https://www.faz.net/-gtl-xt53

Ski alpin in Semmering : Maria Rieschs perfekter Jahresabschluss

  • -Aktualisiert am

„Das war ein Wahnsinnslauf”: Maria Riesch fährt noch von Platz 17 auf Rang zwei Bild: REUTERS

Mit einem „Wahnsinnslauf“ schiebt sich Maria Riesch beim Slalom in Semmering noch von Platz 17 auf den zweiten Rang. Ihre größte Konkurrentin im Gesamtweltcup, Lindsey Vonn, scheidet aus - und ist nun nicht mehr die Gejagte.

          3 Min.

          Der Tag begann mit einer Enttäuschung und endete doch noch mit einer kleinen Party. Maria Riesch hätte am Nachmittag am liebsten losgeheult, als sie schon alle Chancen auf ein gutes Resultat beim Weltcup-Slalom am Semmering nach einem schweren Fehler im ersten Durchgang schwinden sah. Aber mit einem überragenden zweiten Lauf verbesserte sich die Doppel-Olympiasiegerin aus Garmisch-Partenkirchen noch vom 17. auf den zweiten Platz hinter Siegerin Marlies Schild aus Österreich und rettete damit nebenbei auch die kleine Familienfeier im Anschluss an das Rennen. Papa Siegfried wurde am Mittwoch 54 Jahre alt.

          „Das war ein Wahnsinnslauf“, musste sich Maria Riesch selbst loben. Wie im Riesenslalom am Tag zuvor war sie nicht die einzige Deutsche auf dem Podest. Gesellschaft leistete ihr dieses Mal Christian Geiger, die überraschend Dritte wurde. Die Slalom-Juniorenweltmeisterin der vergangenen Saison landete als Dritte zum ersten Mal in ihrer Weltcup-Karriere auf dem Podest und dürfte damit einen Startplatz bei der Heim-WM im Februar sicher haben.

          Die 20 Jahre alte Oberstdorferin war in den vergangenen beiden Slaloms ausgeschieden, musste sich deshalb schon harsche Kritik gefallen lassen von ihrem Trainer Christian Schwaiger. „Talent allein reicht eben nicht, um Weltspitze zu sein“, hatte er vor dem Start gesagt und ihr die richtige professionelle Einstellung abgesprochen. Sie gab nun die passende Antwort. „Ich wollte einfach nur zwei gute Läufe runterbringen, weil es zuletzt nie so gut geklappt hat“, sagte sie. „Dass es so gut läuft, hätte ich aber nicht gedacht.“ In Katharina Dürr (12.), Susanne Riesch (15.) und Fanny Chmelar (17.) landeten drei weitere Athletinnen des Deutschen Skiverbandes unter den besten Zwanzig.

          Ausgeschieden und zurückgefallen: Lindsey Vonn misslang der Jahresabschluss
          Ausgeschieden und zurückgefallen: Lindsey Vonn misslang der Jahresabschluss : Bild: AFP

          „Da hat man gesehen, was noch möglich ist“

          Nach dem ersten Durchgang war Maria Riesch noch am Boden zerstört, weil sie am vorletzten Tor die Balance verloren hatte und von der Linie abgekommen war. Mit Mühe hatte sie sich noch ins Ziel gerettet, war allerdings zweieinhalb Sekunden langsamer als Marlies Schild gewesen. Sie ärgerte sich nicht nur über ihren Fehler kurz vor dem Ziel, sondern fast noch mehr über eine Chance, die sie dachte, verpasst zu haben.

          Ihre größte Konkurrentin im Gesamtweltcup, Lindsey Vonn, schied im ersten Durchgang aus. „Sie macht null Punkte, da wäre ein gutes Ergebnis wichtig gewesen“, sagte Maria Riesch zerknirscht. Sportdirektor Wolfgang Maier sprach ihr Mut zu und erinnerte an den Riesenslalom tags zuvor, als sich Viktoria Rebensburg mit einem glänzenden zweiten Durchgang noch vom 28. auf den neunten Rang verbessert hatte. „Da hat man gesehen, was noch möglich ist“, sagte er.

