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Ski Alpin : Heirat abgelehnt, Inspiration angekommen

  • -Aktualisiert am

Julia Mancuso: „Super Jules” auf Skiern Bild: AFP

Sie die Ur-Enkelin eines Rum-Kuriers von Al Capone. Er ein gläubiger Mormone. Gemeinsam das Traumpaar des alpinen Skisports: Julia Mancuso und Steven Nyman. Dann wollte er heiraten. Jetzt unterstützen sie sich als gute Freunde. Und gewinnen.

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          Während fast drei Jahren waren Julia Mancuso und Steven Nyman das Traumpaar des alpinen Skisports. Zwei sonnige Gemüter aus dem sonnigen Westen der Vereinigten Staaten, für die es nichts Schöneres gibt, als durch den legendären Champagner-Schnee Utahs zu kurven. Im Sommer ging die Beziehung in die Brüche.

          Nyman, der Mormone, für den es keinen Sex vor der Ehe gibt, wollte heiraten, Julia Mancuso, die Riesenslalom-Olympiasiegerin von Turin, hatte keine Lust dazu. Immerhin sind sie Freunde geblieben. Als Nyman in diesem Sommer auf e-bay einen Kopfsponsor suchte, bot sie mit. Bis 12.000 Dollar ging sie. Ihre Bedingung: Er hätte ein Unterhöschen über den Helm stülpen müssen - sie hat unter dem Namen „Super Jules“ eine eigene Kollektion.

          Urgroßvater war Rum-Kurier

          Als Steven Nyman am Samstag in Gröden als erster Amerikaner die Abfahrt gewann, war Julia Mancuso auf der Reiteralm im Einsatz. Es war kein guter Tag für die Kalifornierin. Sie litt unter einer Darmgrippe, hatte keine Kraft und kam im Super-G nur auf den 18. Platz. Möglich, daß sie im vergangenen Winter von einer solchen Panne verschont geblieben wäre. Da fuhr sie wie Bode Miller und Daron Rahlves im Wohnmobil durch Europa und ließ sich von ihrer Schwester italienisch bekochen.

          Sonniges Gemüt aus Utah: Steven Nyman

          In Italien hat sie ihre Wurzeln. Ihre Großeltern sind dort geboren und waren mit der Familie einst nach Chicago ausgewandert. Der Urgroßvater arbeitete dort als Rum-Kurier für Al Capone, und auf ähnlichen Pfaden wandelte auch Julias Vater, der wegen Marihuanaschmuggels großen Stils einst zu neun Jahren Gefängnis verurteilt, aber vorzeitig wieder entlassen wurde.

          „Steven inspiriert mich noch immer“

          Eskapaden kann sich Tochter Julia nicht leisten. Auch die Extratouren im amerikanischen Skiteam wie ihr Wohnmobil wurden wieder abgeschafft, weil der Freigeist Bode Miller bei seinem Alleingang außer Kontrolle geriet. Nun teilt Julia Mancuso das Zimmer wieder mit ihrer Freundin Lindsey Kildow, mit der sie schon im amerikanischen Jugendkader zusammen gefahren war. Doch eines hat sie beibehalten: „Steven inspiriert mich noch immer“, sagt sie.

          Was das bedeutet, zeigte sie am Dienstag auf der OK-Piste von Val d'Isère. Da gelang ihr „bei perfekten Bedingungen das perfekte Rennen“, wie der Schweizer Trainer Stefan Abplanalp feststellte. Die Olympiasiegerin fuhr überlegen zu ihrem ersten Weltcup-Sieg. Die großen drei der Abfahrt, Renate Götschl (0,43 Sekunden zurück), Lindsey Kildow (0,54) und Anja Pärson (0,65), waren deutlich besiegt, der „Rest der Welt“, angeführt von der Einheimischen Ingrid Jacquemod (1,52), war sogar deklassiert.

          Hüftoperation im April

          Renate Götschl, Lindsey Kildow und Anja Pärson grämten sich deswegen nicht. Die Österreicherin, die in Val d'Isère noch nie besser war als Achte, erkämpfte sich auf der ungeliebten Piste ihren ersten Platz auf dem Podest. Die Amerikanerin und die Schwedin waren froh, daß sie überhaupt hatten starten können.

          Lindsey Kildow, die am Wochenende zuvor die Darmgrippe eingeschleppt hatte, war noch immer nicht ganz fit, Anja Pärson hatte am Morgen Fieber und entschloß sich erst spät zum Start. „Am Schluß hat mir die Kraft gefehlt“, sagt sie. Die deutschen Skirennläuferinnen lieferten ihre schlechteste Abfahrtsplazierung seit mehr als 15 Jahren: Maria Riesch (Partenkirchen) und Gina Stechert (Oberstdorf) kamen gemeinsam auf Rang 28, Petra Haltmayr aus Rettenberg landete mit 3,35 Sekunden weit abgeschlagen auf dem 41. Platz.

          Sommer auf Maui

          Auch Julia Mancuso hatte ihren Erfolg nicht unbedingt erwartet. Sie hatte sich im April an der Hüfte operieren lassen - eine Verletzung, die sie lange mitgeschleppt hatte. Erst im September stand sie wieder auf den Ski. Sie verbrachte den Sommer auf der Hawaii-Insel Maui, wo ihr Vater ein Haus hat und ihr Trainer wohnt. Dort genoß sie das Meer und die Wellen und verdaute den Rummel, den der Olympiasieg ausgelöst hatte. Im letzten Februar war ihre Homepage mit 2,6 Millionen Hits die bestbesuchte persönliche Seite im Netz.

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