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Ski alpin : Schweizer Skifest am Lauberhorn

  • -Aktualisiert am

Ein Schweizer vorm Silberhorn: Didier Defago gelingt der erhoffte Heimsieg Bild: AFP

Einen Schweizer Sieger erwarteten Zehntausende im Berner Oberland - Didier Défagos Sieg in Wengen ist trotzdem eine Überraschung. Die Österreicher erleben ein Debakel, fast wären sie von einem Deutschen geschlagen worden.

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          Sie gaben alles, um sich einen Platz in einem der Wagen der Zahnradbahn zu erkämpfen, sie stürzten sich ins schlimmste Gedränge, um von Lauterbrunnen oder Grindelwald hinauf zur Rennstrecke zu kommen. Sie nahmen auch lange Fußmärsche in Kauf. 29.000 Ski-Fans wollten dabei sein, beim großen Schweizer Skifest am Lauberhorn. Mehr als zu den Zeiten der einstigen Heroen Bernhard Russi und Roland Collombin.

          Die Erwartungen der Schweizer Anhänger waren hoch. Didier Cuche, in den letzten beiden Jahren jeweils nur vom Amerikaner Bode Miller besiegt, hatte die beiden Trainingsläufe dominiert. Die Kombinierer Daniel Albrecht und Carlo Janka waren beim „Prolog“, der Superkombination, den besten Abfahrern der Welt auf der verkürzten Strecke davongefahren. Die Schweiz gegen den Rest der Welt – so lautete das Motto nach Jankas überraschendem Sieg vom Freitag.

          Es ist der erste Abfahrtssieg für Defago

          Und die Fans wurden tatsächlich nicht enttäuscht. Doch statt Cuche, Albrecht oder Janka feierten sie im Zielraum den andern Didier. Jenen Didier nämlich, der in den vergangenen Jahren fast immer im Schatten seines erfolgreichen und um drei Jahre älteren Namensvetters gestanden hatte. Didier Défago siegte mit 20 Hundertstelsekunden Vorsprung vor Bode Miller, 39 Hundertstel vor dessen Landsmann Marco Sullivan und 58 Hundertstel vor Ambrosi Hoffmann, dem zweiten Schweizer, mit dem niemand wirklich gerechnet hatte.

          Ein Schweizer vorm Silberhorn: Didier Defago gelingt der erhoffte Heimsieg Bilderstrecke

          Für den 31-jährigen Défago war es erst der zweite Sieg seiner Karriere. Vor sechs Jahren hatte er in Gröden den Superriesenslalom gewonnen. Achtmal erreichte er zudem einen Platz auf dem Siegerpodest – nie jedoch nach einer Abfahrt. „Mein erster Abfahrtssieg und dann noch zu Hause. Das ist ein Traum. Ich realisiere das noch gar nicht“, sagte Défago. Als er im Ziel war, verdrängte er Marco Sullivan von der Spitze.

          Miller war mit dem zweiten Platz nicht zufrieden

          Das Warten war für ihn nur einmal unangenehm gewesen. Nachdem er abgeschwungen hatte, war Bode Miller auf der Strecke. Der Amerikaner lieferte dem Schweizer ein spannendes Duell. 14 Hundertstelsekunden betrug sein Rückstand auf dem langen Gleiterstück bis zum Hundschopf, auf 25 Hundertstel stieg er beim Haneggschuss und auf 20 Hundertstelsekunden schrumpfte er bis ins Ziel. Er war so etwas wie ein Rennen im Gleichschritt.

          Bode Miller war mit dem Ergebnis nicht ganz zufrieden. „Es war heute schwer, Tempo zu machen. Alle schwierigen Passagen sind in diesem Jahr leichter geworden, das macht es schwieriger für die Besten“, meckerte der eigenwillige Amerikaner, gestand aber auch: „Ich habe alles gegeben, aber ich bin nicht so gut gefahren, wie ich es drauf habe.“

          Fill und Cuche kosten Fehler Zeit

          Nachdem sein letztjähriger Siegerski in der Kombinations-Abfahrt nicht gut gelaufen war, setzte er ein neues, unerprobtes Modell ein. Außerdem spürt er noch immer die Knöchelverletzung im linken Fuß, die er sich im Dezember in Beaver Creek zugezogen hatte. Miller ist überzeugt, dass er das Rennen in den Rechtskurven verlor, in denen er nicht genügend Druck auf den Ski habe ausüben können.

          Danach kam kein Fahrer mehr, der Défago gefährden konnte. Das lag daran, dass Peter Fill (im Ziel-S) und Didier Cuche (in der ersten Kurve) Fehler machten, die zu viel Zeit kosteten. Es lag aber auch an den besonderen Verhältnissen am Lauberhorn. Wegen der Sonneneinstrahlung, die die Piste im obersten Gleiterstück langsamer machte, und wegen der Spuren, die die Kurven von Langentreijen (jenem Teilstück, das dem Fernsehen verborgen bleibt) ruppiger werden ließen.

          Debakel für die Österreicher

          Darunter litten auch die Schweizer Albrecht und Janka, die beiden Dominatoren der Kombinationsabfahrt. Sie hatten das Rennen schon am späten Freitagnachmittag verloren, als sie bei der Startnummernauslosung Pech hatten. Sie machten noch das Beste aus der ungemütlichen Situation und belegten schließlich die Ränge 12 und 13.

          Ein regelrechtes Debakel erlebten die Österreicher. Als Bester erreichte Georg Streitberger den 18. Rang. So schwach hatte die Ski-Nation Nummer eins bei keinem Abfahrtsrennen seit März 1994 abgeschnitten. Und zum ersten Mal in der Geschichte des Lauberhornrennens verpasste Österreich einen Platz in den Top Ten. Fast hätte sogar ein deutscher Abfahrer mit den sonst so schnellen Nachbarn mithalten können. Stephan Keppler kam auf den 24. Rang. „Es war sehr, sehr anstrengend, aber ich bin hochzufrieden“, sagte Keppler: „Das ist mein bestes Ergebnis seit langem.“

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