          Maria Riesch riskierte im Finale viel, ließ sich auch von einem kleinen Fehler kurz nach dem Start nicht aus dem Konzept bringen und bot eine ähnlich überlegene Vorstellung wie Marlies Schild im ersten Durchgang. Beinahe hätte sie sogar noch die Österreicherin hinter sich gelassen, die Olympia-Zweite rettete noch drei Zehntelsekunden ihres komfortablen Vorsprungs ins Ziel.

          „Das ist der perfekte Jahresabschluss“

          „Die Tage hier waren richtig gut“, sagte Cheftrainer Tom Stauffer. Vor allem für Maria Riesch. Mit den beiden zweiten Plätzen hat sie sich nicht nur nach ihrer Schwächephase vor Weihnachten eindrucksvoll zurückgemeldet, sondern im Gesamtweltcup auch noch Lindsey Vonn wieder auf Distanz gebracht. Sie hat nun 121 Punkte Vorsprung vor der Amerikanerin. „Das ist der perfekte Jahresabschluss“, sagte Maria Riesch.

          Als die Konkurrentin zum zweiten Mal binnen 24 Stunden auf dem Podest stand, war Lindsey Vonn schon abgereist. Sie hatte nach ihrem Sturz im ersten Durchgang den Zielraum frustriert verlassen. Der Kampf um den Gesamtweltcup, das weiß sie, wird in diesem Winter härter als in den vergangenen beiden Jahren. Da war ihr die Freundin aus Deutschland höchstens ein paar Mal sehr nahe gekommen, aber richtig gefährlich wurde sie ihr nie.

          Lindsey Vonn ist nicht mehr die Gejagte

          Auch nicht am Ende der vergangenen Saison, als Maria Riesch, beflügelt durch die beiden Goldmedaillen von Vancouver, einen rasanten Endspurt hingelegt hatte. Bei Lindsey Vonn hatten dagegen der Stress des Winters und die hohen Olympia-Erwartungen in ihrer Heimat Spuren hinterlassen. Aber das Polster, das sie bis Ende Januar herausgefahren hatte, war groß genug gewesen, um den Vorsprung ins Ziel zu retten.

          Jetzt gibt es dieses Polster nicht, höchstens die Hoffnung, dass Maria Riesch vor der Heim-WM im Februar ähnlich unter Druck gerät wie sie vor einem Jahr vor Olympia, und dass die deutsche „Sportlerin des Jahres“ im Weltcup noch einmal so eine Schwächephase zeigt wie vor Weihnachten. Die Amerikanerin muss sich daran gewöhnen, nicht mehr die Gejagte zu sein, sondern die Jägerin.

          Weitere Themen

          Das Drama um Christian Eriksen Video-Seite öffnen

          Herzdruckmassage auf dem Platz : Das Drama um Christian Eriksen

          Bei der Begegnung zwischen Dänemark und Finnland war der 29-jährige Christian Eriksen kurz vor Ende der ersten Halbzeit kollabiert. Fans und Spieler zeigten sich fassungslos. Die gute Nachricht: Der Zustand des dänischen Nationalspielers hat sich stabilisiert.

          Fußball-EM im Normalbetrieb

          Volles Stadion in Ungarn : Fußball-EM im Normalbetrieb

          Public Viewing in der Stadt und die Hoffnung auf ein ausverkauftes Stadion: Ungarns Regierung zeigt sich gerne als Lockerer. Die Mannschaft gehört jedoch zu den größten Außenseitern im Turnier.

          Topmeldungen

          Konziliant im Ton, in der Sache aber auch mit einigem einverstanden, was Donald Trump veranlasste: der amerikanische Präsident Joe Biden am Montag in Brüssel

          Biden und die EU : In Trumps langem Schatten

          Am Dienstag trifft der amerikanische Präsident die Spitzen der EU. Die Europäer wollen endlich Trumps Strafzölle loswerden, doch Biden zögert das hinaus. Fortschritte gibt es dagegen auf anderen Feldern.
          Die deutsche Mannschaft darf sich im Duell mit Frankreich durchaus Hoffnungen auf Jubel machen.

          EM-Prognose : Deutschland ist gar nicht chancenlos!

          Frankreich! Der Weltmeister! Der Topfavorit! Vor dem Auftakt sehen viele schwarz für die deutsche Nationalelf. Doch die EM-Prognose ist nicht so düster. Das Duell verspricht vielmehr Hochspannung.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.