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Schneemangel : Abschied von der Abfahrt

  • Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

In Deutschland und Österreich wird es in Zukunft weniger schneesichere Skigebiete geben. „Die Tourismusindustrie muß umdenken“, sagt Klimafachmann Agrawala. Selbst Kunstschnee sei keine Antwort mehr.

          Wegen des Klimawandels wird die Zahl der schneesicheren Gebiete in Deutschland in den nächsten 20 Jahren voraussichtlich um etwa 60 Prozent abnehmen. Zu diesem Ergebnis kommt die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) in einer Studie. Besonders betroffen ist Oberbayern, wo die schneesicheren Gebiete sogar bis zu 90 Prozent abnehmen sollen. In Schwaben/Allgäu sind es bis zu 47 Prozent. In Österreich werden die Regionen mit genügend Schnee um 20 Prozent abnehmen. Vor allem niedrig gelegene Skiorte wie Schladming (745 Meter über dem Meeresspiegel) und Kitzbühel (800 Meter) müßten sich auf wesentlich weniger Schnee einstellen.

          Die Schweiz hat wegen ihrer hochgelegenen Skigebiete nur einen Rückgang von etwa zehn Prozent zu erwarten. Als am sichersten gelten das Wallis und Graubünden. Mittel- bis langfristig dürften dagegen die Regionen Berner Oberland, Zentralschweiz, Waadtland und Freiburg unter Schneemangel leiden. Frankreich steht mit seinen vielen künstlichen Skiorten oberhalb der Baumgrenze vergleichsweise günstig da.

          Skisaison hat schleppend begonnen

          „Die Anbieter der Tourismusindustrie müssen umdenken“, sagte OECD-Klimafachmann Shardul Agrawala am Mittwoch. Kunstschnee sei keine Antwort mehr, denn die Schneekanonen bräuchten ebenfalls niedrige Temperaturen, viel Energie und Wasser, das der Vegetation entzogen werde. Die bedrohten Gebiete sollten vielmehr auf Wandern, Schwimmen in Erlebnisbädern oder Kultur- und Konferenztourismus ausweichen. „In den Alpen macht sich der Klimawandel besonders bemerkbar. Der durchschnittliche Temperaturanstieg war in den vergangenen zweieinhalb Jahrzehnten dreimal größer als im globalen Durchschnitt“, sagte Agrawala.

          Ein trauriges Bild für Skifans

          1994, 2000, 2002 und 2003 seien die wärmsten der vergangenen 500 Jahre gewesen. Zur Zeit gelten noch 90 Prozent (609 von 666) der mittelgroßen und großen Skigebiete in den Alpen als schneesicher - sie haben an mindestens 100 Tagen im Jahr eine Schneedecke von 30 Zentimetern in ihren mittleren Lagen.

          Wenn die durchschnittliche regionale Jahrestemperatur bis ungefähr 2020 um ein Grad Celsius stiege (womit viele Klimaforscher rechnen), dann fiele die Zahl der schneesicheren Skigebiete in den Alpen um 16,5 Prozent auf 500. Bei einem Temperaturanstieg um zwei Grad Celsius (etwa bis 2050) ginge ihre Zahl auf 400 zurück, bei vier Grad Celsius (erwartet zwischen 2090 und 2100) auf nur noch 200. Die wirtschaftlichen Folgen wären gravierend. In Österreich entfällt rund die Hälfte des Tourismusgeschäftes auf den Wintersport. Bei einem Temperaturanstieg um ein Grad wären 35 der 190 schneesicheren österreichischen Regionen betroffen. Schon die diesjährige Skisaison hat schleppend begonnen. Vielerorts sind Schneekanonen im Dauereinsatz, und viele Pisten sind noch nicht befahrbar.

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