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Ski alpin : Feller rockt die „Märchenwiese“

Vollgas auf der Märchenwiese: Manuel Feller Bild: dpa

Trotz aller Aufregung um seine spöttische Beschreibung des Slalom-Hangs in Flachau bleibt Feller cool und gewinnt. Auch Straßer kommt gut zurecht. Die Saison beendet ist dagegen für Gesamtweltcupsieger Kilde.

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          Wenn Manuel Feller Ski fährt, gibt es kein Taktieren. Der 28-Jährige pflegt einen waghalsigen Fahrstil, baut zumeist viel Druck aus dem Oberkörper heraus auf und wandelt damit oft am Rande des Ausscheidens. Doch schnell ist er meistens unterwegs, wenn er das Ziel sieht. Besonders gut gelang dem Tiroler seine Steuerkunst an diesem Samstag beim Slalom in Flachau, wo er in einer Gesamtzeit von 1:50,27 Minuten den Franzosen Clement Noel auf Rang zwei verwies (+0,43). Fellers Landsmann Marco Schwarz wurde Dritter (+0,70), der Münchner Linus Straßer plazierte sich abermals in der absoluten Weltelite und belegte Platz fünf (+1,20).

          Doch alle Augen ruhten auf Feller, nicht nur, nachdem ihm sein erster Weltcup-Sieg gelungen war, sondern schon zuvor, weil er sich mit einigen Aussagen besonders hervorgetan hatte. Wie beim Skifahren hält Feller auch bei Interviews wenig von taktisch klugen, weichgespülten Aussagen rund um den alpinen Ski-Weltcup. Er bleibt dann aber auch bei seiner Meinung, wenn ihm die öffentliche Meinung wie ein Schneesturm um die Nase weht.

          Vor dem wegen der aufgetretenen neuen Corona-Mutationen von Wengen über Kitzbühel nach Flachau verlegten Slalom an diesem Samstag hatte sich der Tiroler leicht spöttisch in der „Tiroler Tageszeitung“ über den Hang geäußert, auf dem im Weltcup üblicherweise die Damen ihre Rennen austragen, die Herren aber nicht. Feller, der in St. Johann unweit von Kitzbühel geboren ist, und sich auf einen schwierigen Slalom auf dem Ganslernhang gefreut hatte, bezeichnete den Hang im Salzburger Land spöttisch als „Märchenwiese“. Übersetzt heißt das in etwa: Eine blaue Anfänger-Piste, auf der jeder runter fahren kann. Eine Aussage, die ihm nicht nur Freunde einbrachte.

          Der österreichische Damen-Chefcoach Christian Mitter war nicht begeistert über die Aussage und erklärte in einem Zoom-Meeting, das bei „Eurosport zitiert wurde: „Er soll schauen, dass er seine Zwetschgen beinand hat. Dann muss er dort auch gewinnen“.

          Feller konterte zwar, er müsse nicht gewinnen, doch er blieb seiner Meinung treu und erklärte sich via Instagram. Wengen biete einen Slalom-Hang, bei dem es schon eine Herausforderung sei, überhaupt ins Ziel zu finden. Und in Kitzbühel „sind keine drei Schwünge hintereinander gleich“. Verglichen damit sein Flachau „definitiv eine Märchenwiese“. Das Problem daran erklärte er auch noch mal im ORF: „Leichte Hänge sind sehr schwer, zum schnell sein“. Weil jeder den Kurs einigermaßen problemlos bewältigen könne, rücke das Feld noch enger zusammen, so seine Theorie.

          Dass sein Interview dermaßen hohe Wellen schlagen würde, hatte er allerdings nicht erwartet. „Andererseits hatten die Leute auch mal was anderes zum Reden außer Corona.“ Vor dem zweiten Durchgang, so bekannte er, sei er dann doch ein bisschen nervös gewesen, „weil so viel in der Zeitung stand.“ Seiner Fahrweise war dies freilich kein bisschen anzusehen. Von Position drei kommend fuhr Feller im zweiten Durchgang Bestzeit und sicherte sich damit nicht nur 100 Punkte für die Weltcupwertung, sondern übernahm sogar die Führung im Slalom-Weltcup mit einem Punkt Vorsprung auf Schwarz. (310:309). Straßer ist Dritter (278).

          Im Ziel spielten die Veranstalter passend zu Fellers Vorgeschichte den Song „Märchenprinz“ von der der „Ersten Allgemeinen Verunsicherung“, was der Sieger mit Freude quittierte: „Die Story passt jetzt zusammen. Es ist ein unglaublich schöner Moment.“

          Kreuzbandriss bei Kilde

          Für den norwegischen Skirennläufer Aleksander Aamodt Kilde ist die Saison nach einem Kreuzbandriss im rechten Knie beendet. Der Gesamtweltcupsieger des vergangenen Winters zog sich die Verletzung beim Super-G-Training auf der österreichischen Reiteralm zu. „Es ist so, wie ich es befürchtet, aber nicht erhofft hatte“, wurde Kilde vom norwegischen Skiverband zitiert. Er sei aber „in sehr guten Händen“ und werde „stark zurückkommen“, so Kilde, der schon bald operiert werden soll. „Für so etwas gibt es nie einen guten Zeitpunkt, aber das gehört bei unserem Sport dazu“, hatte der Norweger schon vor der Diagnose gesagt. Eine Untersuchung in Innsbruck brachte das niederschmetternde Ergebnis. (sid)

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