https://www.faz.net/-gtl-7itft

Ski alpin : Bode Miller und die Eine-Million-Euro-Frage

Die Branche ist erleichtert: Bode Miller fährt wieder Ski Bild: REUTERS

Bode Miller ist nach 20 Monaten Pause wieder zurück. Im Riesenslalom von Sölden muss er beispielsweise seinem Landsmann Ted Ligety den Vortritt lassen.

          4 Min.

          Vergangene Woche, da staunte Marcel Hirscher nicht schlecht. Hirscher, 24 Jahre alt, ist derzeit der offiziell beste Skirennfahrer der Welt. In den vergangenen zwei Jahren hat er den Gesamtweltcup gewonnen und im vergangenen Februar in Schladming den Titel des Slalom-Weltmeisters. Hirscher ist deshalb auch Österreichs große Hoffnung an diesem Sonntag, wenn die Männer ihr erstes Weltcup-Rennen der Olympia-Saison bestreiten, den Riesenslalom in Sölden. Vergangene Woche aber, da war dann auch Marcel Hirscher ziemlich baff. Denn da war im Riesenslalom-Training einer schneller als er gewesen, von dem Hirscher und manch anderer das nicht unbedingt erwartet hätte. Schließlich ist der Mann 36 Jahre alt, und er hat seit 20 Monaten kein Weltcup-Rennen mehr bestritten. Sein Name ist Bode Miller.

          Bernd Steinle

          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          18. Februar 2012, Riesenslalom in Bansko (Bulgarien) – das war bis dato Millers letzter Auftritt im Weltcup. Danach setzte ihn eine Knieverletzung samt Operation außer Gefecht. Eigentlich wollte der Amerikaner schon im Winter darauf wieder zurückkommen, aber das Knie spielte nicht mit. Im Trainingslager in Chile im Sommer waren die Schmerzen so groß, dass Miller beschloss, die gesamte Weltcup-Saison 2012/2013 inklusive Weltmeisterschaften abzuschreiben.

          Balanceakte an der Grenze des für Menschen auf Ski Machbaren

          Jetzt ist er zurück: Bode reloaded. Und die ganze Branche ist erleichtert. Sie hat ihn vermisst, den Ski-Rebellen mit der großen Klappe und den großartigen Schwüngen, den Mann, der die Fans so fasziniert, weil er es wie kein anderer versteht, an der Grenze des für Menschen auf Ski Machbaren zu balancieren. Weil er sich immer wieder bei irrwitzigem Tempo in haarsträubende Situationen bringt und sich dank seiner Athletik und dem überragenden Ski-Gefühl auf spektakuläre Art daraus zu befreien weiß. Unvergessen die Abfahrt in Bormio, als Miller schon im oberen Teil einen Ski verlor und dann auf dem einen verbleibenden Ski bis fast ins Ziel runter weiterfuhr – auf einer der schwierigsten Abfahrtsstrecken im Weltcup. Für solche Aktionen lieben sie ihn.Beim Weltcup-Auftakt am Sonntag reichte es im Riesenslalom von Sölden im ersten Durchgang nur zu Rang 13. In Führung liegt vor dem finalen Durchgang der besten 30 (12.45 Uhr/ live in der ARD) am Nachmittag Ted Ligety. Felix Neureuther ist Siebter.

          Bode Miller: Große Klappe, atemberaubende Skitechnik

          Der zweimalige Gesamtweltcupsieger und Kombinations-Olympiasieger hatte von 2010 an eineinhalb Jahre lang ausgesetzt mit dem Skisport, und für Miller war das die einzig richtige Entscheidung. Weil sein Knie so richtig ausheilen konnte, weil er seinen Körper so in Ruhe wieder aufbauen konnte, und weil er im Trainingsprogramm so neue Wege gehen konnte, mit genügend Abstand bis ins Detail austesten konnte, was ihn im Training noch weiterbringt und was nicht.

          Viele Schicksalsschläge in der Wettkampfpause

          Jetzt, sagt Bode Miller, fühle er sich so fit und gesund wie seit Jahren nicht mehr, alles sei wieder im Lot, im sportlichen wie im richtigen Leben. Miller hat einiges durchgemacht in dieser Auszeit, da war der Gerichtsstreit mit seiner ehemaligen Lebensgefährtin um das Sorgerecht für seinen Sohn, den er am Ende gewann, da war der Tod seines jüngeren Bruders Chelone im April, der einem Schlaganfall erlag, da war der Verlust eines ungeborenen Kinds im Januar, das er mit seiner Frau Morgan sehnlich erwartet hatte.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Zwei große Mächte im Welthandel: US-Präsident Donald Trump (links) fasst sich an die Jacke, während er für ein Foto mit dem chinesischen Präsidenten Xi Jinping am Rande des G-20-Gipfels in Osaka posiert.

          Trumps Blockade : Schwerer Schlag für den Welthandel

          Donald Trump legt das Instrument zur Streitschlichtung der Welthandelsorganisation lahm. Die EU-Kommission sucht noch nach einer Lösung, um die Blockade zu umgehen.
          Präsidenten Macron und Putin in Paris

          Ukraine-Gipfel in Paris : Die Folgen der Inkonsequenz

          Auf dem Pariser Gipfel ging es nicht nur um den russisch-ukrainischen Konflikt. Sondern auch darum, mit welchen Botschaften der Westen dem russischen Regime entgegentritt. Putin spielt auf Zeit – und der Westen setzt ihm kaum etwas entgegen.

          Trauer um Roxette-Star Fredriksson : „Danke Marie“

          An ihrer Stimme kam in den 90er Jahren niemand vorbei, sie war das Gesicht von Roxette: Marie Fredriksson ist früh gestorben – die Trauer bei den Fans ist groß. Und auch ihr Band-Partner nimmt Abschied von einer ganz besonderen Freundin.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.