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Vierschanzentournee : Der Rettungsplan des Severin Freund

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„Ich werde den Frust im Kraftraum abbauen“: Severin Freund. Bild: dpa

Für den Olympiasieger ist die Vierschanzentournee nach schwachen Leistungen vorzeitig beendet. Entsprechend ist die Enttäuschung bei Severin Freund. Nun steigt er gar in die zweite Liga des Skispringens ab.

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          Beschauliches Erzgebirge statt großer Tournee-Bühne: Severin Freund sucht nach dem vorzeitigen Aus beim Skisprung-Klassiker auf den vier Schanzen mit dem Rückschritt in den zweitklassigen Continental Cup den entscheidenden Fortschritt zum Traumziel WM. „Ich werde probieren, dort an den richtigen Schrauben zu drehen“, sagte der 30-Jährige, der am Wochenende im sächsischen Klingenthal startet, statt bei den abschließenden Tournee-Springen in Österreich im Rampenlicht zu fliegen.

          „Ich bin mir für nichts zu schade“, meinte Freund, nachdem er in Garmisch-Partenkirchen wie schon in Oberstdorf im ersten Durchgang ausgeschieden war. Der COC sei für „ihn nicht die schlechteste Idee“, es werde „kein Zuckerschlecken“, aber „die bessere Variante, damit ich in Form komme“. Der „Zwangsabstieg“ in den Continental Cup, so etwas wie die Liga der Begabten, Suchenden und Scheiternden, soll ihm zum Durchbruch beim Comeback-Versuch nach langer Verletzungspause verhelfen. Dieser war nach ordentlichem Wiedereinstieg zuletzt zur frustrierenden Hechelei im Hamsterrad geworden.

          Wie bei Freunds zuvor letzter Tournee 2016/17 kam das Aus vor Innsbruck. Damals zog er erkrankt zurück und erlitt weniger später seinen ersten Kreuzbandriss. Jetzt fehlt er in Innsbruck, um in Innsbruck dabei zu sein - denn dort finden bei der WM (19. Februar bis 3. März) die Wettbewerbe von der Großschanze statt. Der WM-Start war Freunds großes Ziel, noch ist dieses weit entfernt: Zweimal Platz sechs im Weltcup ist die Normvorgabe für das Ticket, Freund hat einmal Platz 22 vorzuweisen.

          Dass Freund derzeit auf höchster Ebene gegen Windmühlen kämpft, erkannte auch Bundestrainer Werner Schuster, der seinen „Kapitän“ deshalb am Neujahrsabend aus dem siebenköpfigen Aufgebot für die Tournee-Fortsetzung strich. Im Gegensatz übrigens zum ebenfalls zweimal ausgeschiedenen Olympiasieger Andreas Wellinger, dem Schuster ein „fürchterliches Ergebnis“ in die Kladde schrieb. „Für Severin tut es mir leid. Aber ich denke, es ist eine Befreiung für ihn“, sagte der Österreicher.

          Freund hatte dafür volles Verständnis. „Es war einfach eine schlechte Leistung von mir. Die Entscheidung ist mehr als fair“, sagte er. Aus der leicht desperaten Unschlüssigkeit über seinen weiteren Weg (“Ich weiß selbst nicht, wie es jetzt weitergeht“) reifte über Nacht der Entschluss zum Neustart im Continental Cup.

          Wie lange Freund dort, wo er in Andreas Wank einen noch viel stärker taumelnden Mitstreiter vom Team-Olympiasieg 2014 trifft, springen wird, ist offen. Nach Klingenthal gastiert der COC im japanischen Sapporo, dorthin wird Freund vermutlich nicht reisen. Erst danach bietet sich in Planica (26./27. Januar) eine weitere seriöse Test-Möglichkeit.

          Das wahrscheinlichste Szenario: Freund steigt zum Skifliegen in Oberstdorf (1. bis 3. Februar) wieder in den Weltcup ein, kämpft dort sowie in Lahti (9./10. Februar) und in Willingen (15. bis 17. Februar), also auf Schanzen nach seinem Gusto, final um das WM-Ticket. Und wenn es damit nicht klappen sollte? „Davon“, sagte Freund in Garmisch, „würde die Welt nicht untergehen.“

          Vierschanzentournee

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