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Ski alpin : Späte Weihnachtsgeschenke

  • -Aktualisiert am

Nach einem Patzer im Finaldurchgang war der Vorsprung dahin: Maria Riesch Bild: AP

Die deutschen Slalomläuferinnen haben eine bemerkenswerte Entwicklung hinter sich. In Flachau landen vier von ihnen unter den ersten zehn - und das, obwohl Susanne Riesch als Führende ausscheidet. Mittlerweile haben die Trainer die Qual der Wahl.

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          Am Hang flossen ein paar Tränen. Susanne Riesch ließ sich nach ihrem Malheur erst einmal vom deutschen Techniktrainer Christian Schwaiger trösten. Unten im Ziel blickte Maria Riesch drein, als ob sie gerade die letzte Medaillenchance bei den Olympischen Spielen vergeben hätte. Kurz darauf schwang Cheftrainer Mathias Berthold mit einem gar grimmigen Gesichtsausdruck im Zielraum ab. „Das tut weh“, sagte er. Der Eindruck, den die deutschen Slalomläuferinnen am Ende des Weltcup-Nachtslaloms in Flachau am Dienstagabend im ersten Moment vermittelten, war der einer geschlagenen Mannschaft. Dabei stand Maria Riesch als Zweite hinter der Österreicherin Marlies Schild auf dem Siegerpodest, und auf den Plätzen fünf, sechs und neun präsentierten sich drei weitere deutsche Slalomläuferinnen in der Elite.

          Aber die Ausgangslage war eben eine andere gewesen. Nach dem ersten Durchgang hatte Susanne vor Maria Riesch geführt, hauchdünn nur, aber der Vorsprung der beiden auf die Konkurrenz war schon beachtlich groß gewesen. Dann jedoch unterlief Maria Riesch im Finaldurchgang ein grober Patzer, und der Vorsprung war dahin. Ihre Schwester fädelte anschließend ein - und nichts war es mit einem deutschen Doppelerfolg. „Das waren Weihnachtsgeschenke im Januar“, sagte Berthold.

          Die Qual der Wahl, kein Luxusproblem

          Im Slalom ist der Deutsche Skiverband (DSV) seit dem vergangenen Winter verwöhnt. Da war Maria Riesch Seriensiegerin, Gewinnerin des Slalom-Weltcups und Weltmeisterin. In dieser Saison carvt sie zwar nicht mehr so überlegen durch die Tore, aber sie ist mit einem Sieg und zwei zweiten Plätzen immer noch die Punktbeste der Disziplin. Am Dienstag holte sie sich das rote Trikot der Führenden zurück, das sie in Zagreb neun Tage zuvor hatte abgeben müssen.

          Auch Susanne Riesch gehört zu den Medaillenkandidatinnen im olympischen Slalom.
          Auch Susanne Riesch gehört zu den Medaillenkandidatinnen im olympischen Slalom. : Bild: AP

          Ihre Schwester gehört nach zwei dritten Plätzen längst ebenfalls zu den Medaillenkandidatinnen für den olympischen Slalom. Am Dienstag lag sie zum ersten Mal nach dem ersten Durchgang in Führung, eine noch ungewohnte Situation für die Zweiundzwanzigjährige. „Bei so etwas muss ich noch lernen, meine Nerven am Start in den Griff zu bekommen“, sagte sie.

          Fast immer landete bisher wenigstens eine weitere deutsche Läuferin unter den besten acht. Christina Geiger und Katharina Dürr qualifizierten sich gleich zu Beginn der Saison für die Olympischen Winterspiele im Februar, Fanny Chmelar erfüllte die Norm nun in Flachau, als fünfte deutsche Slalomläuferin. Ob sie tatsächlich im olympischen Slalomrennen am 26. Februar in Whistler an den Start gehen darf, weiß sie aber noch nicht - Christina Geiger und Katharina Dürr sind ihr vor dem letzten Torlauf vor den Spielen am Sonntag in Maribor nach Punkten voraus. Die Trainer haben nun die Qual der Wahl, aber als Luxusproblem will es niemand beim DSV verstehen. „Wir sind froh, so viele gute Läuferinnen zu haben“, sagt Alpinchef Wolfgang Maier. „Wo ist da das Problem?“

          „Für den Slalom reicht das schon“

          Die Entwicklung hat sich in den vergangenen beiden Jahren schon angedeutet. Sie ist die Folge einer Umstrukturierung und guter Personalwahl. Vor vier Jahren übernahm Christian Schwaiger das Technikressort in der alpinen Frauenabteilung. Der Österreicher war zuvor beim britischen Verband tätig gewesen. Dort hatte er gelernt, wie man aus wenig wenigstens ein bisschen was machen kann. Er legte viel Wert auf die Physis, damit seine Athleten „körperlich kein Handicap haben, denn skifahrerisch wirst du auf der Insel immer eins haben“. In Deutschland fand er zwar bessere Skifahrerinnen vor, sah aber ebenfalls noch Potential bei der Athletik. „Wir haben körperlich richtig Gas gegeben“, sagt Schwaiger.

          Auch wenn das den Athletinnen nicht immer gefallen hat. „Aber es zahlt sich aus, denn das ist die Grundvoraussetzung, dass man im Slalom und Riesenslalom etwas bewegt“, sagt Schwaiger. In Abfahrt und Superriesenslalom ist das zwar nicht viel anders, aber für die Läuferinnen leichter nachzuvollziehen. Susanne Riesch hatte bis zur vergangenen Saison die Konditionseinheiten stets frühzeitig beendet. „Ich dachte, für den Slalom reicht das schon“, sagt sie. Schwaiger schaffte es, so wie zuvor schon bei Maria Riesch, sie vom Gegenteil zu überzeugen.

          Das quantitativ beste Team der Welt

          Vor vier Jahren war keine einzige deutsche Läuferin unter den besten Zehn der Slalom-Rangliste plaziert. Mittlerweile sind es vier, und dahinter sind noch ein paar weitere in Lauerstellung. „Dass es sich so schnell entwickelt hat, ist eine Überraschung“, sagt Schwaiger. Die Basis war aber schon ein paar Jahre zuvor gelegt worden, nach der Weltmeisterschaft in St. Moritz 2003. Wolfgang Maier, zu dieser Zeit noch Cheftrainer der Frauen, reagierte damals auf die Lücke, die in fast allen Disziplinen hinter den Arrivierten Hilde Gerg und Martina Ertl klaffte.

          Er strukturierte kräftig um, bis hinunter zum Nachwuchs, und legte strengere Kriterien fest. „Wir haben anders gefördert und selektioniert, aber nicht spezialisiert“, sagt er. Dass daraus einmal das quantitativ und vielleicht demnächst auch qualitativ beste Slalomteam der Welt wird, war nicht geplant. „Das hat sich aus der hohen Verletzungsquote in den Jahren 2000 bis 2003 einfach ergeben“, sagt Maier. Immer mehr Läuferinnen scheuten deshalb die schnellen Disziplinen, fuhren lieber im Zickzack. Einige davon mit großem Erfolg.

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