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Skeleton : Zickzackkurs einer Olympianominierung

  • -Aktualisiert am

Tränen am Eiskanal: Kerstin Jürgens Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Raus, rein und wieder raus. So lautet im Fall der früheren Skeleton-Europameisterin Kerstin Jürgens die Kurzform der verpaßten Olympianominierung. „Absolut unfair“, findet die 28jährige die Behandlung durch Verband und NOK.

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          Raus, rein und wieder raus. So lautet im Fall der früheren Skeleton-Europameisterin Kerstin Jürgens die Kurzform der verpaßten Olympianominierung.

          Raus am vergangenen Donnerstag, nachdem der Bob- und Schlittenverband für Deutschland (BSD) das letzte Weltcuprennen in Altenberg zum entscheidenden Kriterium ausgerufen hatte und die Sportstudentin aus Essenheim bei Mainz nur Drittschnellste hinter Diana Sartor (Altenberg) und Anja Huber (Berchtesgaden) geworden war. Wieder rein zur allgemeinen Verwunderung wenige Minuten nach Wettkampfschluß, weil Chef-Bundestrainer Raimund Bethge und Skeleton-Bundestrainer Jens Müller der Meinung waren, daß Kerstin Jürgens auf der Bahn in Cesana eine Medaillenkandidatin sei und ihr verpatzter erster Lauf in Altenberg nicht über Olympia entscheiden dürfe. Die Athletin hatte schließlich das erste Weltcuprennen auf der Olympiabahn gewonnen. Anja Huber ist noch nie dort gefahren. Wieder raus am Freitag, nachdem BSD-Generalsekretär Stefan Krauß die Rivalin nominierte. Begründung: Nominierungskriterien, das erklärte auch das Nationalen Olympische Komitee, dürfen nicht innerhalb von 24 Stunden umgestoßen werden: "Was abgesprochen wird", sagte Krauß, "muß eingehalten werden."

          Schadenersatzforderung?

          Nun sind also Diana Sartor und Anja Huber in Turin dabei, und bei der 28 Jahre alten Kerstin Jürgens dominiert tiefe Enttäuschung. "Was mit uns Sportlern gemacht wurde, ist absolut unfair", sagt sie. "Für mich sind vier Jahre Vorbereitung hinüber." Und offensichtlich denkt die Sportstudentin über juristische Schritte nach. "Das hat Konsequenzen, deren sich der Verband noch gar nicht bewußt ist", sagte sie in der SWR-Sportsendung "Flutlicht" und wies auf ihre Sponsoren hin.

          „Für mich sind vier Jahre Vorbereitung hinüber”
          „Für mich sind vier Jahre Vorbereitung hinüber” : Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

          Was die Schlußfolgerung nahelegt, daß auf den BSD eine Schadenersatzforderung zukommen könnte. Zweimal hatte der Verband die Nominierung hinausgezögert, den ersten Termin am 21. Dezember verstreichen lassen - seinerzeit hatten nur Diana Sartor und Kerstin Jürgens die Nominierungsrichtlinien erfüllt - und auch am 25. Januar keine Vorschläge an das NOK eingereicht. Mittlerweile hatte sich auch Anja Huber beim Weltcup am Königssee für Olympia qualifiziert, und nach der verpatzten Europameisterschaft (Huber 13., Sartor 19., Jürgens 20.) setzte der BSD die Ausscheidung "Aus drei werden zwei" für Altenberg an.

          Tränen im Eiskanal

          Dort waren Diana Sartor und Anja Huber in der Addition der beiden Wertungsläufe schneller, doch Kerstin Jürgens hatte im zweiten Durchgang die drittbeste Zeit erreicht. Eine halbe Sekunde vor Anja Huber. "Anja hat leider nicht unter Beweis gestellt, daß sie im Medaillenbereich mitfahren kann", sagte Bundestrainer Müller und schlug dem NOK die Damen Sartor und Jürgens vor. Die ausgebootete Anja Huber verließ daraufhin weinend die Wettkampfstätte. Zudem soll ihr Vater mit einer einstweiligen Verfügung gedroht haben. So jedenfalls ist die Aussage von BSD-Präsident Andreas Trautvetter zu interpretieren, der eine ruhige Vorbereitung auf Turin anmahnte. "Und das geht nicht, wenn wir uns nicht an die vereinbarten Regularien gehalten hätten."

          Ein schlechtes Bild gab letztlich der Verband mit seinem Zickzackkurs ab. Wenn die Erfahrung von Kerstin Jürgens - und mithin die von ihr gewonnene olympische Generalprobe 2005 in Cesena - eine so gewichtige Rolle hätte spielen sollen, hätte sich der Bob- und Schlittenverband früher festlegen müssen. Oder an den vereinbarten Richtlinien festhalten und nach dem Ausscheidungsrennen in Altenberg Diana Sartor und Anja Huber nominieren müssen. Kerstin Jürgens hat von den zuständigen Bundestrainern seit Tagen nichts gehört. "Es ist auch niemand zu erreichen." Als sie den Anruf über ihre Nichtnominierung von BSD-Mann Krauß erhielt, war sie übrigens schon mit der Kleidung des deutschen Olympiateams ausgestattet.

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