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Nordische Ski-WM : Freund springt knapp an Gold vorbei

Mit Sprüngen über 95,5 und 96,0 Meter holt Severin Freund Silber Bild: AP

20 Zentimeter fehlen Severin Freund zur Gold-Medaille bei der Nordischen Ski-WM. Weltmeister wird ein Norweger. Insgesamt schneiden die Deutschen durchaus gut ab.

          2 Min.

          Das Beten kurz vor dem Ende hat ihm nicht geholfen. Severin Freund stand mit verschränkten Händen im Zielbereich und richtete seinen bangen Blick nach oben auf den einzig verbliebenen Konkurrenten, der ihm noch gefährlich werden konnte: Rune Velta. Der 25 Jahre alte Norweger, der bis Samstag noch nicht zu den Stars der Skisprung-Szene gehörte, entpuppte sich dann tatsächlich als großer Favoritenschreck.

          Marc Heinrich
          Sportredakteur.

          Mit zwei Sprüngen auf 95,5 Meter, denen er jeweils nahezu vollkommene Telemark-Landungen anfügte, die ihm die ausschlaggebenden Wertungspunkte sicherten, verdrängte er Freund (95,5 und 96 Meter) auf den zweiten Platz und schnappte ihm so den erhofften WM-Titel von der kleinen Schanze in Falun weg.

          Sonnenschein und wenig Wind

          Den dritten Platz sicherte sich der österreichische Vierschanzentournee-Sieger Stefan Kraft. Die übrigen Teilnehmer aus dem Kader des Deutschen Skiverbandes (DSV) landeten im vorderen Drittel des Starterfelds: Richard Freitag (Aue) wurde Siebter, Marinus Kraus (Oberaudorf) kam auf Rang zehn direkt vor Andreas Wellinger (Berchtesgaden). Freund, der in der Endabrechnung wegen des minimalen Rückstands von 0,4 Zählern den Kürzeren zog, kommentierte die Entscheidung zu seinen Ungunsten fair. Der Sieger sei „bei beiden Sprüngen extrem sauber gelandet, ich leider nur einmal“, lautete die Gratulation des Wahl-Münchners in Richtung seines Bezwingers.

          So sieht ein Sieger aus: Rune Velta, der Favoritenschreck
          So sieht ein Sieger aus: Rune Velta, der Favoritenschreck : Bild: dpa

          Es war ein Tag, der vielversprechend begonnen hatte. Kurz nach dem Aufstehen führte einer der ersten Wege von Freund zu den Serviceleuten des Teams, von denen er wissen wollte, wie denn die Wettervorhersage lautet. Was er hörte, gefiel dem 26-Jährigen. Sonnenschein, Temperaturen knapp oberhalb der Frostgrenze und am Wichtigsten: Die Meteorologen, die alle Mannschaften gleichermaßen mit Informationen versorgt hatten, prophezeiten auch den Leuten des DSV ein Springen nahezu ohne störenden Einfluss des Windes, der bloß mit zehn Kilometern in der Stunde über das südschwedische Flachland wehen würde. Wie bei so vielen Anlagen in Skandinavien gibt es auch rund um die Lugnet-Schanze am Rande der Kleinstadt Falun nur wenige natürliche Hindernisse, die etwaigen Böen Einhalt gebieten können.

          Die konstant verlässlichen Witterungsbedingungen führten in den Nachmittagstunden zu hochklassigen Duellen der Skisprung-Elite, bei denen das Glück keine Rolle spielte und es auf das individuelle Können ankam. Favoriten wie der Schweizer Simon Ammann, Gregor Schlierenzauer (Österreich) oder der Japaner Noriaki Kasai erreichten dabei im ersten Durchgang wegen technischer Ungenauigkeiten beim Absprung nicht die nötige Höhe und verloren so im Gesamtklassement schon vor dem Finale entscheidend an Boden.

          „Es war ein grandioser Wettkampf“, lautete Freunds Fazit, „und Rune Velta hat es verdammt souverän gemacht.“ Gelegenheiten, sich sein Ziel von Gold bei einer WM zu verwirklichen, bieten sich Freund noch an diesem Sonntag im Mixed, am Donnerstag von der Großschanze und zum Abschluss am Samstag mit dem Team.

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