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Ski alpin in Sotschi : Handschlag von Medwedjew

  • Aktualisiert am

Sotschi ist bereit: „Im alpinen Bereich könnte Olympia schon morgen kommen“ Bild: dpa

Für Olympia 2014 ist bei Sotschi ein Skigebiet mit einer Mini-Stadt entstanden. Die Alpin-Piste genügt höchsten Ansprüchen. Für die Sicherheit sorgten bei der Premiere 5000 zumeist bewaffnete Kräfte.

          Der Weg zur Premiere war beschwerlich: Bevor die Draufgänger des Skizirkus die olympische Abfahrtsstrecke von 2014 erreichten, wurden sie mit einem strengen Sicherheitssystem konfrontiert. Mit ihren Skiern, den Stiefeln und der sperrigen Ausrüstung mussten alle, die in das Gondelsystem von Rosa Khutor steigen wollten, erst einmal den Metalldetektor passieren.

          Auf dem Berg angekommen, fühlten sie sich unter strenger Beobachtung: Dort waren Soldaten der russischen Armee strategisch postiert. Insgesamt, so schätzt die Presseagentur dpa, seien 5000 Sicherheitskräfte, meistens bewaffnet und in Uniform, auf dem Berg präsent gewesen - die Grenze zu Georgien liegt nicht weit entfernt. „So etwas haben wir noch nie gesehen“, sagte die norwegische Rennläufer-Legende Aksel Lund Svindal. „Aber es ist wahrscheinlich besser, auf Nummer sicher zu gehen.“

          Zumindest abseits der Piste. Auf der vom Schweizer Bernhard Russi gestalteten Abfahrt verlangten heftige Buckel, die sich mit weichen Passagen abwechselten, vier weite Sprünge und ungewöhnlich enge Kurven von den Abfahrern die übliche Mischung aus Risikobereitschaft und Kontrolle. Die gelang dem Schweizer Lauberhorn-Sieger Beat Feuz am Samstag am besten.

          Er gewann die erste russische Weltcup-Abfahrt überhaupt - und das auch noch an seinem 25. Geburtstag. Bei den Olympischen Spielen von Sotschi in zwei Jahren könnte er zu den Favoriten zählen. Und den Staatspräsidenten kennt er auch schon persönlich. Im Ziel schüttelte ihm Dmitrij Medwedjew die Hand. „Viel bedeutendere Personen werde ich nicht mehr treffen“, sagte der Schweizer beeindruckt.

          Hier gratuliert der Staatspräsident noch selbst: Dmitrij Medwedjew

          Zweiter wurde der Kanadier Benjamin Thomsen, auch er mit 24 Jahren ein Rennfahrer der Sotschi-Generation, 0,27 Sekunden hinter Feuz, vor dem 27 Jahre alten Franzosen Adrien Theaux. Die berühmten Abfahrtsveteranen verpassten die Plätze auf dem Podest - der Amerikaner Bode Miller auf Platz vier, nur zwei Hundertstelsekunden hinter dem Drittplazierten, war noch der Schnellste.

          Tags darauf sicherte sich der Kroate Ivica Kostelic mit seinem Sieg in der Superkombination vorzeitig den Weltcup in dieser Disziplin. Nach der Abfahrt war er als 15. noch anderthalb Sekunden hinter Feuz gelegen, doch im Slalom spielte er seine ganze Routine aus: Kostelic machte 2,68 Sekunden gut und überholte Feuz fast mühelos. Es war der 24. Weltcupsieg seiner Karriere, danach schmerzte ihn sein strapaziertes Knie. Kostelic wird also wohl mit gemischten Gefühlen an die Premiere zurückdenken.

          Das Olympische Dorf entsteht: Hier sollen in zwei Jahren die Athleten wohnen

          Sarah Lewis, die Generalsekretärin des Internationalen Skiverbandes (Fis), zeigte sich dagegen „sehr, sehr zufrieden“. Innerhalb kürzester Zeit habe sich der Skiort Krasnaja Poljana mit seiner Station Rosa Khutor „von einem Berg zu seinem wunderschönen Skigebiet mit einer Mini-Stadt entwickelt“. Lewis lobte die „super Strecke und die exzellente Präparierung“.

          Auch den Snowboard- und Freestyle-Park, wo im nächsten Jahr eine Olympia-Generalprobe stattfinden soll, findet die Britin „sensationell“. Auf der Alpin-Piste sind 2013 zwar bisher noch keine Weltcuprennen geplant, aber Ort und Strecke seien der höchsten Kategorie würdig. „Im alpinen Bereich könnte Olympia schon morgen anfangen.“

          Bevor es in der Gondel nach oben geht, muss man strenge Sicherheitsmaßnahmen passieren

          Die Begeisterung dürfte umso größer ausgefallen sein, als der Wintersport viele Hoffnungen in den russischen Markt setzt. „Russland als Alpinland ist für die Zukunft des Skisports und der Industrie sehr wichtig“, sagte die Fis-Funktionärin.

          Allerdings braucht es noch reichlich Vorstellungskraft, um die russische Vision von Olympia 2014 nachzuvollziehen. Die Sportstätten im Olympiapark stehen zumindest als Rohbauten. Die 48 Kilometer lange Hochgeschwindigkeitstrasse für Autos und Schnellzug ins alpine Zentrum ist nach offiziellen Angaben zu 80 Prozent fertig, weist aber noch große Lücken auf. Sicher ist jetzt schon: In Sotschi werden die teuersten Winterspiele der Geschichte stattfinden, alles, vom Lift über die Hotels bis zu den Sportstätten, wird neu gebaut, auf mehr als 24 Milliarden Euro werden die Kosten geschätzt.

          Heftige Buckel, weiche Passagen und vier Sprünge - die Strecke ist abwechslungsreich

          „Rosa Khutor ist sehr jung“, sagte Sportminister Witali Mutko bei einer Pressekonferenz am Samstag. „Die Eigentümer und Investoren haben viel getan.“ Zwei Luxushotels sind dort bereits entstanden, neben den alpinen Pisten, für die acht der achtzehn geplanten Skilifte bereits laufen, gibt es auch vierzig Kilometer Loipen für Freizeitsportler. In Rosa Khutor sollen künftig einheimische Sportler trainieren können.

          Allerdings dürfte Sotschi für die russischen Alpinen noch zu früh kommen. Der beste Abfahrer, der 28 Jahre alte Alek Glebow, landete - vor spärlichem Publikum - mit mehr als sechs Sekunden Rückstand auf dem 44. Platz. Nur einmal in der olympischen Geschichte ging bisher eine Medaille nach Russland: Bronze in der Abfahrt 1994 an Swetlana Gladischewa. Sie ist heute Präsidentin des russischen Skiverbandes.

          Ivica Kostelic holte sich zwar den Weltcup, beklagte aber ein schmerzendes Knie

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