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Ski alpin : "Hätte ich keine Ohren, würde ich rundum strahlen"

  • -Aktualisiert am

„Happy bis zum Anschlag”: Monika Bergmann Bild: REUTERS

Monika Bergmann wird Zweite des Weltcup-Slaloms in Zwiesel und strahlt über das ganze Gesicht. Derweil fühlt sich Martina Ertl „wie 50 Jahre, nicht wie 30.“

          3 Min.

          Ein Ski-Weltcuprennen in der Heimat hat für Rennläuferinnen durchaus Vorteile. Zum Beispiel hat Monika Bergmann-Schmuderer am Wochenende daheim in ihrem Bett schlafen dürfen, mußte nicht wie sonst in der Fremde im Hotel übernachten. Und sie hat den Abend vor dem Rennen mit ihrem Ehemann Roland verbringen können, im gemeinsamen Haus im 35 Kilometer von der Rennstrecke entfernten Blaibach.

          Aber dieses Heimrennen am Arber im Bayerischen Wald hatte für die Fünfundzwanzigjährige natürlich auch Nachteile. Es waren viele Bekannte, viele Freunde am Hang. Die Zuschauer erwarteten eine gute Leistung von ihr. Sie selbst wollte auf dem Berg, auf dem sie einst das Skifahren gelernt und ihre ersten Rennen bestritten hat, natürlich glänzen. "Das ist nicht ganz einfach", gab sie zu.

          „Happy bis zum Anschlag“

          Monika Bergmann hat sich nicht verrückt machen lassen von der Begeisterung der Zuschauer, nicht von den eigenen Ansprüchen, sie hat die Nerven behalten und mußte sich am Sonntag im Slalom nur Anja Pärson geschlagen geben. Die Schwedin, die derzeit ohnehin in einer anderen Liga fährt, gewann in 1:29,58 Minuten vor der Deutschen (0,44 Sekunden zurück) und Veronika Zuzulova aus der Slowakei (0,68). "Ich bin happy bis zum Anschlag", sagte Monika Bergmann nach dem besten Saisonresultat.

          "Wenn ich keine Ohren hätte, würde ich rundherum strahlen." Natürlich hat die beste deutsche Slalomfahrerin profitiert vom Ausfall der Österreicherin Marlies Schild (Meniskus), die in den vergangenen Torläufen stets vor ihr plaziert war. Aber Cheftrainer Wolfgang Maier hatte nach den Trainingseindrücken der vergangenen Woche nicht mit einer derart starken Vorstellung von Monika Bergmann gerechnet. Auf einmal habe sie ungewohnte Schwächen gezeigt. "Die Position über dem Ski stimmte plötzlich nicht mehr. Ich dachte, sie wird nervös vor dem Heimrennen." Schon der erste Lauf auf der ruppigen Piste hat den Trainer aber überzeugt. "Und sie hat es souverän heimgefahren. Eine starke Vorstellung."

          Jetzt erst recht

          Der zweite Platz ist das beste Weltcup-Resultat für Monika Bergmann seit zwei Jahren - zuletzt war sie in Lienz Zweite geworden - und die endgültige Bestätigung dafür, daß der Weg, den sie 2001 eingeschlagen hat, doch der richtige war. Damals hatte sie der Deutsche Skiverband nicht zur WM nach St. Anton mitgenommen, und Maier kritisierte sie öffentlich wegen fehlender Einstellung. Sie wollte danach schon aufhören, nur das persönliche Startrecht, das sie sich durch gute Europacup-Resultate erworben hatte, bewog sie zum Weitermachen.

          "Entweder der Athlet zerbricht daran, oder er sagt: Jetzt erst recht." Monika Bergmann gehört zu denjenigen, die kämpfen. Und plötzlich ging es voran: Der erste Podestplatz gelang, dann die Rückkehr in die erste Startgruppe. "Ich war viel lockerer, weil ich mir dachte, schlimmer kann es nicht werden." Sie ist derzeit beste deutsche Slalomfahrerin, und ihre Leistungen in dieser Saison sind so konstant wie nie.

          Ohne Folgen

          "Das Umfeld paßt jetzt", sagt Maier. Damit meint er in erster Linie den neuen Techniktrainer Mathias Berthold. Der widmet sich nicht mehr wie sein Vorgänger Franz Gamper hauptsächlich Martina Ertl, sondern allen Fahrerinnen gleichermaßen. Bergmann selbst führt ihre Leistungen eher auf ihr persönliches Umfeld zurück. Im vergangenen Sommer hat sie geheiratet, im kommenden Herbst wird sie sich an der Fernuniversität Hagen einschreiben, für Jura. "Ich kann mich jetzt ab und zu ausklinken, das hilft mir." Dennoch sieht sie sich noch nicht am Ziel. "Das letzte Quentchen fehlt noch. Das am Limit, so schnell, daß man gerade nicht ausscheidet", sagt sie. Im Gegensatz zu Anja Pärson "bewege ich mich noch im Sicherheitsbereich".

          Da hat sich Martina Ertl am Sonntag auch befunden, ist aber wenigstens nach drei Ausfällen in technischen Wettbewerben wieder einmal auf der Ergebnisliste erschienen. Weit hinten allerdings, auf Rang 22. "Ich habe nicht unbedingt mein Leben riskiert, aber das ist, glaube ich, verständlich." Weil sie am Samstag im Riesenslalom, den Anja Pärson (2:17,80 Minuten) vor der Slowenin Tina Maze (1,98 Sekunden zurück) und Renate Götschl aus Österreich (2,05 zurück) gewonnen hat, gestürzt ist. Ohne Folgen zwar, "aber heute früh, als ich aufgestanden bin, hat mir alles weh getan", sagte die Lenggrieserin. "Ich habe mich gefühlt wie 50 Jahre, nicht wie 30." Die beste Deutsche am Samstag im Riesenslalom war Maria Riesch (Partenkirchen). Mit Platz 15 hat sie ihr zweitbestes Saisonergebnis in dieser Disziplin erreicht und die Erwartung von Maier erfüllt. "Das ist top für sie, vor allem bei diesen widrigen Bedingungen."

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