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Skispringer Severin Freund : „Dann eben Weltmeister“

Bereit zum ganz großen Sprung? Severin Freund will Weltmeister werden Bild: dpa

Einst war Severin Freund, wie er sagt, ein „introvertierter Klugscheißer“. An diesem Samstag (16.30 Uhr) ist er nach dem Skiflug-Rekord vor einer Woche Favorit auf WM-Gold. Die Chancen auf den Coup in Falun stehen gut.

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          Das gute Gefühl hat ihn nicht getrogen. Die Welt, in der sich die internationale Skisprung-Elite bewegt, ist eine überschaubare. Weil es Schanzen nur an ausgesuchten Standorten gibt, Trainingszeiten in der Wettkampfvorbereitung rar sind und das Wetter auf die Terminplanung immer maßgeblich Einfluss nimmt, kreuzen sich die Wege der Beteiligten regelmäßig.

          Severin Freund konnte daher seit dem vergangenen Herbst, als er die Grundlagen für einen erfolgreichen Saisonverlauf legen wollte, immer wieder aus nächster Nähe beobachten, wie es um die Konkurrenz steht. Seine Eindrücke verschafften ihm im Vergleich mit der eigenen Leistungsfähigkeit früh Zuversicht: „Wir sind auf dem Weg zum Hoch.“

          Der bisherige Verlauf des Weltcups bestätigte ihn in seinem Optimismus. Mit einer Ausnahme lief alles nach Plan: Freund belegt im Gesamtklassement den dritten Rang, die beiden noch vor ihm plazierten Peter Prevc (Slowenien) und Stefan Kraft (Österreich) liegen in Sichtweite. Bis zum Beginn des Jahres 2015 gab es bei den Springen stets wechselnde Sieger; seit Mitte Januar dagegen einen Protagonisten, der bei nahezu allen Auftritten das Geschehen dominierte: Freund.

          Zuletzt, vor einer Woche, gewann er auch das Skifliegen in Vikersund und stellte dabei einen neuen deutschen Rekord auf. In der Disziplin wurde er 2014 Weltmeister. Während die Mehrzahl der Mitbewerber anschließend direkt nach Falun weiterreiste, wo bis zum Ende der kommenden Woche die Nordischen Ski-Weltmeisterschaften stattfinden, gönnte sich Freund eine Auszeit und kehrte noch einmal für zwei Tage zurück in die Heimat, zur Freundin nach München.

          Pause nach Skifliegen in Vikersund

          „Das Skifliegen hat extrem gezehrt, am Montag war ich ziemlich platt. Wenn du 245 Meter springst, bist du auf einem anderen Adrenalinpegel.“ Der Kurzurlaub, so die Kalkulation von Bundestrainer Werner Schuster, sollte helfen, dass sich der Terminstress nicht negativ auf die momentan herausragende Form auswirkt, und zugleich die Sinne noch einmal schärfen.

          Zum Kader des Deutschen Skiverbandes (DSV), aus dem Freund als Führungsfigur herausragt, gehören zudem Richard Freitag, Andreas Wellinger, Marinus Kraus, Markus Eisenbichler und Michael Neumayer. Seit 2008 kehrte Schuster mit seinen Leuten von jeder Großveranstaltung mit einer Medaille heim. Nun soll in Südschweden auch bei der WM das glänzendste Edelmetall herausspringen.

          Plötzlich hat es im Kopf „klick“ gemacht: Der Deutsche gilt als Favorit

          Für den Österreicher ist der Teamgeist in seiner Auswahl „einzigartig“ und eine der Grundlagen für den anhaltenden Aufwärtstrend. Bei allem Egoismus liege jedem Einzelnen das Wohl der Gruppe, die sich abends oft mit Physiotherapeuten, Pressesprechern und Servicetechnikern zum Schafkopfspielen trifft, am Herzen.

          Niemand nehme sich wichtiger als den anderen, das sei in einer Individualsportart wie Skispringen außergewöhnlich: „Und es ist nicht durch künstliche Maßnahmen entstanden“, sagte Schuster, der es als eine seiner Hauptaufgaben bezeichnet, „Rahmenbedingungen für eine positive Stimmung zu schaffen“. Neuling Eisenbichler, der im vergangenen Sommer hinzustieß, formuliert es so: „Wir pushen uns in jedem Training gegenseitig. Und es ist ein Vorteil, wenn man sich dabei mit Severin messen kann, denn er ist einer der besten Skispringer der Welt.“

          Fünfmal landete Freund auf Platz eins

          Freund gehört vor der ersten Entscheidung der Männer an diesem Samstag (16.30 Uhr) von der kleinen Schanze in Falun zum engsten Favoriten-Kreis. Als es für den DSV das letzte Mal eine WM-Goldmedaille im Einzel zu bejubeln galt - 2001 durch Martin Schmitt in Lahti -, war der heute 26 Jahre alte Freund noch ein Schuljunge, dessen Vater und Muter seine vielfältige Sportbegeisterung förderten - zu der auch die Freude am Fußball zählte - und ihm dabei die Entscheidung überließen, welchen Weg er einschlagen möchte.

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