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Savchenko und Szolkowy : Per Königssprung zur Krönung

  • -Aktualisiert am

Gelingt der große Wurf? Aljona Savchenko und Robin Szolkowy geben sich furchtlos Bild: dpa

Der dreifache Wurfaxel soll dem Eislaufpaar Savchenko/Szolkowy 2014 zum Olympiasieg verhelfen. Am Mittwoch riskieren die beiden die kühne Übung in Nizza. Aber auch die Herausforderer haben sich etwas ausgedacht.

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          Das ist der Gipfel: Sotschi 2014. Das ist die Höhe, denkt Ingo Steuer beim Blick auf die Kritiker seiner vorolympischen Bergtour, die der Sachse mit seinem Paar Savchenko/Szolkowy auf sich nimmt. Mit Unverständnis begegnet er jenen, die der Meinung sind, dass der Weg der dreimaligen Paarlaufweltmeister zu steil und die Absturzgefahr zu hoch seien, um bei den Winterspielen an der Schwarzmeerküste endlich ans höchste Karriereziel zu kommen.

          „Wir haben uns entschlossen“, sagt der Paarlaufweltmeister von 1997, „weiter zu gehen als andere, weil wir in Sotschi Gold gewinnen wollen.“ Es wäre der traumhafte Abschluss einer goldverzierten Laufbahn, der die olympische Krönung noch fehlt.

          Um endlich ganz oben zu sein, nehmen die Chemnitzer Titelverteidiger bei der Weltmeisterschaft in Nizza vorsätzlich das Höchstrisiko auf sich. Sie wollen beim Kurzprogramm an diesem Mittwochnachmittag als zweites Paar überhaupt nach den Amerikanern Inoue/Baldwin bei den Olympischen Winterspielen 2006 (die in Turin dennoch nur Siebte wurden) den Dreifachwurfaxel zeigen.

          So etwas wie den Königssprung, glaubt Steuer, der in Sotschi den Unterschied zur russischen und chinesischen Konkurrenz ausmachen soll. Indes hat der Moskauer Europameister Maxim Trankow Steuers Kurs beim Blick auf seine Eisgefährtin Tatjana Wolososchar während der EM in Sheffield entschieden in Frage gestellt. „Ich will doch nicht meine Partnerin töten“, widersprach der russische Modellathlet dem deutschen Modellversuch, „ich bin mitverantwortlich für ihre Gesundheit.“

          Kein Millimeter von der Gratwanderung abgewichen

          Kein Wunder also, dass es mitten im sonnenüberfluteten mediterranen Frühling frostig wird, wenn Ingo Steuer dieser Tage über das neueste Kunststück seines Paares sprechen soll. Das Reizklima, das der Chemnitzer verbreitet, hat mit Äußerungen wie denen von Trankow zu tun, gelten doch die Europameister dieses Jahres als die mutmaßlich härtesten Widersacher von Savchenko/Szolkowy, wenn es in Nizza um die Medaillen und in Sotschi um den Hauptgewinn geht.

          Steuer aber und sein Paar weichen keinen Millimeter von ihrer Gratwanderung ab. In Sheffield mussten die viermaligen Europameister schon vor Wettkampfbeginn aufgeben, weil Aljona Savchenko im Training beim Versuch, einen geworfenen Dreifachaxel (mit dreieinhalbfacher Drehung) sicher zu überstehen, gestürzt war und sich dabei einen Muskelfaserriss im Oberschenkel zugezogen hatte.

          Der Dritte im Bunde: Trainer Ingo Steuer will mit dem Chemnitzer Paar Olympia-Gold gewinnen

          In Nizza ist die gebürtige Ukrainerin mit all ihrer Energie, all ihrem Durchhaltevermögen und all ihrer Leidenschaft für die gefährlichste aller Kunstlauf-Disziplinen wieder auf der Höhe. Ihr Trainer Steuer sagt vor dem wichtigsten Wettkampf dieser Saison: „Wir sind so weit, nicht mehr zu überlegen, ob wir den Dreifachwurfaxel noch mal rausnehmen. Er ist fest drin im Programm, jetzt müssen wir sehen, ob das Paar ihn steht, denn 2014 kann ja nicht alles vom Himmel fallen.“

          Dass es „ein langer Weg“ bis Sotschi ist, den Savchenko, 28 Jahre alt, und ihr vier Jahre älterer Partner, ältester Teilnehmer der WM von Nizza, auf sich nehmen, ist auch dem verbissen an der Vervollkommnung der Paarlaufkunst arbeitenden Steuer sonnenklar. In Südfrankreich wirkte das Paar an den Trainingstagen so stabil, dass der Sprung in eine andere Dimension fast schon serienreif anmutete.

          „Sehr riskant, sehr schwer, technisch sehr hochwertig“

          Robin Szolkowy redet voller Respekt über das Wagnis, sich mit einem Satz, den die Konkurrenz noch nicht beherrscht, über die Rivalen hinwegsetzen zu können. „Sehr riskant, sehr schwer, technisch sehr hochwertig“ sei dieser Dreifachaxel, bei dem er seine rotierende Partnerin auf ihre Umlaufbahn schickt.

          Seit einem Jahr tüftelt das Chemnitzer Kombinat an diesem Sprung und wird dabei begleitet von den Röntgenblicken der Forscher des Leipziger Instituts für Angewandte Trainingswissenschaft. „Mein Fuß und meine Knie würden das ein-, zweimal mitmachen, dann wäre Schluss“, bezeugt Szolkowy seiner artistischen, zierlichen, nur 1,53 Meter großen und 46 Kilogramm schweren Partnerin höchste Achtung. „Die Mädels“, hebt Szolkowy salopp hervor, „sind das Aufkommen aus der Höhe schon gewöhnt.“

          Mutige und junge Herausforderer: die Chinesen Wenjing Sui (rechts) and Cong Han

          Der Ruhepol in der dynamischen Chemnitzer Dreiergemeinschaft ist sich darüber im Klaren, „dass wir uns in einem Grenzbereich bewegen, wo die Dinge nicht mehr so leicht funktionieren. Man sollte sich nicht hinstellen und sagen, es reicht jetzt, man sollte alles mal probieren.“ Aber nur, wenn es gesundheitlich zu verantworten sei und behutsam ins Werk gesetzt werde. Dass die ganz jungen Herausforderer wie die Chinesen Sui/Han in Nizza mit dem vierfachen Wurflutz und dem vierfachen Wurfsalchow punkten und Aufsehen erregen wollen, betrachtet Szolkowy, der die Juniorenweltmeister beim Training gelegentlich hart stürzen sah, mit Unbehagen.

          „Das hat Vatergefühle in mir geweckt“, kommentierte der kinderlose Paarläufer das von Sui/Han auf die Spitze getriebene Risiko. „In China wird auch anders trainiert“, bewertete Steuer die Sprünge der „unwahrscheinlich schnell drehenden“ Wenjing Sui vielsagend. Dagegen werde „im Alter der Respekt vor den Elementen immer größer“. Nicht aber so groß, dass Savchenko/Szolkowy darauf verzichten wollten, auf ihrer Reise nach Sotschi noch ein letztes großes sportliches Abenteuer einzugehen.

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