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Skisprung-Trainer Schuster : „Ich habe mehr erreicht als gedacht“

  • -Aktualisiert am

Werner Schuster verlässt die deutschen Skispringer nach elf Jahren. Bild: AFP

Werner Schuster hört als Skisprung-Bundestrainer nach elf Jahren auf. Er könnte dem DSV aber trotzdem erhalten bleiben. Zudem locken eine Rückkehr nach Österreich – und noch eine ganz andere Option.

          3 Min.

          Manche Dinge brauchen einfach Zeit, um zu reifen. So war dies auch bei Werner Schuster. Vor etwa einem Jahr, nach dem Goldsprung von Andreas Wellinger bei den Olympischen Spielen in Pyeongchang, dachte Skisprung-Bundestrainer Werner Schuster zum ersten Mal über seine Zukunft nach. „Als ich die Treppe neben der Schanze runtergelaufen bin, habe ich mir die Frage gestellt: Schaffst Du noch einmal vier Jahre?“, sagte er am Donnerstag. Die Antwort darauf fand er erst vor wenigen Wochen. „Ich werde meinen Vertrag, der am 30. April endet, nicht verlängern“, sagte der 49-Jährige in Oberstdorf. Seine Stimme wirkte dabei klar und deutlich, doch in seinen Augen waren Emotionen zu sehen. „Noch vor ein paar Wochen konnte ich es nicht formulieren“, berichtete der Österreicher.

          Nicht nur für Übungsleiter Schuster enden damit elf intensive und erfolgreiche Jahre. Auch für den Deutschen Ski-Verband (DSV) endet eine erfolgreiche Zusammenarbeit. Denn als Schuster im Frühjahr 2008 seinen neuen Job angetreten hatte, besaßen die deutschen Skispringer mehr Vergangenheit als Zukunft. In der erfolgreichen Ära von Vierfach-Weltmeister Martin Schmitt und Vierschanzentournee-Triumphator Sven Hannawald hatte es der Verband versäumt, sich um den Nachwuchs zu kümmern.

          Darum kümmerte sich der Neue als Erstes. Er brachte zunächst einmal alle Stützpunkte zusammen, damit diese wieder miteinander kommunizierten. Dann führte er ein gemeinsames Leitbild ein. Nach und nach entwickelten sich junge Talente. Severin Freund gehört dazu, später auch Markus Eisenbichler, Karl Geiger, Stefan Leyhe und Andreas Wellinger. Trotzdem durfte er das Weltcup-Team nicht vernachlässigen. Ausgerechnet Schmitt sorgte mit Silber bei der Weltmeisterschaft 2009 noch einmal für Glanz. „Ich weiß nicht, ob ich ohne Martins Medaille weiter Bundestrainer geblieben wäre“, hat Schuster später einmal gesagt.

          Zum Glück ist er geblieben. 2010 holte sein Team Silber bei Olympia in Vancouver. „Wir waren alle Rookies“, ordnet Schuster sein damaliges Quartett mit Michael Neumeyer, Martin Schmitt, Michael Uhrmann und Andreas Wank ein. Vier Jahre später wurden Freund, Marinus Kraus, Wellinger und Wank Olympiasieger. Und vor einem Jahr wurde Wellinger Olympiasieger von der Normalschanze. „Wir waren phantastisch vorbereitet und haben nach 24 Jahren wieder Einzel-Gold geholt“, sagt er. Dazu kamen noch Weltmeistertitel und ein Gesamt-Weltcupsieg durch Severin Freund. Was fehlt, ist lediglich ein Triumph bei der Vierschanzentournee. „Damit werde ich leben müssen“, sagte Schuster am Donnerstag. „Ich habe keinen Karriereplan gehabt, ich habe mehr erreicht als gedacht“, zog er als Fazit seiner elf Jahre.

          Was macht Werner Schuster künftig? Für die Pension, sagte der 49-Jährige mit einem Lachen, sei er noch zu jung. Drei Optionen skizzierte er. Zum einen könne er beim DSV bleiben und im strukturellen und strategischen Bereich arbeiten. „Da ist noch Luft nach oben“, sagte Horst Hüttel, der Sportliche Leiter Skispringen. Beim DSV gibt es Überlegungen, eine Akademie zu gründen. „Einen Mann mit dieser Erfahrung wollen wir ungern ziehen lassen.“ Variante zwei wäre eine Rückkehr nach Österreich ans Skigymnasium in Stams. Dort hatte vor 21 Jahren Schusters Laufbahn begonnen.

          „Ich kann nur danke sagen“

          Der Coach könnte sich aber auch ein Sabbatical vorstellen. Zum einen, um die Batterien aufzuladen, aber nach der ganzen Zeit könnte er sich auch einmal intensiver um seine Familie kümmern. Vor allem bei seiner Frau Annika bedankte er sich. „Die Zeit war so intensiv, dass das ohne eine intakte Familie und eine starke Frau nicht möglich gewesen wäre“, hob er hervor. Wobei er dann auch von den Reaktionen seiner beiden Söhne Jonas und Jannik berichtete. „Die waren gar nicht so begeistert und haben gefragt: Wieso?“, erzählte er.

          „Es ist nachvollziehbar, dass es für Werner eine lange Zeit war, die viele Opfer gefordert hat“, zeigte Andreas Wellinger Verständnis. Auch Stefan Leyhe kann den Ausstieg nachvollziehen. „Ich war die halbe Zeit mit ihm zusammen, bin durch ihn gewachsen“, sagte der Willinger, „ich kann nur danke sagen“. Für Sportchef Hüttel beginnt nun die Suche nach einem Nachfolger. Stefan Horngacher wäre ein Kandidat. Der Vertrag des Österreichers, der vor seinem Engagement in Polen Schusters Assistent war, läuft ebenfalls nach dieser Saison aus. Ein Kandidat wäre auch Andreas Mitter, der drei Jahre lang Cheftrainer bei den Finnen war.

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