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Abfahrer Thomas Dreßen : Guter Start nach der Krönung

Hoch gehandelt: Die Konkurrenz hält viel von Thomas Dreßen. Bild: AP

Kitzbühel gewonnen, ein Lernender geblieben: Abfahrer Thomas Dreßen hält nichts von Starrummel und startet mit Top-Ten-Plätzen in Lake Louise in die neue Skisaison.

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          Eines stellte Thomas Dreßen vor der Saison gleich mal klar: „Kitzbühel spielt keine Rolle mehr.“ Zumindest hat er sich vorgenommen, nicht wie ein vermeintlicher Star aufzutreten, auch wenn ihn sein Sensations-Sieg auf der Streif im Januar schlagartig bekannt machte. Dreßen will jedes einzelne Rennen ernsthaft und konzentriert angehen.

          Zum Auftakt des neuen Winters ist ihm das leidlich gut gelungen. Beim ersten Abfahrtsrennen in Lake Louise (Kanada) raste der Deutsche am Samstagabend auf den siebten Platz. 0,78 Sekunden fehlten ihm nach 3120 Metern auf den Österreicher Max Franz, der seine Startnummer 1 bei herrlichem Winterwetter in 1:46,18 Minuten auch zu Platz Nummer 1 umsetzte. Dreßen erwischte bei wechselnden Winden nicht die besten Bedingungen, äußerte sich aber zufrieden mit seiner Vorstellung: „Ich bin voll happy, weil ich gesund bin, weil ich im Ziel bin und weil es fahrerisch passt.“ Die Norm für den Saisonhöhepunkt, die WM im Februar in Åre, hat er damit bereits abgehakt. Und im Quervergleich übertraf er auch sich selbst: „Letztes Jahr bin ich schlechter gefahren beim ersten Rennen.“ Da belegte er den 14. Platz.

          Im Super-G am Sonntag auf gleicher Strecke schob er nun noch einen neunten Platz hinterher. Auf Sieger Kjetil Jansrud (Norwegen), der in 1:33,52 Minuten vor dem Österreicher Vincent Kriechmayer gewann, fehlten ihm diesmal 0,95 Sekunden.

          Kein One-Hit-Wonder

          Thomas Dreßen aus Garmisch-Partenkirchen, seit Donnerstag 25 Jahre alt, sieht sich noch als Lernender, und er gehört auch noch zu den eher Unerfahrenen in der Top-Gruppe. Auf die Frage, welche Zielsetzung er für die Saison verfolge, sagte er: „Ich will das Maximum abrufen. Wenn es für das Podest reicht, ist das super.“ Wenn nicht, wisse er: „Es gibt immer noch Dinge zu verbessern.“

          Dass er kein One-Hit-Wonder war, hat der Shooting-Star des vergangenen Winters schon bewiesen. Mit einem weiteren Weltcupsieg in Kvitfjell, zwei Podestplätzen zudem, Rang drei im Abfahrts-Weltcup und Platz fünf bei den Olympischen Spielen. Dass er einer ist, auf den in der Szene geachtet wird, zeigt nicht zuletzt die Einschätzung von Aksel Lund Svindal, dem Abfahrts-Olympiasieger von Pyeongchang, der Kraft seines Könnens und seiner Ausstrahlung als so etwas wie der „Elder Statesman“ unter den Speedfahrern gilt. Im Interview mit dem „Sportbuzzer“ schwärmte der 35 Jahre alte Norweger regelrecht von dem zehn Jahre jüngeren Deutschen. „Wenn wir so einen Typen mit Ausstrahlung auch dauerhaft in den Speed-Disziplinen haben, dann hilft uns das allen“, erklärte Svindal, der am Samstag mit zwei Hundertstelsekunden Rückstand auf Dreßen Achter wurde. Er fügte an, für „unseren Skisport“ sei auch „ein gutes deutsches Team enorm wichtig.“ Das ist beim Auftakt in Kanada allerdings hinter den Erwartungen geblieben. Andreas Sander holte in der Abfahrt als 29. gerade noch zwei Weltcup-Punkte, Dominik Schwaiger und Josef Ferstl belegten nur die Ränge 37 und 39.

          Eric Frenzel überreicht Thomas Dreßen (l) die Auszeichnung als Skisportler des Jahres: „Meine eine Fahrt da“.

          Weil die Norweger und die Deutschen immer mal wieder zusammen trainieren, kann Svindal das Potential der deutschen Fahrer recht gut einschätzen: „Thomas war schon in der Vorsaison richtig schnell und mit ihm das ganze deutsche Team.“ Doch Dreßen scheint sich so langsam von seinen Mitstreitern zu entfernen – sowohl in Bezug auf Leistung wie auch bei den Möglichkeiten der Vermarktung. Das Kraftpaket mit der bubenhaften Ausstrahlung legt zwar selbst stets großen Wert auf den Teamgedanken, doch die alte Regel „the winner takes it all“ gilt auch für Naturburschen auf Skiern. So konnte Dreßen davon berichten, im Sommer „den ein oder anderen Termin abgearbeitet“ zu haben. Werbepartner spannten ihn ein, wobei Besuche bei der DTM und der Formel 1 sich für den Speedbegeisterten wie große Geschenke anfühlten.

          Weil ihm von allen Tempo-Erlebnissen diejenigen auf Skiern freilich die wichtigsten sind, blieb er sich treu und verbrachte die meiste Zeit im Schnee. Ein Monat Trainingslager im Sommer in Chile, nun noch mal drei Wochen im November in Nordamerika ermöglichten ihm, Pistenkilometer zu sammeln und am Set-up zu basteln. Skimodelle, Bindungen, Schuhe: Alles muss passen. „Als Skifahrer ist man nie perfekt“, lautet Dreßens Devise: „Es gibt immer etwas, das man besser machen kann.“ Selbst wenn die Krönung am Anfang stand.

          Dass er vor der Saison von den Kollegen aus allen Sparten zu ihrem „Skisportler des Jahres“ gewählt und mit dem „Goldenen Ski“ ausgezeichnet wurde, bezeichnete er als „Riesenehre“. Immerhin konnten Biathletin Laura Dahlmeier, Skispringer Andreas Wellinger und Kombinierer Eric Frenzel als Olympiasieger auf riesige Erfolge im abgelaufenen Winter zurückblicken. „Das ist höher zu bewerten als meine eine Fahrt da“, meinte er. Aber offenbar ist ein Kitzbühel-Erfolg doch etwas für die Ewigkeit. Ob es der Sieger nun will oder nicht.

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