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Ski Alpin : Cuche hauchdünn vor Miller und Büchel

  • -Aktualisiert am

Endlich mal Sieger: Didier Cuche Bild: AP

Lange galt Didier Cuche wegen knapp verpasster Siege als der unglücklichste Fahrer im Weltcup. In Gröden lag er nun um zwei Hundertstelsekunden vorne. Neben ihm kamen die Wohnmobilfreunde Bode Miller und Marco Büchel aufs Podest.

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          Zwei Hundertstelsekunden fehlten Didier Cuche vor einem Jahr in der Abfahrt von Gröden zum Sieg. Gar nur eine war es damals knapp zwei Wochen später in Bormio. Es schien schon fast ein Fluch zu sein, den Cuche gilt in der Szene als der ewige unglückliche Zweite. Gestern hat ihn der Schweizer bezwungen. Um zwei Hundertstelsekunden war er diesmal schneller als Bode Miller, der Vorjahressieger, um vier Hundertstel schlug er Marco Büchel, seinen liechtensteinischen Teamkollegen. „Die Besten sind in dieser Saison so nahe beisammen“, sagt er, „dass es zum Gewinnen immer auch ein bisschen Glück braucht.“

          Dabei hatte Cuche das Rennen nach einer der ersten Kurven, als er die Skis querstellen musste, beinahe schon verloren. Bei der ersten Zwischenzeit lag Bode Miller um 29 Hundertstelsekunden vor ihm (ein Rückstand, mit dem Weltmeister Patrick Staudacher am Ziel lediglich Sechster wurde) und auch Büchel war um 26 Hundertstel schneller. „Ich wusste, dass ich alles riskieren musste“, sagte Cuche. Zwischen dem letzten Streckenabschnitt Ciaslat und dem Ziel fuhren Cuche und sein Teamkollege Didier Défago die Tore ein bisschen direkter an als die Konkurrenz, und das zahlte sich aus. Nur beim letzten Sprung glaubte Cuche dann doch wieder alles verloren. Er konnte nur mit Mühe noch ins Tor hineinziehen. Er riskierte dabei noch einmal sehr viel, „und“, so stellte er fest, „das hat vielleicht hat genau das letztlich die zwei Hundertstelsekunden ausgemacht.“

          Sogar viermal Slalom trainiert

          Der siebte Weltcupsieg des 33-jährigen Cuche war ein Sieg mit Ansage. Bei den ersten Weltcuprennen in Übersee hatte er in drei verschiedenen Disziplinen (Abfahrt, Superriesenslalom, Riesenslalom) dreimal den dritten Platz belegt. Und jedes Mal, so ist er überzeugt, hätte er ohne ein paar ärgerliche Fehler gewinnen können, auch im Superriesenslalom von Beaver Creek, bei dem er nach bester Zwischenzeit noch auf den elften Platz zurückgeworfen wurde. „Mit etwas Glück hätte ich mit drei roten Startnummern aus Amerika heimkehren können“, sagte er.

          Bode Miller: Zweiter Platz in der Zwei-Hunderstel-Entscheidung

          Mit den roten Nummern werden die Führenden in den Disziplinen-Weltcups ausgezeichnet. Mit seinem gestrigen Sieg holte er das Verpasste im Superriesenslalom nach, an diesem Samstag kann er es in der Abfahrt tun. Sollte er gewinnen, könnte er auch die Führung im Gesamtweltcup übernehmen, der für ihn in diesem Winter ohne Weltmeisterschaften und Olympische Spiele durchaus ein Thema ist. Im Hinblick auf die Super-Kombinationen hat er sogar viermal Slalom trainiert.

          Miller und das „All Star Team der Coaches“

          Auch Bode Miller hatte bei den Rennen in Lake Louise und Beaver Creek angedeutet, dass er noch immer schnell sein kann. Ohne seine „fürchterlichen Fehler“ hätte auch er ein paar Mal gewinnen können, sagt er, und auch diesmal habe er zu viele Fehler gemacht, um wie im Vorjahr zu siegen. Damals hatte er den Zweiten, Christoph Gruber um 64 Hundertstelsekunden distanziert - ein Rückstand, der diesmal gerade noch den 13. Rang eingebracht hätte. „Physisch bin ich so stark wie noch nie“, behauptet Miller, und natürlich sei er glücklich darüber, wieder von einem perfekten Umfeld profitieren zu können. Seinen Betreuerstab bezeichnet er „All Star Team der Coaches“, sein Material als das beste der Welt. Wie Cuche, Büchel und Hermann Maier vertraut er auf Head.

          Doch nicht nur deswegen freute er sich, neben dem bald 37-jährigen Liechtensteiner, dem ältesten Fahrer im Feld, auf dem Podest zu stehen. Büchel ist erstens einer seinem besten Freunde und zweitens steht im Zielraum von Santa Cristina Büchels Wohnmobil neben dem seinen. „Die beiden einzigen Fahrer, die mit dem Wohnmobil unterwegs sind, standen hier auf dem Podest“, sagte Miller, „das sagt wohl alles über die Vorteile.“

          Der Fernsehtrick des Trainers

          Im Gegensatz zu Miller benützt Büchel den Camper nur vor und nach den Rennen, um sich bei seiner Frau und seinem Hund aufzuwärmen und zu entspannen. Die Nächte verbringt er im Hotel der Schweizer Mannschaft. Dort ist er in die Trainingsgruppe von Patrice Morisod integriert, der auch die beiden Didiers, Cuche und Défago, angehörten. Mit den Rängen eins, drei und vier feierte der Trainer aus dem Walliser gestern den größten Erfolg seiner langen Karriere im Weltcup.

          Er hatte das Rennen statt auf der Piste am Fernseher verfolgt und dort festgestellt, dass die Schweizer mit der Linienwahl Probleme hatten. Nachdem Grünenfelder und Daniel Albrecht ausgeschieden waren, meldete er die vorzunehmenden Korrekturen an den Start. Cuche, Büchel und Défago nahmen sich die Ratschläge zu Herzen.

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