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Abfahrt in Beaver Creek : Schwere Verletzung bei Kitzbühel-Sieger Dreßen

  • Aktualisiert am

Thomas Dreßen wurde erst ins Tal und dann ins Krankenhaus gebracht. Bild: USA TODAY Sports

Deutschlands bester Abfahrer liegt in Beaver Creek auf Bestzeit-Kurs. Dann rutscht Thomas Dreßen mit enormem Tempo in die Fangnetze. Die Folgen für den Ski-Star sind gravierend.

          Der deutsche Skirennfahrer Thomas Dreßen ist bei der Weltcup-Abfahrt von Beaver Creek gestürzt und hat sich schwer verletzt. Der Kitzbühel-Sieger kam am Freitagabend in der Vereinigten Staaten bei mehr als 100 Stundenkilometern wegen eines Fahrfehlers zu Fall, rutschte in ein Fangnetz und wurde mit dem Rettungsschlitten ins Tal gebracht. Danach wurde der 25-Jährige zur Untersuchung in ein Krankenhaus gebracht. Dort folgte am Freitagabend die niederschmetternde Diagnose: Dreßen hat sich das vordere und hintere Kreuzband im rechten Knie gerissen und wird den Rest der Saison ausfallen. Das gab der Deutsche Skiverband (DSV) bekannt. Neben der schweren Blessur im Knie erlitt er eine Subluxation der linken Schulter. Nach einer Rückkehr nach Deutschland werde sich der Mittenwalder weiteren Untersuchungen unterziehen. Ein Comeback in der laufenden WM-Saison ist aber ausgeschlossen.

          Dreßen war mit Startnummer neun in das wegen schwieriger Bedingungen verkürzte Rennen gegangen und auf Podiumskurs. Bei schlechter Sicht und unebenem Untergrund verkanteten dann seine Ski, die Beine wurde auseinandergerissen und der Vorjahres-Dritte konnte den Sturz nicht verhindern. Dreßen schlug heftig im Fangnetz auf. Bei der Übertragung im Fernsehen war zu hören, wie der Sportler vor Schmerzen schrie. Nach minutenlanger Behandlung konnte Dreßen zwar gestützt von Betreuern aufstehen, dann aber brachten ihn Sanitäter mit dem Rettungsschlitten ins Tal. Von dort ging es weiter in eine Klinik.

          Dreßen war als zweimaliger Weltcup-Sieger des vorigen Winters und Dritter der Abfahrts-Gesamtwertung einer der Speed-Favoriten für diese WM-Saison. Am vergangenen Wochenende war ihm in Lake Louise mit einem siebten und neunten Rang in Abfahrt und Super-G ein beachtlicher Saisonstart geglückt. In seiner Karriere war der Oberbayer von schweren Verletzungen bislang verschont geblieben. Den Sieg auf der Strecke „Birds of Prey“ holte sich der Schweizer Beat Feuz, der damit seinen insgesamt achten Triumph in einer Weltcup-Abfahrt feierte. Mit der Zeit von 1:13,59 Minuten lag Feuz sieben Hundertstelsekunden vor Mauro Caviezel (1:13,66), der damit den Doppelsieg der Eidgenossen perfekt machte. Dritter wurde Olympiasieger Aksel Lund Svindal aus Norwegen (1:13,67). Ordentlich schlug sich Josef Ferstl, der mit 1:14,49 Minuten in den Top 15 landete. Dominik Schwaiger (1:14,96), Andreas Sander (1:15,10) und Klaus Brandner (1:16,19) verfehlten dagegen die Punkteränge.

          Lindsey Vonn will ihre alpine Ski-Karriere derweil doch nicht am Saisonende abschließen, sondern plant eine Verlängerung um ein Wochenende im nächsten Winter. Die Amerikanerin verkündete nun, dass sie die drei Speedrennen Anfang Dezember 2019 in Lake Louise als Abschluss ihrer aktiven Laufbahn noch bestreiten will. In dem kanadischen Wintersportort hatte Vonn 18 ihrer bislang 82 Weltcup-Siege gefeiert. An diesem Wochenende verpasst sie die Rennen wegen einer jüngst im Training erlittenen Knieverletzung. „Ich werde noch einmal nach Lake Louise zurückkommen, das ist wichtig für mich“, sagte die 34-Jährige an Freitag in einer Videobotschaft bei Youtube. In ihrem letzten Weltcup-Winter will Vonn die Bestmarke des Schweden Ingemar Stenmark brechen, der 86 Siege einfuhr. Durch den Verzicht auf die zwei Abfahrten und einen Super-G in Lake Louise verpasst die Amerikanerin drei ihrer größten Chancen, sich dem Rekord zu nähern.

          „Ob ich den Rekord breche oder nicht, hat nichts damit zu tun, dass ich nächste Jahr wiederkomme“, sagte Vonn. „Lake Louise war immer mein Rennen, sogar manche Einheimische nennen es Lake Lindsey. Ich würde es mein Leben lang bereuen, wenn ich diese letzte Möglichkeit verpasse, aus dem Starthaus von Lake Louise zu fahren. Hoffentlich breche in den Rekord in diesem Jahr und muss mir darüber dann im nächsten Jahr keine Gedanken machen und kann nur Spaß haben.“ Ein Datum für ihr Comeback nannte Vonn nicht. „Vermutlich in ein paar Wochen“ werde sie wieder Rennen fahren können, sagte der amerikanische Star.

          Kira Weidle ist unterdessen bei der Abfahrt von Lake Louise Dritte geworden und hat den ersten Podiumsplatz ihrer Weltcup-Karriere bejubelt. Die 22 Jahre alte Starnbergerin wurde am Freitag nur von Nicole Schmidhofer aus Österreich und der Schweizerin Michelle Gisin geschlagen. Weidle war bislang erst zweimal in die Top 10 gefahren und hatte einen achten Platz vor einem Jahr am selben Hang in Kanada als größten Erfolg vorzuweisen. Als Schnellste des Trainings am Mittwoch hatte sie ihre starke Form schon angedeutet. Viktoria Rebensburg wurde nur 16., Michaela Wenig (32.), Meike Pfister (43.) und Patrizia Dorsch (47.) verpassten die Punkteränge.

          Skispringen: Erster Weltcup-Sieg für Seyfarth

          Juliane Seyfarth hat den deutschen Skispringerinnen im ersten Weltcup-Springen der Saison einen Auftakt nach Maß beschert und ihren ersten Karrieresieg geholt. Die 28-Jährige gewann in Lillehammer in Norwegen nach Sprüngen auf 98,5 und 97 Meter mit 258,8 Punkten vor Olympiasiegerin Maren Lundby (Norwegen/246,2). Auf dem dritten Platz landete die Japanerin Sara Takanashi (240,2). Das hervorragende deutsche Mannschaftsergebnis machten die Olympiazweite Katharina Althaus als Vierte, Sotschi-Olympiasiegerin Carina Vogt als Fünfte und Ramona Straub auf Rang sechs perfekt. Alle vier Frauen erfüllten damit die halbe WM-Norm, die bei zwei achten Plätzen liegt. Anna Rupprecht (24.) und Pauline Hessler (25.) schafften ebenfalls den Einzug in den Finaldurchgang. (sid)

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