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Ski alpin : Hilde Gerg fährt wieder am Limit

  • -Aktualisiert am

In Bestform: Hilde Gerg Bild: dpa

Verkürzte Strecke in Cortina d'Ampezzo, Schneegestöber und schlechte Sicht - aber Hilde Gerg kann nichts etwas anhaben auf der rasanten Fahrt zum ersten Saisonsieg.

          3 Min.

          Eine Südtiroler Bläsergruppe versuchte sich, musikalisch passend zum sportlich störenden Flockengestöber, vor der ersten von zwei Abfahrten in Cortina am populären Schneewalzer. Aber zu einem ausgelassenen Tänzchen im Dreivierteltakt war Hilde Gerg erst nach dem Rennen aufgelegt - wenn sie nur jemand dazu aufgefordert hätte. Die Österreicherin Renate Götschl, tags zuvor Gewinnerin des zweiten Superriesenslaloms und am Samstag drei Zehntelsekunden hinter der schnellsten Deutschen (1:17,57 Minuten) nur Zweite, war dazu jedoch ebensowenig aufgelegt wie die beiden Teamkameradinnen von Hilde Gerg. Martina Ertl wurde Neunte, Maria Riesch Elfte. Keine Plätze zum Heulen, aber auch keine Ränge zum Jubeln nach dem dritten Wettbewerb auf der Tofana-Piste, bei dem die Damen des Deutschen Skiverbandes (DSV) zum erstenmal nicht zu zweit auf dem Podest vertreten waren. Dafür sprang diesmal der einzige Platz heraus, der am Mittwoch beim ersten und am Freitag beim zweiten Superriesenslalom nicht geglückt war: Rang eins für die 28jährige Hilde Gerg, die zuvor zweimal, einmal hinter Maria Riesch, einmal hinter Martina Ertl, Dritte geworden war und am Tag vor der Schußfahrt ihre ambitionierte Zielvorstellung deutlich formuliert hatte: "Wenn ich vor Renate Götschl bleiben und eine der beiden oder sogar beide Weltcup-Kristallkugeln in Abfahrt und Superriesenslalom gewinnen will, dann muß ich schon mal wieder gewinnen."
          Sie hat sich auf beeindruckende Art an ihr eigenes Vorwort gehalten und, eine knappe Woche nach ihrem ersten Saisonerfolg beim Superriesenslalom in Veysonnaz, einen weiteren Stimmungsaufschwung gezeigt: gutgelauntes Lachen nach Platz drei am Mittwoch, eher gequältes Lächeln nach dem dritten Rang am Freitag, befreites Strahlen am Samstag - und das trotz einer Fahrt, die sie wegen der schlechten Sichtverhältnisse "recht schwierig" fand: "Ich habe ein paar Wackler gehabt, aber mich gut gerettet." Die mühsam demonstrierte Zufriedenheit vom Vortag tat Hilde Gerg als Schnee von gestern ab, und sie dementierte auch jeden Verdacht, daß ihr der dritte Platz hinter der hochtalentierten Maria Riesch mehr Spaß gemacht habe als der gleiche Rang hinter einer zwei Jahre älteren Teamkollegin, mit der sie kein allzu inniges Verhältnis verbindet: "Mit Martina Ertl hatte das gar nichts zu tun. Mir war nur im Zielraum eine Laus über die Leber gelaufen." Deren Namen wollte sie nicht preisgeben: "Ich habe da ein paar dumme Fragen beantworten müssen. Das hat mich gestreßt. Und außerdem habe ich darüber nachgedacht, wie vier Zehntelsekunden Rückstand auf die Siegerin zustande gekommen sind."
          Ähnliche Gedanken machte sich einen Tag später Renate Götschl - nicht über die neun Hundertstelsekunden, die sie schneller gewesen war als die französische Abfahrts-Olympiasiegerin Carole Montillet, sondern über die drei Zehntelsekunden, die ihr Hilde Gerg in der Königsdisziplin voraushatte. Die gleichaltrige Österreicherin beschloß, schlicht mit dem zweiten Platz zufrieden zu sein: "Denn das passiert einem auch nicht alle Tage, daß man zweimal nacheinander auf dem Podest steht." Hilde Gerg ist das nun schon zum drittenmal passiert, und sie verbesserte ihre erstaunliche Saisonbilanz als Führende in Abfahrts- und Superriesenslalom-Weltcup auf acht Podestplätze in zehn Rennen dieser beiden Speed-Disziplinen. Nur zweimal, bei der zweiten Abfahrt in Lake Louise und beim Superriesenslalom in Megeve, war sie Fünfte geworden. "Irrsinnig konstant" sei sie, "und ich freue mich, daß ich so schnell wieder Anschluß gefunden habe".
          Hilde Gerg empfindet ihre Leistung auch deshalb als rund, weil sich am Samstag in Cortina ein Kreis geschlossen habe: Am 6. Dezember 2002 in Lake Louise hatte sie ihre vorerst fünfte Abfahrt gewonnen, war am Tag danach erstmals im roten Leibchen der Weltcup-Führenden angetreten - und hatte sich einen Kreuzbandriß im linken Knie zugezogen. Nun in Cortina ging sie, gut 13 Monate nach der schweren Verletzung, wieder in Rot auf die Piste. Daß heute, nach der ersten erfolgreichen Schußfahrt, abermals eine Abfahrt über die Tofana geht, soll um Himmels willen kein böses Omen für die Siegerin sein, die sich erst während der letzten Rennen in Veysonnaz und nun in Cortina wieder traut, "von oben bis unten auf volles Risiko zu fahren und bis ans Limit zu gehen". Doch anders läßt sich, wie auch das Beispiel Renate Götschl zeigt, die nach einer schweren Verletzung in der vergangenen Saison in Cortina mit zwei Erfolgen ihr Comeback als Siegerin gefeiert hatte, im alpinen Weltcup kein Rennen gewinnen.


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