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Ski alpin : Die Krise der deutschen Slalom-Damen

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Auch auf ihr ruhen die deutschen Hoffnungen: Doch Lena Dürr kommt in Lienz nicht über Platz 17 hinaus. Bild: dpa

Neue Techniktrainer, alte Probleme: Beim letzten Rennen des Jahres werden Lena Dürr und Maren Wiesler Siebzehnte. Immerhin ist die Stimmung im Team nun besser.

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          Rein äußerlich war Wolfgang Maier nichts anzumerken. Die Zeiten, als der Sportdirektor des Deutschen Skiverbandes sich einen Skistock lieh, um ihn wutentbrannt in den Schnee zu rammen, oder einem Ski, der im Weg stand, einen Tritt verpasste, sind vorbei. Am Dienstag in Lienz hatte er sich auf die Begrenzungsmatte im Zielraum gestützt und nahm fast regungslos hin, dass Christina Geiger, die erste seiner Läuferinnen im Finale des Weltcup-Slaloms am Schlossberg, nach nur ein paar Toren ausschied und später Lena Dürr eine gutes Resultat durch einen Fehler im Schlusshang vergab.

          Bei Marlen Wiesler hätte er sich hingegen schon im ersten Durchgang ärgern müssen, da hatte die Schwarzwälderin mit Mühe ein Ausscheiden verhindert, sich aber trotzdem noch für den zweiten Durchgang qualifiziert. „Wir müssen es im Moment so nehmen, wie es ist“, sagte Maier gefasst. „Draufhauen bringt da nichts““

          Es läuft nicht gerade gut im Slalom, aber nicht mehr so schlecht wie zu Saisonbeginn und auch nicht wie in ersten Hälfte des vergangenen Winters, als es keine einzige Plazierung unter den besten 15 gegeben hatte. In Lienz schafften es zwar drei Athletinnen ins Finale, der erhoffte große Schritt nach vorne blieb allerdings aus. Maren Wiesler und Lena Dürr teilten sich am Ende den 17. Platz, mit 2,68 Sekunden Rückstand auf Frida Hansdotter.

          Die Schwedin gewann den letzten Torlauf des Jahres vor Wendy Holdener aus der Schweiz und Are-Siegerin Petra Vlhova aus der Slowakei. „Auch wenn es mir noch nicht ganz gelingt, es umzusetzen, immerhin weiß ich jetzt, wie es funktioniert“, sagte Lena Dürr, die nach dem ersten Durchgang noch 14. gewesen war. „2016 wird‘s hoffentlich besser.“ Das Ziel hatte Maier eigentlich schon für diese Saison ausgegeben. Von den Etablierten erwartete er sich konstante Plazierungen unter den besten 15.

          Keine Elite mehr ohne Maria Höfl-Riesch

          Weil Christina Geiger zwar hochtalentiert ist, ihr aber der Mut fehlt, ans Limit zu gehen und gute Resultate wie der elfte Platz von Are vor Weihnachten schon lange eher die Ausnahme sind, trauten die Verantwortlichen deshalb am ehesten Lena Dürr zu, die Führungsrolle übernehmen zu können. Die schied in den ersten beiden Slaloms des Winters aus, danach „hatte ich genug mit mir zu tun, dass ich wieder so zum Skifahren komme, wie ich mir das vorstelle“.

          Die jüngeren Läuferinnen, die bisher nur sporadisch im Weltcup zum Einsatz gekommen waren, so die Vorgabe von Sportchef und Trainer, sollten sich für die zweiten Durchgänge qualifizieren. Aber bisher gelang dies einzig der 18 Jahre alten Jessica Hilzinger, die im Sommer vom Liechtensteiner Verband zum DSV gewechselt war. Gleich in ihrem ersten Weltcup-Slalom landete sie auf dem 25. Platz, aber nun muss Jessica Hilzinger wegen einer Knorpelverletzung eine Pause einlegen. Auch zwei weitere begabte Nachwuchsathletinnen fallen derzeit verletzt aus.

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          Die Inzellerin Marina Wallner, die vor zwei Jahren in Levi mit Platz 16 auf sich aufmerksam gemacht hatte, zog sich einen Kreuzbandriss zu, und Marlene Schmotz aus Fischbachau erlitt einen Bruch des Sprunggelenks. Andere wie Elisabeth Willibald oder Susanne Weinbuchner scheiterten bisher regelmäßig im ersten Durchgang. „Man muss ganz realistisch draufschauen, dass es nicht das ist, was wir erwartet haben“, sagt Maier. Einzig Maren Wiesler konnte Maier am Jahresende halbwegs überzeugen. „Wir müssen sie jetzt nur stabil bekommen, dass sie nicht so oft ausfällt.“

          Die Slalomkrise beschäftigt Maier bereits seit vergangenem Jahr. Nach dem Rücktritt von Maria Höfl-Riesch 2014 haben sich die einst als beste Torlauf-Mannschaft der Welt gelobten Deutschen aus der Weltelite in dieser Disziplin verabschiedet. Die lange als Kronprinzessin gehandelte Lena Dürr vom SV Germering hatte in der Saison eins nach Maria Höfl-Riesch wieder einmal einen Karriereknick.

          „Mit den Trainern geht es nicht mehr“

          Nicht einmal hatte sie es bis Mitte Januar unter den besten 15 geschafft – und damit wie alle anderen Slalomfahrerinnen die offizielle Qualifikationsnorm für die Weltmeisterschaft in Vail/Beaver Creek verpasst. Sie durfte trotzdem nach Colorado, weil sie sich zusammen mit Maren Wiesler in einer internen Ausscheidung durchgesetzt hatte. Dieser kleine Erfolg wirkte bei Lena Dürr wie eine Befreiung. Sie schaffte bei der WM einen soliden 13. Platz und anschließend in Maribor als Fünfte ihr bisher bestes Resultat im Weltcup.

          Im Frühjahr tauschte Maier den gesamten Trainerstab bei den Technikerinnen aus und kam damit einem Wunsch der Athletinnen nach. „Sie haben gesagt, mit den Trainern geht es nicht mehr.“ Robert Krombacher ersetzte Herbert Renoth, der habe sich, so der Vorwurf der Slalomfahrerinnen, zu sehr um Viktoria Rebensburg gekümmert. Deshalb hat Maier „neue Leute ohne Vergangenheit reingebracht“. Die Stimmung sei nun tatsächlich besser, „aber sonst zeigen die Änderungen bisher kaum Wirkung“. Noch nicht, aber vielleicht im neuen Jahr. Maier bleibt auch nichts anderes übrig, als darauf zu hoffen.

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