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Ski alpin : Höfl-Riesch raus, Rebensburg rauf

In Sölden ausgeschieden, Sotschi im Fokus: Maria Höfl-Riesch Bild: dpa

Trotz harter Vorbereitung: Maria Höfl-Riesch ist zum Auftakt ihrer vielleicht letzten Saison im ersten Durchgang in Sölden ausgeschieden. Die zweite deutsche Starterin, Viktoria Rebensburg, fährt dafür auf Rang drei.

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          Skirennfahrerin Viktoria Rebensburg hat den Olympia-Winter mit Rang drei beim Weltcup-Auftakt in Sölden eröffnet. Im ersten Riesenslalom der Saison war die 24-Jährige am Samstag 1,28 Sekunden langsamer als Siegerin Lara Gut aus der Schweiz. Auch Kathrin Zettel (Österreich) auf Platz zwei war schneller als die Olympiasiegerin. Mit dem Podestplatz am Rettenbachgletscher erfüllte Rebensburg zudem als erste Deutsche die Qualifikationsnorm für die Winterspiele in Sotschi. Für Veronique Hronek reichte es mit Platz elf zur halben Norm.

          Bernd Steinle

          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Eine kurze Saison-Premiere erlebte Doppel-Olympiasiegerin Maria Höfl-Riesch, die bereits vor der ersten Zwischenzeit ausschied. Die 28 Jahre alte Skirennläuferin macht seit geraumer Zeit kein Geheimnis daraus, dass diese Weltcup-Saison ihre letzte sein könnte. Die ganze Schufterei in der Vorbereitung, die wochenlangen Trainingslager in Südamerika, die ständige Flucht in den Winter mitten im schönsten Sommer: All das kostet Überwindung, mit jedem Jahr mehr. Fixpunkt in ihrer Karriereplanung waren immer die Spiele in Sotschi 2014 gewesen, die Spiele, in die sie als Doppel-Olympiasiegerin von Vancouver gehen wird. In ein paar Monaten wird es nun so weit sein, und Maria Höfl-Riesch sagt: „Wenn‘s extrem gut läuft, wär das schon ein guter Zeitpunkt.“ Ein guter Zeitpunkt, um aufzuhören. Und nicht nur dann. „Auch wenn’s extrem schlecht läuft, vielleicht hab’ ich dann einfach keine Lust mehr, oder ich denke, okay, jetzt hab‘ ich wirklich alles gegeben, und es wollte einfach nicht mehr“, sagt sie.

          Ehrgeiz ist ungebrochen

          Natürlich weiß Maria Höfl-Riesch, was so ein Erfolg bei Olympia bewegen kann, sie hat das ja erlebt, beim Trubel nach den zwei Goldmedaillen 2010, all den Anfragen, Auftritten, Ehrungen. „Olympia ist das, was hängenbleibt“, sagt Maria Höfl-Riesch. Einziger Anreiz für eine Verlängerung wäre für sie die Weltmeisterschaft 2015 in Vail. Noch hat sie sich nicht festgelegt. „Ich lass’ das auf mich zukommen“, sagt sie.

          Quälen für den Erfolg: Sommertraining auf dem Olympiagelände in München

          Fest steht: Ihr sportlicher Ehrgeiz ist ungebrochen. Und die Konsequenz, mit der sie ihn verfolgt, auch. Die vergangene Weltcup-Saison wurde zur großen Show der Tina Maze, die Slowenin sammelte so viele Punkte wie nie ein Skirennläufer zuvor, quer durch die Disziplinen. „Sie war letztes Jahr wirklich nicht zu biegen“, sagt Maria Höfl-Riesch. „Was Tina Maze letztes Jahr gemacht hat, war außerirdisch.“ Das hatte viele Gründe, und einer der wichtigsten davon war ihre herausragende Athletik. Maria Höfl-Riesch zog ihre Lehren – und legte für die aktuelle Saison „oberste Priorität auf die körperliche Vorbereitung“. Sie orientierte sich dabei ganz oben, und ganz oben, das heißt im alpinen Skisport, zumindest in Österreich, noch immer: am Herminator. Also setzte sich Maria Höfl-Riesch zusammen mit Hermann Maier, „weil ich wissen wollte, wie er das gemacht hat, wie er sich organisiert hat. Und da sind wir immer wieder bei Heini Bergmüller gelandet.“

          Quälerei à la Herminator

          Heinrich Bergmüller war einst der Fitnesstrainer der Ski-Legende Maier. Über die Jahre hat er sich den Titel „Schinderheini“ erworben, und warum, das hat dann auch Maria Höfl-Riesch schnell erfahren, als sie auf Vermittlung Maiers begonnen hatte, nach Bergmüllers Plänen zu trainieren. „Seine Philosophie ist: Grundlagen, Grundlagen, Grundlagen“, sagt Maria Höfl-Riesch, „deshalb hab‘ ich wahnsinnig viele Stunden auf dem Ergometer verbracht.“ Bei Bergmüller dreht sich alles um Wattzahlen und Laktatmessungen, „das gesteuerte Training ist der goldene Schlüssel bei ihm“. Das war nicht gerade das, was man abwechslungsreich nennt, hatte aber immerhin einen Vorteil: „Ich konnte sehr viel Training in den eigenen vier Wänden machen.“ Mit dem Krafttraining begann sie erst spät, legte dann aber schnell drei bis vier Kilogramm Muskelmasse zu. „Das hat in den letzten zwei Jahren ein bisschen gefehlt“, sagt Maria Höfl-Riesch.

          Die Quälerei à la Herminator machte sich bezahlt. „Ich habe zumindest körperlich alles Menschenmögliche getan“, sagt die Kombinations-Weltmeisterin. „Ich bin überzeugt von dem Weg, den ich gegangen bin.“ Maria Höfl-Riesch ist bereit für den Kampf gegen die Außerirdische, auch wenn sie sich noch nicht bei 100 Prozent sieht, noch Stabilität und Konstanz fehlen – wie ihr frühes Aus in Sölden zeigt. Aber es geht ja auch noch nicht um Gold in Sotschi. Das wäre „ein großer Traum“ für Maria Höfl-Riesch bei ihren zweiten und letzten Spielen. Ein Traum, den sie aber bewusst auf Distanz hält. „Ich will mich nicht zu sehr drauf fixieren“, denn: „Je mehr man das macht, desto größer ist die Gefahr, dass das nicht funktioniert.“ Dann lieber so wie im vergangenen Winter: Da blieb sie in der Weltcup-Saison oft unter ihren Möglichkeiten – und gewann in Schladming einmal WM-Gold und zweimal Bronze.

          Beruhigen dürfte Höfl-Riesch auch das Abschneiden von Gesamtweltcupsiegerin Tina Maze. Die Slowenin fuhr auf Platz 18. Weltmeisterin Tessa Worley aus Frankreich beendete das Rennen gar auf Rang 21.

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