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Ski alpin : Viktoria Rebensburg wird zur Jägerin

  • -Aktualisiert am

Kein gewohntes Bild: Viktoria Rebensburg stand nicht oft auf ihren Ski in dieser Saison Bild: REUTERS

Sechs der bisher dreizehn geplanten Starts verpasste Viktoria Rebensburg. Die Skirennläuferin übernimmt nach einer verkorksten ersten Saisonhälfte die Rolle der Jägerin. In Cortina wird sie aber schon wieder gestoppt.

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          Die Reise in die Dolomiten hat sich für Viktoria Rebensburg schon gelohnt. „Hier ist richtig Winter, so wie es sein soll.“ Aber der ergiebige Schneefall in Cortina d’Ampezzo verhinderte das letzte Training für die Ski-alpin-Weltcuprennen an diesem Wochenende. Für die Riesenslalom-Olympiasiegerin bedeutete das: ein bisschen lernen für die Uni und vor allem Chillen statt Skifahren.

          Am Samstagmorgen wurde dann auch die geplante Abfahrt abgesagt und um einen Tag auf Sonntag (11.30 Uhr) verschoben. Das wiederum findet Viktoria Rebensburg nicht besonders gut. Sie kehrt gerade zurück in den Weltcup, nach auskurierter Lungenentzündung. Die Saison beginnt für die 24 Jahre alte Kreutherin deshalb erst im Olympiaort von 1956 so richtig.

          Sechs der bisher dreizehn geplanten Starts verpasste sie. Fit trat die 24 Jahre alte Kreutherin nur einmal an, in Sölden im Oktober. Anschließend fing sie sich einen viralen Infekt ein, den sie nicht richtig auskurierte, weil die Rennen in Nordamerika bevorstanden. In Beaver Creek und Lake Louise gaben ihr Höhe und Kälte den Rest. Viktoria Rebensburg quälte sich ins Ziel, aber „als ich wieder hier war, ging gar nichts mehr“.

          Aus dem Infekt war eine Lungenentzündung geworden. Sie musste Antibiotika nehmen – und schweren Herzens die nächsten Skirennen absagen. „Mein Tagesablauf bestand nur noch darin, daran zu denken: Was muss ich noch nehmen, was habe ich schon genommen, und wann ich gehe zum Doktor?“, erzählte Rebensburg.

          „Was muss ich noch nehmen, was habe ich schon genommen, und wann ich gehe zum Doktor?“
          „Was muss ich noch nehmen, was habe ich schon genommen, und wann ich gehe zum Doktor?“ : Bild: dpa

          Der Wiedereinstieg in Lienz nach Weihnachten ging mit Platz 24 gründlich daneben. Es kam ein Rückschlag, und wieder lag sie daheim auf der Couch. „Zwischendurch hatte ich Angst, dass ich überhaupt nicht mehr gesund werde und auf die Beine komme“, sagt sie. Zumindest nicht mehr rechtzeitig zum Saisonhöhepunkt, den Olympischen Winterspielen in Sotschi im Februar.

          Die verkorkste erste Saisonhälfte passt in Rebensburgs jüngste Pannenserie vor Großereignissen. Bei der WM in Garmisch-Partenkirchen 2011 startete sie grippegeschwächt und war chancenlos. Bei den Titelkämpfen im vergangenen Jahr in Schladming stürzte sie beim Riesenslalom-Training und zog sich eine Rippenprellung zu. Im WM-Rennen blieb die Deutsche dann als Elfte weit hinter ihren Erwartungen zurück.

          Ich treffe immer noch Entscheidungen selbst

          Dieses Mal sollte alles anders sein. Der dritte Platz beim Auftakt in Sölden zeigte Rebensburg, dass der Kurs, den sie eingeschlagen hatte, „absolut richtig“ gewesen sei. Sowohl die Sportführung des Deutschen Skiverbandes (DSV) als auch ihr Management, die Agentur von Roman Grill, die auch den Fußball-Nationalspieler Philipp Lahm berät, hatten ihr im vergangenen Frühjahr zu verstehen gegeben, dass sich etwas ändern müsse.

          Es ging um die Abstimmung des Materials und vor allem um die Kommunikation mit den Trainern. Näher will Rebensburg darauf nicht eingehen. „Das sind Interna.“ Das Verhältnis zu den Trainern und dem DSV hat sich normalisiert, aber Viktoria Rebensburg findet, dass dem Ganzen zu große Bedeutung beigemessen werde. „Deshalb bin ich ja kein anderer Mensch geworden. Ich treffe immer noch Entscheidungen selbst.“

          Sie kann wieder lachen: Rebensburg geht optimistisch Richtung Sotschi
          Sie kann wieder lachen: Rebensburg geht optimistisch Richtung Sotschi : Bild: AP

          Nun hofft sie, dass bis Sotschi nicht noch einmal etwas dazwischenkommt. Vor allem die Kondition habe unter der langen Pause gelitten. „Das Skifahren werde ich schon nicht verlernt haben in den vergangenen Wochen.“ Die Abfahrt am Sonntag ist deshalb für sie wie ein kleiner Fitnesskurs. „Ich muss mich erst wieder an die langen Rennen gewöhnen.“ Vielleicht beschleunigt diesen Prozess, dass sie auf der „Olimpia delle Tofane“ damit anfängt. „Ich mag Cortina gerne“, sagt Rebensburg.

          Seit dem vergangenen Jahr besonders, da hat sie den Super-G gewonnen. Dass sich das am Sonntag wiederholen könnte, glaubt sie nicht. „Ich brauche noch zwei Wochen, bis ich körperlich wieder auf einem guten Niveau bin.“ Gerade noch rechtzeitig vor Olympia. „Vor der Saison war es sicher das Ziel, in Sotschi um eine Medaille mitzufahren, aber jetzt gibt es andere Favoritinnen.“

          „Cool, ich hab schon mal gewonnen“

          Viktoria Rebensburg sagt das ohne Wehmut in der Stimme. Anna Fenninger, Tina Weirather, Jessica Lindell-Vikarby und Lara Gut gewannen jeweils ein Rennen in diesem Winter und sind deshalb höher einzuschätzen. „Ich bin halt jetzt die Jägerin. Wer weiß, für was es gut ist.“ Vielleicht liegt ihr diese Rolle ohnehin besser, als die Gejagte zu sein. „2010 war ich ja auch nicht Favoritin.“ Und sie holte Gold.

          Egal, wie die nächsten Rennen laufen, Viktoria Rebensburg reist mit einem guten Gefühl zu den Winterspielen. „Ich glaube schon, dass man hinfährt und sagt: ,Cool, ich hab schon mal gewonnen.‘“ Die Bilder sind noch im Kopf, aber nicht mehr so richtig präsent. Sie hat sich schon länger nicht mehr mit ihrem Triumph von Whistler vor vier Jahren befasst. „Aber vielleicht schaue ich mir das Video jetzt dann mal an. Ich hab’s jedenfalls auf meinem Laptop.“

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