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Ski alpin : Felix Neureuther zwischen Skipiste und Schulbank

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Ich hab's gewußt: Felix Neureuther Bild: AP

Aller Anfang ist schwer. Aber wenn der Anfang so leicht aussieht wie jener von Felix Neureuther, dann darf getrost ein buntes Bild strahlender Zukunft im alpinen Ski-Weltcup gemalt werden.

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          Aller Anfang ist schwer. Aber wenn der Anfang so leicht aussieht wie jener von Felix Neureuther, dann darf getrost ein buntes Bild strahlender Zukunft gemalt werden. Locker, ja beinahe lässig absolvierte die große Hoffnung des Deutschen Ski-Verbandes (DSV) den zweiten Durchgang des zweiten Slaloms in diesem Winter. Das Flutlicht leuchtete mit den Weihnachtssternen um die Wette, und am Ende war Neureuther Achter, 1,8 Sekunden hinter Sieger Ivica Kostelic aus Kroatien. Und das schien alles normal zu sein. Dabei war er vorher noch nie im Finale eines Weltcuprennens gewesen. Aufgefallen war er, als er bei der Weltmeisterschaft in St. Moritz im vergangenen Winter mit Laufbestzeit im zweiten Durchgang von Rang 29 auf den 15. Platz nach vorne schoß.

          Wenig überrascht vom eigenen Erfolg

          Das war die erste Kostprobe des Neureuther-Talents gewesen, eine weitere lieferte er nun im italienischen Skiort Madonna di Campiglio. Und er zeigte sich keineswegs überrascht. "Na ja, ich hatte schon die Erwartung, hier unter die besten dreißig zu kommen." Mit der hohen Startnummer 44 legte er mit dem zwölften Platz im ersten Durchgang die Grundlage. Dann stimmte ihn der neue Chefcoach des deutschen Skiteams auf den entscheidenden Lauf ein. "Ich habe ihm gesagt, er soll jetzt ruhig und konzentriert fahren und nicht anfangen, zu überdrehen", erzählte Werner Magreiter, der sich glücklicherweise auch geirrt hatte in seiner Einschätzung. Er erwartete Neureuther nämlich erst später im Vorderfeld der Elite, glaubte, der Jungspund müsse erst einmal kräftig im Europacup die Schule der harten Art durchmachen.

          Das kann und das wird er sich jetzt schenken. Felix Neureuther gehört zum Weltcup und bewegt sich in der Szene, als sei er schon eine Ewigkeit dabei. Hier schnell ein Foto mit Alberto Tomba, dort ein abgeklärtes Interview mit einem österreichischen Radioreporter. Alles ohne Hektik, mit jugendlicher Unbekümmertheit und viel Charme. Ganz wie Vater Christian. Überhaupt tangiert ihn die Tatsache, vor allem im Winter ständig auf die berühmten Eltern Rosi Mittermaier und Christian Neureuther hingewiesen zu werden, nur am Rande. "Ich habe mich daran gewöhnt", sagte er inmitten all des Rummels im Zielraum nach seinem Durchbruch als Rennläufer.

          „Ich hätte eigentlich lernen müssen“

          Doch ganz sorgenfrei ist er nicht. Zum einen macht ihm der Schulstreß zu schaffen. "Ich hätte eigentlich lernen müssen, aber ehrlich, ich hatte doch keine so große Lust", gab er zu. War wohl auch besser so diesmal. So galt die Konzentration ohne Abstriche dem sportlichen Auftritt. Am Dienstag, einen Tag nach seinem Erfolg, drückte Felix Neureuther schon wieder die Schulbank im Werdenfels Gymnasium. Es gibt wenige Ausnahmeregelungen für ihn. Und damit er das Abitur auch wirklich absolviert im kommenden Jahr, fährt ab und zu ein Privatlehrer mit. Da lassen Mutter und Vater nicht mit sich spaßen.

          Mindestens so wichtig wie die Unterstützung im schulischen Bereich ist Ralph Rauch, der Physiotherapeut. Mit einem eingerissen Meniskus absolvierte Felix Neureuther den Slalom in Madonna. Er hatte sich die Verletzung beim Riesenslalom in Alta Badia am vergangenen Wochenende zugezogen. "Wir müssen", sagt Rauch, "wirklich extrem vorsichtig sein." Zumal Neureuther schon jetzt über Verschleißerscheinungen im Knie klagt, eine Schulteroperation hinter sich hat und einen Bandscheibenvorfall, hervorgerufen auch durch schnelles Wachstum während der intensiven Trainingsphase als Jugendlicher. Magreiter kennt die Problematik und wird das neue ärztliche Bulletin abwarten, ehe entschieden wird, ob Neureuther zum zweiten Riesenslalom nach Alta Badia fährt.

          Florian Eckert hofft auf ein Comeback

          Deutschlands am Boden liegender alpiner Skisport hat in Madonna di Campiglio ein kräftiges Lebenszeichen von sich gegeben, zumal Alois Vogl (Lohberg) nach längerer Krankheit unerwartet auch noch auf den 16. Platz fuhr. "Jetzt wird Weihnachten doch ruhiger", sagte Werner Magreiter. Das Glück wäre gar komplett, wenn Florian Eckert ein Comeback gelänge. Der Dritte der Abfahrtsweltmeisterschaft von St. Anton 2001 ist im Grödner Tal eingetroffen und wird nach den ersten Trainingseindrücken an diesem Mittwoch entscheiden, ob er in der Lage ist, der Zeit der grausamen Leiden nach seinem Trainingssturz im November 2001 ein Ende zu bereiten. Vielleicht spornt ihn dabei der gelungene Auftritt von Felix Neureuther an. Warum auch nicht: Es hat ja um die Weihnachtszeit schon immer kleine und auch große Wunder gegeben.

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