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Ski alpin : „Gefahren wie ’ne Pussy“

Unzufrieden zum Auftakt: Felix Neureuther Bild: AFP

Der Amerikaner Ted Ligety gewinnt den Weltcup-Auftakt der alpinen Skifahrer in Sölden. Felix Neureuther hadert erst mit seiner Fahrweise und scheidet dann aus.

          2 Min.

          Felix Neureuther stand am Pistenrand, gestützt auf seine Stöcke, mit hängendem Kopf. Fünfzehn Sekunden zuvor erst war er zum zweiten Durchgang gestartet beim Riesenslalom in Sölden, und dann das: Ein kurzer Schlag auf den linken Ski, der macht sich auf und davon, und das war dann auch schon das Ende dieses zweiten Riesenslalom-Durchgangs für Felix Neureuther.

          Bernd Steinle

          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Dabei hatte sich der erste Weltcup-Wettbewerb der Saison nicht schlecht angelassen für den Slalomspezialisten und WM-Zweiten von Schladming. Lauf eins hatte er als Siebtschnellster beendet, und das, obwohl es in der Vorbereitung bei ihm drunter und drüber gegangen war. Schuld daran war eine Operation am Knöchel gewesen, ein Überbein wurde entfernt, eine Routinesache eigentlich, nach zwei, drei Wochen sollte sie erledigt sein. Doch dann zog sich die Wundheilung länger hin, aus der Routinesache wurde eine Geduldsprobe, am Ende waren mehr als vier Monate vergangen, ehe Neureuther richtig trainieren konnte.

          Ligety in einer eigenen Liga

          Die fehlenden Schneetage machten sich nun beim Weltcup-Start in Sölden bemerkbar. Im ersten Durchgang tat er sich noch schwer, richtig ins Rennen zu finden. „Das war viel zu passiv“, sagte der 29 Jahre alte Partenkirchener. „Ich hab mich nie getraut, den Ski richtig laufen zu lassen, das war viel zu zurückhaltend.“ Anders gesagt: „Ich bin ein bisschen gefahren wie ’ne Pussy“, fand Neureuther. So kam es zu 2,10 Sekunden Rückstand auf den führenden Amerikaner Ted Ligety – und zu der Erkenntnis, dass er in Lauf zwei eine bessere Balance finden musste zwischen Risiko und Sicherheit.

          Der Lauf war dann „von der Körpersprache her viel besser“, sagte Neureuther – nur eben viel zu schnell zu Ende. So blieb von Neureuthers Weltcup-Premiere 2013/2014 nur die Einsicht: „Siebter nach dem ersten Durchgang nach so langer Verletzungspause, das zeigt, dass ich im Riesenslalom wieder dazugehöre.“

          Traumstart für den Weltmeister: Ligety gewinnt in Sölden

          Ganz oben standen in Sölden diejenigen, die zuvor alle dort erwartet hatten. Der Riesenslalom-Weltmeister Ted Ligety siegte vor 15.000 Zuschauern zum dritten Mal in Folge auf dem Rettenbachferner, mit knapp acht Zehntelsekunden Vorsprung auf den Franzosen Alexis Pinturault und eine gute Sekunde vor dem österreichischen Gesamtweltcupsieger Marcel Hirscher. „Die Drei sind das Maß aller Dinge“, sagte Neureuther.

          Miller landet bei seinem Comeback auf Rang 19

          Ligety war technisch und taktisch eine Klasse für sich, in echte Probleme schien der Riesenslalom-Dominator erst im Zielraum zu geraten – da kollidierte er beim Abschwingen mit einem Kameramann. Wie sehr der 29 Jahre alte Amerikaner seine Spezialdisziplin derzeit beherrscht, zeigte auch die Reaktion des Slalom-Weltmeisters Marcel Hirscher. Der fand: „Es ist völlig okay, eine Sekunde hinter Ligety zu sein.“ Die Einschätzung ist nachvollziehbar, im Vorjahr hatte Ligety in Sölden mit 2,75 Sekunden Vorsprung gewonnen.

          Der Triple-Sieger Ligety stellte am Sonntag auch seinen Landsmann Bode Miller in den Schatten, der in Sölden sein erstes Rennen nach 20 Monaten Weltcup-Pause bestritt. Der Kombinations-Olympiasieger, inzwischen 36 Jahre alt, schaffte mit Startnummer 32 problemlos als Dreizehnter den Sprung in den zweiten Durchgang, fiel dort aber dann sechs Ränge zurück und landete am Ende auf Platz 19, mit 3,29 Sekunden Rückstand.

          Ein Resultat, mit dem der zweimalige Gesamtweltcupsieger, den eine schwere Knieverletzung zu der langen Auszeit gezwungen hatte, alles andere als zufrieden war. „Ich kann sicher besser fahren, ich habe auf ein besseres Ergebnis gehofft“, sagte Miller.

          Ski alpin, Weltcup-Auftakt in Sölden

          Herren, Riesenslalom: 1. Ted Ligety (USA) 1:59,50 (1:00,44 Min./59,06 Sek.); 2. Alexis Pinturault (Frankreich) 2:00,29 (1:01,34/58,95); 3. Marcel Hirscher (Österreich) 2:00,52 (1:01,42/59,10); 4. Aksel Lund Svindal (Norwegen) 2:01,23 (1:02,95/58,28) und Steve Missillier (Frankreich) 2:01,23 (1:03,25/57,98); 6. Marcus Sandell (Finnland) 2:01,32 (1:02,15/59,17); 7. Thomas Fanara (Frankreich) 2:01,58 (1:03,38/58,20); 8. Cyprien Richard (Frankreich) 2:01,66 (1:02,88/58,78); ...21. Fritz Dopfer (Garmisch) 2:02,86 (1:04,29/58,57); 22. Stefan Luitz (Bolsterlang) 2:02,96 (1:03,97/58,99); Felix Neureuther (Partenkirchen) ausgeschieden (1:02,54/ -)

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