Austria Power Team. Daran ändert auch die Tatsache nichts, daß die österreichischen Ski-Frauen so stark sind wie nie zuvor. Wenn's bei den Männern nicht läuft, trösten eben keine Erfolge des weiblichen Geschlechts.

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          "Wann's laaft, dann laaft's." Es war einer der längsten Sätze, die Rudi Nierlich, der dreifache Alpin-Weltmeister, über seine Lippen gebracht hat. Der Satz hat den genialen Techniker, der Journalisten mit seiner Schweigsamkeit zum Verzweifeln brachte, überlebt. Der Österreicher kam wenige Monate nach seinem dritten Titelgewinn bei einem Unfall ums Leben.

          Nierlich half den österreichischen Alpinen 1990, die dürren sieben Jahre, in denen die Schweizer den Nationencup gewannen, zu überwinden. Und seither lief es bei den Österreichern. Siebzehnmal in Serie gewannen sie den "Schirmständer", wie die häßliche Trophäe auch genannt wird. "Wann's laaft, dann laaft's."

          Ein Geist taucht auf

          Keiner stellte sich jemals die Frage, was wäre, wenn es plötzlich nicht mehr laufen würde. Doch jetzt ist es passiert. Es klemmt im Austria Power Team. Die Männer gewinnen nicht mehr. Seit Benni Raichs Sieg beim Eröffnungsslalom von Levi fehlt die Abkürzung "AUS" oben auf der Anzeigetafel. Nach zehn Rennen ohne Sieg - nach dem Riesenslalom von Alta Badia - mußte bis ins Jahr 1995 zurückgeblättert werden, um auf eine gleich lange Strecke der Erfolglosigkeit zu stoßen.

          Einen Tag später kam es noch schlimmer. Im Slalom gewann kein einziger Österreicher Weltcuppunkte. Ein Ereignis, das es nur in der Epoche vor 1994 gegeben hatte, als nur 15 und nicht wie heute 30 Fahrer Weltcuppunkte erhielten. Und nach den nebligen Heimrennen von Hinterstoder, die die schwarze Serie auf 13 sieglose Weltcuprennen schraubte, tauchte schon der Geist von 1987 auf. 1987 war das Jahr des Debakels von Crans-Montana (nur je eine WM-Silber- und eine Bronzemedaille für Günter Mader), das Jahr ohne Weltcupsieg der Männer.

          Frauen so stark wie nie

          Die "Skikrise" 2006/2007 ist da. Daran ändert auch die Tatsache nichts, daß die österreichischen Frauen so stark sind wie nie zuvor, sieben von elf Rennen gewannen, im Gesamtweltcup die drei ersten Plätze belegen. Wenn's bei den Männern nicht läuft, trösten keine Erfolge der Frauen. Darüber kann man denken, was man will, aber so ist das nun mal in Österreich.

          Fehler werden gesucht. Haben sie auf zu guten Pisten trainiert und kommen mit all den Furchen und Gräben, die sie mit ihren hohen Nummern (die Besten der Weltrangliste starten in den schnellen Disziplinen zuletzt) vorfinden, deshalb nicht zurecht? Haben die Alten dem Nachwuchs in all den Jahren des Erfolgs den Weg versperrt, weshalb jetzt der Nachschub fehlt? Cheftrainer Toni Giger will sich nicht verrückt machen lassen. Er weiß ein Rezept: "Kräftig ärgern, Emotionen rauslassen und weiterarbeiten."

          Jeder kann gewinnen

          Eines steht fest: Je öfter die Österreicher geschlagen werden, desto mehr glauben die Fahrer der anderen Nationen an ihre Chancen. Es gibt keine Zerdrückten mehr, jeder kann gewinnen. Bei den Männer haben in diesem Winter schon Fahrer aus neun Nationen gewonnen. Deutsche, Franzosen und Schweizer sind noch keine dabei. Die Schweizer Männer - welch ein Trost für Österreich - warten mittlerweile seit 100 Rennen auf einen Sieg. Doch von Krise spricht hier keiner.

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