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Abfahrerin im Ski-Weltcup : Die One-Woman-Show der Kira Weidle

Soll nicht die einzige Sternstunde bleiben: Abfahrts-Silber bei der WM in Cortina Bild: Reuters

Dass Skifahren ihr Beruf werden könnte, wusste sie schon mit acht Jahren. Seit ihrer WM-Medaille gehört Kira Weidle nun zum erweiterten Favoritenkreis. Doch hinter ihr klafft eine Lücke.

          2 Min.

          Unter dem Hashtag #cantwait verkündete Kira Weidle schon vor einigen Tagen ihre Ungeduld vor dem Start in den alpinen Ski-Winter. Ihre Vorfreude garnierte sie auf ihrer Instagram-Seite mit ein paar Videoschnipseln von Schussfahrten unter strahlend blauem Himmel. Und es hat ja wirklich lange gedauert, bis sich auch die alpinen Abfahrerinnen in diesen olympischen Winter stürzen.

          Achim Dreis
          Sportredakteur.

          Doch nun soll es gleich mit einem Dreiklang an einem Wochenende losgehen. Zwei Abfahrten und ein Super-G stehen in Lake Louise binnen 48 Stunden auf dem Wettkampfkalender, sofern die angekündigten 50 Zentimeter Neuschnee den Plan nicht durcheinanderschieben. „Ich freu mich drauf“, sagt Kira Weidle jedenfalls vor der ersten Prüfung an diesem Freitag – und schiebt noch hinterher: „Lake Louise ist eine meiner Lieblingsstrecken.“

          Derzeit beste deutsche Abfahrerin

          Hier, hoch oben im Banff-Nationalpark in den kanadischen Rocky Mountains, hatte sie es vor drei Jahren zum allerersten Mal im alpinen Ski-Weltcup als Dritte aufs Siegerpodest geschafft. Und hier war die Stuttgarterin, die für den Skiclub Starnberg aktiv ist, noch drei weitere Male in die Top Ten gerast. Was seinerzeit in den Jahren 2017 bis 2019 noch als Überraschung durchgehen mochte, soll mittlerweile für die derzeit beste deutsche Abfahrerin zur Regel werden.

          Schließlich geht die 25-Jährige neuerdings mit der Gewissheit ins Rennen, zu den absoluten Spitzenkönnerinnen ihres Fachs zu zählen. Denn beim Saisonhöhepunkt des vergangenen Winters, der Ski-WM in Cortina d’Ampezzo, gewann sie die Silbermedaille in der Abfahrt, nur um 0,2 Sekunden von der Schweizerin Corinne Suter distanziert. Dabei konnte sich Kira Weidle sogar knapp vor Lara Gut-Behrami (Schweiz) platzieren – und die fuhr bei den Titelkämpfen in den Dolomiten als Doppel-Weltmeisterin auf dem Höhepunkt ihrer an Erfolgen nicht armen Karriere.

          Für die nun anstehende Saison gibt es deshalb auch keinen Grund mehr für Damen-Cheftrainer Jürgen Graller, die Erwartungen an Kira Weidle niedrig zu halten: Es sei „das klare Ziel“, dass sie „in der Abfahrtswertung auf dem Podium ist“, erklärte der Österreicher in Diensten des Deutschen Skiverbandes (DSV). Selbst den Kampf um die kleine Kristallkugel für die Beste einer Saison will Graller nicht von vornerein ausschließen – schon im vergangenen Winter hatte Kira Weidle sich am Ende auf Rang fünf der Saisonwertung platziert.

          „Speed Projekt“ des DSV

          Als Problem könnte sich herausstellen, das Kira Weidle praktisch als Alleinunterhalterin im deutschen Abfahrtsteam unterwegs ist. „Im Speed-Bereich ist es eine One-Woman-Show“, hatte auch Graller eingeräumt. Denn neben Kira Weidle ist in Lake Louise nur noch Nadine Kapfer gemeldet. Doch die 21-Jährige aus Garmisch startet dort erst zum zweiten Mal überhaupt in einem Weltcuprennen.

          Start frei für Kira Weidle in Lake Louise: Die Saison der Schussfahrerinnen kann beginnen.
          Start frei für Kira Weidle in Lake Louise: Die Saison der Schussfahrerinnen kann beginnen. : Bild: USA TODAY Sports

          Bei ihrem Debüt, einem Super-G im Dezember 2020, hatte sie in Val d’Isère das Ziel nicht erreicht. Um Abhilfe zu schaffen, hat der DSV seit einiger Zeit ein neues „Speed-Projekt“ ins Leben gerufen. Fünf, sechs junge Frauen der Jahrgänge 1999 bis 2002 sollen mittelfristig zu einem schlagkräftigen Abfahrtsteam aufgebaut werden. Was erfahrungsgemäß den ein oder anderen Winter dauern wird,und auch nicht vor Rückschlägen gefeit ist.

          Solange muss sich Sportsoldatin Kira Weidle darauf einstellen, dass die Hoffnungen der skiinteressierten Öffentlichkeit einzig auf ihr ruhen. Doch „besonderen Druck“ verspüre sie nicht, sagt sie. Sie fühle sich vielmehr durch die WM-Medaille angespornt, einen erfolgreichen Winter zu absolvieren, dessen Höhepunkt dann die Olympischen Winterspiele sein sollen. Eine Medaille bei Olympia zu gewinnen, sei ihr „großes Ziel“.

          Und mit der Erfüllung der eigenen Prophezeiungen kennt sie sich fraglos aus. In der Grundschule hatte sie einmal ihren Berufswunsch aufschreiben müssen. Die damals Achtjährige notierte voller Überzeugung „Skifahrerin“. Den Einwand ihrer Lehrerin, dass dies zwar ein schöner Sport, aber kein Beruf sei, konterte sie der Überlieferung zufolge mit den Worten: „Wenn man schnell genug fährt, schon!“

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