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Ski alpin : Enfant terrible Bode Miller läßt sich nichts sagen

  • -Aktualisiert am

Erfolgreich und umstritten: Bode Miller Bild: AP

Der erfolgreichste amerikanische Skirennläufer Bode Miller schert sich einen feuchten Kehricht um die neuen Regeln seines Verbandes. Um den Olympiasieger besser kontrollieren zu können, sollte ihm sein Wohnmobil genommen werden.

          3 Min.

          Es ist nicht sehr schwierig, Hunderte von Amerikanern, die sich für alpine Rennen eigentlich kaum interessieren, in den Zielraum zu bringen. Alles, was man dazu braucht, ist knackig kalte Luft, viel Schnee - und einen Landsmann mit großen Siegchancen. So war das in Beaver Creek, wo Bode Miller ihnen einen großen Gefallen tat und tatsächlich das Abfahrtsrennen gewann. Einen Tag nachdem er in der Super-Kombination ausgeschieden war. Allerdings hatte Bode Miller nach Teil eins dieses Doppelwettbewerbs, der Abfahrt, noch geführt. Eine gute Vorübung für die klassische Schußfahrt tags darauf.

          Nach dem Mißgeschick in der Kombination zog es der eigenwillige Rennfahrer wieder einmal vor, den auf ein kurzes Gespräch hoffenden Journalisten einen Korb zu geben und sich um eine Erklärung für seinen Fehler zu drücken. Die Zuschauer stiegen von den Tribünen, wanderten langsam zum Après-Ski. Innerhalb von anderthalb Minuten, so registrierte die örtliche Zeitung "Summit Daily News" verblüffend genau am nächsten Tag, war niemand mehr da - obwohl doch die anderen Fahrer noch ihre Slalomläufe absolvierten.

          Wodka-Mixdrinks im Wohnmobil

          Die Episode illustriert die schwierige Beziehung zwischen einem der besten Skifahrer der vergangenen zehn Jahre und einem Publikum, das sich allerdings auch vornehmlich für den Glamour einer kommerziell geprägten Show interessiert. Sie wollen nicht einfach nur ihren Miller bei seiner Profi-Arbeit erleben. Sie wollen, daß er ständig die Konkurrenz hinter sich läßt. Das geht nicht immer und in letzter Zeit eigentlich immer seltener. Gewinnt er schließlich, wie bei der folgenden Abfahrt - als er beinahe in einen Streckenarbeiter gerast wäre, der ausgerechnet während seines Laufs in die Piste gerutscht war -, dann erledigt Miller nur seinen Job wie erwartet. Geht es daneben, dann zweifelt man in den Vereinigten Staaten vor allem an seiner Einstellung. In Serie siegen, das tat er in jener glanzvollen Saison 2004/2005, in der Bode Miller den Gesamt-Weltcup gewann und bei der WM in Bormio zwei Titel holte.

          Miller will von seinem Weg nicht abweichen

          Vielleicht läßt sich das Verhältnis zwischen dem 29jährigen Enfant terrible und der amerikanischen Öffentlichkeit irgendwann einmal verbessern. Falls er wieder mit den Erfolgen gegen die Läufer aus den traditionell überragenden Alpenländern weitermacht, ist man wohl bereit, ihm rückblickend seine hinlänglich bekannten Eskapaden zu verzeihen: sich nachts in seinem Wohnmobil noch ein paar Wodka-Mixdrinks zu gönnen und so einiges Ungereimte über den Nutzen von Doping zu erzählen.

          Die Lex Miller stört alle Athleten

          Doch die Sache ist komplizierter. Und das liegt vor allem an den Trainern und Betreuern des amerikanischen Skiverbandes, die seit Jahren mit der unangenehmen Erkenntnis lebten, daß sie überhaupt keinen Einfluß auf Miller hätten, aber trotzdem sein Verhalten, seine Sprüche und seine oft unerklärlichen Resultate gegenüber Sponsoren rechtfertigen müssen. So entwarfen die Funktionäre nach dem enttäuschenden Auftritt von Miller bei den Winterspielen in Turin ein Papier, daß alle Skifahrer unterschreiben müssen, wenn sie ins Team wollen. Darin wurde einiges neu geregelt: daß die Sportler im Mannschaftshotel wohnen müssen und nicht in ihren eigenen Motorhomes übernachten dürfen, zum Beispiel. Und daß die Betreuer nicht länger abends mit ihren Schützlingen Alkohol trinken dürfen. Die legere Haltung paßt nun mal nicht zu den heutigen Vorstellungen von Spitzenleistung.

          Es ist eine Lex Miller, die anderen Aktiven, darunter auch Damen, gehörig gegen den Strich geht. Unter anderem auch der derzeit besten Fahrerin Julia Mancuso, die immerhin in Turin eine Goldmedaille gewonnen hat und die sich ärgert: "Das ist dämlich. Ich werde also jetzt nach jedem Rennen in meinen Bus steigen und zu einem Mannschaftstreffen ins Hotel fahren, danach mit dem Bus wieder in den Ort zurückkehren, spätestens um 22 Uhr im Hotel sein, um zu schlafen. Und am anderen Morgen um sieben Uhr aufstehen, mich anziehen und wieder in den Bus steigen."

          Er weicht allen Fragen aus

          Auch Miller wird nicht auf seine Wohnung auf Rädern verzichten, wie sein Agent bereits mitgeteilt hat. Den organisatorischen Rest müsse man noch aushandeln. "Bode muß sein Umfeld kontrollieren können, seine Ernährung und sein Wohlbehagen und nicht in irgendeinem Hotelzimmer auf dem Bett herumliegen, wo seine Füße über die Bettkante hinausragen", sagt sein Manager. Die eigene Unterkunft hatte der bestens verdienende Miller erstmals 2003 zum Weltcup mitgebracht, zusammen mit seinem Schulfreund Jake Sereno, der als Fahrer und Koch fungiert. Der inzwischen zurückgetretene Weltmeister Daron Rahlves folgte zwei Jahre später diesem Beispiel. In der vergangenen Saison entschied sich auch Julia Mancuso für die mobile Wohnung.

          Was sich Miller wirklich dabei denkt, hat er noch niemandem verraten. Er weicht, so gut es geht, allen Fragen aus. Und das, obwohl in den vergangenen Monaten Erwähnenswertes passiert ist. Er wechselte im Frühjahr den Skiausrüster und ließ sich am Meniskus operieren. Der ehemalige Trainer John McBride, der sich zunächst vom aktiven Sport zurückgezogen hatte, gehört wieder zum Betreuerteam. Womit Miller sehr zufrieden ist, denn die beiden hatten jahrelang erfolgreich zusammengearbeitet. "Ich brauchte jemanden, der mir persönlich hilft", sagte er unlängst, "um die Logistik des Trainings für vier verschiedene Disziplinen hinzubekommen." Er bleibt also der alte, auch wenn er sich etwas Neues hat einfallen lassen: "Ich sauge meine Wangen ein, wenn ich rede." Wenn einer so selten redet, mag das sogar funktionieren.

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