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Ski alpin : Der Schmerz und die Magie von Cortina

Vom Sturz gezeichnet: Maria Riesch Bild: REUTERS

Deprimierende Nachricht für die deutschen Ski-Damen. Medaillenhoffnung Maria Riesch wird bei den Weltmeisterschaften nicht an den Start gehen können. Sie erlitt einen Kreuzbandriß im Knie.

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          Diesmal schien alles zusammenzupassen vor der Weltmeisterschaft, und selbst Martina Ertl, das Sorgenkind des Deutschen Ski-Verbandes, hatte offenbar gerade noch rechtzeitig in die Spur zurückgefunden. "Wir haben bei den Top-drei-Plazierungen deutlich aufgeholt", hatte Wolfgang Maier am Vorabend gesagt, und nur um solche Plätze geht es demnächst bei den alpinen Weltmeisterschaften in Bormio und St. Caterina. Mit guten Gefühlen hätte der Cheftrainer der deutschen Damen da nach dem überraschenden dritten Platz von Martina Ertl im Superriesenslalom in Cortina d'Ampezzo und trotz eines enttäuschenden 17. Rangs für Hilde Gerg in ihrer Paradedisziplin also demnächst zu den am 29. Januar beginnenden Titelkämpfen reisen können - stattdessen aber mußte der Deutsche Ski-Verband an einem strahlend schönen Tag einen herben Rückschlag hinnehmen.

          Peter Penders

          Stellvertretender verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Die Bestätigung kam am frühen Abend, und alles Daumendrücken war vergebens gewesen. Maria Riesch, die Dritte der Weltcup-Gesamtwertung der vergangenen Saison, fällt nach einem Kreuzbandabriß im rechten Knie für mindestens sechs Monate aus. Nach 25 Sekunden war Maria Riesch nach einem Fahrfehler gestürzt und mit Karacho in den Fangzaun gerutscht. Einen Schwungansatz zu spät eingeleitet, beim Versuch der Korrektur in Rücklage geraten und von einer Bodenwelle ausgehoben - die 20 Jahre alte Garmischerin wußte auch ohne Videostudium sofort, was da schiefgelaufen war.

          Verletzung schwerer als angenommen

          Die Schürfwunden und Schwellungen im Gesicht werden schnell abheilen, und alle waren zunächst noch hoffnungsvoll, daß die Kernspin-Untersuchung im Krankenhaus auch ähnliches für das schmerzende Knie ergeben würde. Schließlich war sie nicht im schon bereitstehenden Schlitten nach unten gebracht worden, sondern war selber die Piste heruntergefahren. "Rotationsbewegungen im Knie tun zwar ziemlich weh, an den Bändern ist aber sicher nichts", sagte sie mit Tränen in den Augen. Eine Fehleinschätzung, die Verletzung erwies sich als wesentlich schwerer als nicht nur von der Leidtragenden selber zunächst angenommen. Da auch der Oberschenkelknochen in Mitleidenschaft gezogen wurde, muß erst einmal der Knochen abheilen, ehe die Garmischerin an den Kreuzbändern operiert werden kann. "Das ist ein schwerer Rückschlag für uns, aber wir müssen damit irgendwie zurechtkommen", sagte Maier.

          Das wird keine leichte Aufgabe werden, denn für Maria Riesch war bei der Weltmeisterschaft außer im Riesenslalom in jeder anderen Disziplin eine Medaille in Reichweite. "Von Platz eins bis gar nichts ist bei ihr alles möglich", hatte Maier gesagt, der eine besondere Eigenschaft bei ihr ausgemacht hatte. "Maria möchte immer gewinnen, und das macht Siegfahrerinnen aus." So aber sind die deutschen Chancen plötzlich drastisch gesunken. "Ich bin es zwar gewohnt, daß wir immer eins auf den Deckel bekommen. Aber das schwächt uns nun natürlich vehement", sagte Maier.

          Cortina

          Freud und Leid lagen für die alpine Damenriege also dicht beieinander - nichts ungewöhnliches in Cortina d'Ampezzo, wo der Deutsche Ski-Verband schon so viel erlebt hat. "Cortina hat etwas Magisches für die Deutschen. Meistens war hier eine von uns auf dem Podium", fand Martina Ertl, die aber auch schon andere Tage auf dieser Strecke erlebt hat. 1997 war sie kurz vor der Weltmeisterschaft in Sestriere auf der Tofana-Piste gestürzt. Trotz eines Innenbandabrisses hatte sie zwar an den Titelkämpfen teilgenommen, war aber mit diesem Handikap chancenlos geblieben. Und so magisch, wie die Lenggrieserin glauben machen wollte, sind die deutschen Erfolge in den Dolomiten nicht, sondern durchaus erklärbar. Schließlich werden in Cortina traditionell mehrere Rennen ausgetragen, noch dazu vornehmlich in den schnellen Disziplinen, die den deutschen Damen ohnehin mehr liegen.

          Der Gedanke an Cortina aber läßt nicht nur Martina Ertl "schon mit einem Lächeln im Gesicht aufstehen". Renate Götschl dürfte es ihr gleichtun. Die Österreicherin war ohne Saisonsieg nach Italien gereist, und wo sollte es also endlich klappen, wenn nicht hier? 14 Mal hatte sie bislang in Cortina auf dem Siegerpodium gestanden, fünf Rennen sogar gewonnen. Am Mittwoch folgte Nummer sechs mit 22 Hundertstelsekunden Vorsprung vor der Schwedin Anja Paerson. "Es ist einfach eine tolle Strecke und ein schönes Ambiente hier", sagte die Österreicherin, die sich anschickt, demnächst Katja Seizinger einzuholen. Mit 36 Weltcuperfolgen ist die Deutsche ihr nur noch um zwei Siege voraus.

          Doch so vielversprechend es auch war, daß Martina Ertl nur ein paar Tage nach einem enttäuschenden 42. Platz im Riesenslalom von St. Caterina ihren Ruf als das Stehaufmännchen des alpinen Skisports mehrte, die Verletzung von Maria Riesch überschattete alles. "Ich habe mir zunächst nur Sorgen um die dicke Lippe gemacht. Das Knie hat sich zwar komisch angefühlt, aber ich hatte ja noch nie eine Bänderverletzung", sagte Maria Riesch. Es gibt Erfahrungen, auf die man gerne verzichten würde.

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