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Ski alpin : Die große Not der Österreicher

  • -Aktualisiert am

Fehlt den Österreichern in diesem Winter: Marcel Hirscher, hier im Januar 2018 Bild: dpa

Seit 30 Jahren ist Österreich das Maß der Dinge im Nationencup. Doch in dieser Saison droht der Verlust dieser Vormachtstellung. Das hat vor allem mit einem Fahrer zu tun – und dem Mangel an neuen Siegertypen.

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          Er ist weg, genießt auf seinem Bauernhof im Salzburger Land das Privatleben, meidet öffentliche Auftritte, und doch vergeht kaum ein Tag in diesem Ski-Winter, in dem sein Name nicht in den österreichischen Medien auftaucht. Marcel Hirscher ist fast so präsent wie in den vergangenen Jahren, als er seinem Land regelmäßig Weltcupsiege und Medaillen bescherte. Das liegt am Mangel an neuen rot-weiß-roten Siegertypen und der Gewissheit, dass die Lücke, die der achtmalige Gesamtweltcupsieger mit seinem Rücktritt hinterließ, zu groß ist für die erfolgsverwöhnte Ski-Nation.

          Daran ändert auch der überraschende Sieg von Matthias Mayer in der alpinen Kombination am Freitag in Wengen nichts. Immerhin gehörten vor der Lauberhornabfahrt an diesem Samstag, bei der er nun auch zu den Favoriten zählt, allein ihm die Schlagzeilen – und nicht wieder Hirscher. Aber auch der dritte Sieg für die österreichischen Männer in dieser Saison änderte nichts an der Tatsache, dass die Schweiz im Moment die Nummer eins ist. Die Eidgenossen führen im Nationencup, bei den Männern ist Österreich sogar nur Vierter, noch hinter Norwegen und Frankreich.

          Für jede andere Nation, Schweiz inklusive, ist diese Länderwertung eigentlich kein großes Thema, wenigstens nicht zu diesem Zeitpunkt der Saison. Aber in Österreich beschäftigt es seit ein paar Tagen die Verantwortlichen und allen voran den Präsidenten. Peter Schröcksnadel steht seit 30 Jahren an der Spitze des mächtigen nationalen Skiverbandes, und seitdem gab es immer nur einen Sieger im Nationencup: Österreich. Aber nun droht der Verlust dieser Vormachtstellung. Schröcksnadel gibt sich nach außen gelassen. Es wäre „ja fad“, wenn immer nur die Österreicher gewinnen würden, sagte er – und könnte doch sehr gut damit leben. Ein bisschen Konkurrenz sei gut fürs Geschäft, findet er – und verkneift sich den sonst so beliebten Zusatz „und gut für den Tourismus“. Aber beides trifft eben nur zu, wenn am Ende doch wieder Österreich triumphiert.

          Jubel in Rot-Weiß-Rot: Matthias Mayer (Mitte) und sein Team in Wengen

          Und er selbst tut alles, um seinen Athleten einen Vorteil zu verschaffen. Als Anfang vergangenen Jahres fast schon beschlossene Sache war, die alpine Kombination aus dem Programm zu nehmen, hat Schröcksnadel plötzlich eine Kehrtwende vollzogen – auch weil er in Marco Schwarz einen hoffnungsvollen Medaillenkandidaten für die Disziplin wähnte. Die Kombination blieb auf Druck des ÖSV-Präsidenten im Programm – und auf sein Betreiben hin wurde auch noch die Startreihenfolge für den zweiten Teil, den Slalom, verändert. Der Beste der Abfahrt darf nun den Torlauf eröffnen, statt wie bisher als 30 zu starten. Damit sollten die Chancen der Schnellfahrer erhöht werden – in Wengen ist Schröcksnadels Plan aufgegangen. Mayer hatte die Abfahrt am Vormittag gewonnen und genoss im Slalom den Vorteil einer guten Piste. Der favorisierte Franzose Alexis Pinturault musste sich trotz Laufbestzeit im zweiten Teil der Kombination mit dem zweiten Platz zufriedengeben, sein Mannschaftskollege Victor Muffat-Jeandet, ebenfalls Slalom-Spezialist, wurde Dritter.

          Nach der Nationencup-Diskussion im Nachbarland meldete sich nun auch der Schweizer Ski-Präsident zu Wort – und gab zu verstehen, dass die Länderwertung natürlich ein „Prestigeobjekt“ sei. Es gehe dabei „nicht um eine Momentaufnahme, sondern um die Leistung über den ganzen Winter“, sagte er im „Blick“.

          Vor ein paar Jahren waren seine Schweizer noch viel, viel weiter weg von der Spitze als im Moment die auf hohem Niveau klagenden Österreicher. Dann wurde „alles auf den Kopf gestellt“, sagte Lehmann, also Strukturen verändert und Trainer ausgewechselt. 2014 kehrte Tom Stauffer zurück zu Swiss Ski. Mit dem früheren deutschen Frauen-Cheftrainer als neuem Verantwortlichen für die Schweizer Männer ging es langsam aufwärts. „Konsequente Arbeit in allen Disziplinen“ nennt er als Grund für die Kehrtwende. Daran allein liegt es aber wohl nicht, denn auch in Österreich wird intensiv trainiert und analysiert. „Es fehlen schon ein paar Jahrgänge bei uns“, gibt Stauffer zu. Genau jene, die jetzt so um die 30 wären. Stauffers österreichischer Kollege Andreas Puelacher hat eine andere Erklärung. Die Konkurrenz sei „durch das, was sie bei uns gesehen haben, stärker geworden. Die anderen haben den Schritt aufgeholt, darum haben wir diese Dichte in allen Bewerben“, sagte er in Wengen gegenüber österreichischen Medien. Abzuschauen von den Besten im Sport ist ja nie das Schlechteste.

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