https://www.faz.net/-gtl-u6qa

Ski alpin : Vom Luftikus zum Slalom-Schwergewicht

  • Aktualisiert am

Immer volles Risiko: Felix Neureuther Bild: dpa

Wenn Felix Neureuther sagt, er werder bei der Ski-WM „voll angreifen“, dann klingt das fast wie eine Drohung. Zu oft hat der 22-Jährige aufgrund seiner ungestümen Fahrweise Lehrgeld zahlen müssen. Doch „mit Papa reden“ hilft manchmal ungemein.

          1 Min.

          Früher war Felix Neureuther ein Luftikus, doch in diesem Winter mischt der Modellathlet als Slalom-Schwergewicht in der Weltklasse mit. Anfang Dezember fuhr der 22-Jährige vom SC Partenkirchen als Dritter in Beaver Creek erstmals auf ein Weltcup-Podium. Bei den Weltmeisterschaften in Are will Felix Neureuther nun ebenfalls vorne mitfahren.

          „Bei einer WM zählen leider nur die Medaillen. Ich werde alles probieren und voll angreifen. Ich weiß, dass ich sehr gut drauf bin“, sagt der Sohn von Doppel-Olympiasiegerin Rosi Mittermaier und Christian Neureuther. Seine erste WM 2003 in St. Moritz war für den damals 18-Jährigen noch ein Abenteuer, bei dem er zunächst für lockere Sprüche über die „feschen Hasen“ für Heiterkeit sorgte und dann als 15. im WM-Slalom überraschte. Sein unbestrittenes Talent ging jedoch zunehmend einher mit allzu leichtsinniger Fahrweise, die zu vielen Ausfällen führte.

          „Mit Papa geredet“

          Nach zwei „Nullnummern“ bei den Olympischen Winterspielen in Turin musste sich Felix Neureuther erstmals mit interner und öffentlicher Kritik auseinandersetzen. „Olympia war der absolute Tiefpunkt für mich. Dann habe ich mich mit dem Papa zusammengesetzt und geredet,was wir ändern können.“ Nachdem früher eine Herzmuskelentzündung und diverse Knochenbrüche lange Zwangspausen in den Sommermonaten verursachten, ging Neureuther nach der ersten verletzungsfreien Vorbereitung seit vielen Jahren fit wie nie in den Winter.

          „Bei der WM zählen nur Medaillen”
          „Bei der WM zählen nur Medaillen” : Bild: dpa

          Die neue physische Stärke zeigte auf der Piste Wirkung: Dank seines Muskelapparates kann sich der Slalomspezialist auch aus waghalsigen Situationen im Stangenwald befreien, bei denen er früher ausgefallen wäre. „Man sieht, dass er konstant in der Weltspitze mitfahren kann“, lobt Alpin-Direktor Wolfgang Maier. „Felix drohte im Mittelmaß zu versinken. Man musste Dinge klar ansprechen und umstellen. Es bringt ihm nichts, wenn man seinen Namen auf einem Silbertablett voranträgt.“

          Immer für einen Spruch gut

          Mit neuem Techniktrainer und dem Servicemann vom früheren Weltmeister Kalle Palander hat Felix Neureuther auch sein Umfeld optimiert. Auch von Fehlern lässt sich ein gereifter Neureuther so schnell nicht mehr aus dem Konzept bringen. „Er ist wesentlich stabiler geworden. Er weiß, dass er gut genug ist, um aufs Podest zu fahren“, sagt Cheftrainer Werner Margreiter.

          Bei aller Seriosität ist Neureuther aber weiterhin auch stets für einen Spruch gut. Gefragt, was ihm am Ergebnis seines dritten Platzes in Beaver Creek am besten gefalle, sagte er frech: „Kein Österreicher auf dem Podest.“

          Weitere Themen

          Der Mann, der Mainz 05 kann

          Manager Christian Heidel : Der Mann, der Mainz 05 kann

          In Mainz war er ein Vierteljahrhundert als Manager erfolgreich, auf Schalke binnen drei Jahren gescheitert. Nun kommt es zum Wiedersehen für 05-Rückkehrer Christian Heidel mit Königsblau.

          Topmeldungen

          Lässt Statistiken für sich sprechen: Premierminister Boris Johnson

          Londons stiller Triumph : Das Ende der Astra-Zeneca-Skepsis

          Die Zweifel an der Wirksamkeit des Impfstoffs in Berlin und Paris haben in London Befremden hervorgerufen. Das Einschwenken beider Länder auf den britischen Impfkurs wird nun mit Genugtuung quittiert.
          Konzernzentrale und Stammwerk: der Daimler-Standort in Untertürkheim

          E-Auto statt Verbrennungsmotor : Daimler baut sein Stammwerk um

          400 Millionen Euro an Investitionen sollen Stuttgart-Untertürkheim ins Elektrozeitalter bringen. Statt Verbrenner-Großserie heißt es künftig: E-Auto-Campus und Batteriezellproduktion.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.