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Rodel-Saisonauftakt : Den „alten Felix“ gefunden

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Wieder da: Felix Loch freut sich über den Sieg in Innsbruck. Bild: dpa

Erfolgreiches Comeback für Felix Loch: Der Rennrodler schafft in Innsbruck wieder einen Sieg bei einem Weltcup-Rennen. Doch der mehrfache Olympiasieger hat schwere Monate hinter sich.

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          Da stand er, Felix Loch, und musste seine beiden Fahrten durch den Olympia-Eiskanal in Innsbruck-Igls erklären. Trotz eines heftigen Fahrfehlers im ersten Lauf war der dreimalige Olympiasieger im Rennrodeln zum Auftakt des Weltcups zweimal Bestzeit gefahren, hatte nach beinahe 22 Monaten ohne Sieg in diesem Wettbewerb endlich seinen 40. Triumph erzielt. 0,126 Sekunden vor Johannes Ludwig. Den Sprint-Lauf gewann er auch und mit dem Team den Mannschafts-Wettbewerb.

          „Ob der alte Felix wieder zurück ist?“, fragte Felix Loch rhetorisch. Die Antwort gab er quasi selbst, mit seinen Augen, die so heftig strahlten. Seine Mimik unter der Maske ließ sich nur erahnen, aber Ansätze eines breiten Lächelns waren durch den Stoff hindurch zu erkennen. Mit seiner Aussage, „das ist eine gute Frage“, blieb der 31 Jahre alte Loch die verbale Antwort schuldig. Er weiß es noch nicht: „Es wäre schön, wenn es wieder so wäre.“ Loch als das Maß der Dinge.

          „Man kommt schon ins Grübeln“

          Es gab eine Phase im Rodeln der Männer, da führte an Felix Loch kein Weg vorbei. Von 2012 bis 2018 hat er sechsmal in Serie den Gesamt-Weltcup gewonnen. Zwölf WM-Titel im Einzel, Sprint und mit dem Team gelangen ihm. Vor den Olympischen Spielen 2018 in Pyeongchang galt er quasi als „Bank“ auf das dritte Gold im Einzelwettbewerb. Doch dann war dem Führenden nach drei Durchgängen im vierten Lauf vor Kurve neun ein Fahrfehler unterlaufen. Der Kurve, von der er seit Saisonbeginn als der Schlüsselstelle gesprochen hatte. Das Gold glitt ihm durch die Finger: Rang fünf zwang ihn, den Siegertypen, in die Knie.

          „Ich würde nicht sagen, dass mir Olympia noch nachhängt“, sagte er später. Doch im Hinterkopf hing dieser Fauxpas lange fest. „Man kommt schon ins Grübeln, wenn es plötzlich nicht mehr so läuft“, verriet Loch. Die Silbermedaille im Sprint bei der WM 2019 bezeichnete der Hochdekorierte als ganz besonders. Doch auch sein 13. WM-Titel zwei Tage später konnte den Knoten nicht lösen.

          Statt zu kapitulieren, kämpfte Felix Loch. Und fand in diesem Sommer zu alter Stärke zurück. Deshalb strotzten Begleiter schon im Vorfeld vor Optimismus. „Ich möchte mich nicht zu weit aus dem Fenster lehnen“, hatte der frühere Rennrodler Georg Hackl verkündet, „ich sehe den Felix jeden Tag an seinem Material arbeiten. Ich sehe ihn jeden Tag rodeln und trainieren – und so gut, wie er im Moment ist, habe ich ihn schon lange nicht mehr gesehen.“ Der dreimalige Olympiasieger betreut Loch als Trainer. Athletikcoach Patrick Leitner, Olympiasieger im Doppel, lässt einen Blick in seine Buchführung zu: „Weil Felix weniger Termine hatte, konnte er im Sommer 20 Tage mehr trainieren – das sind vier Wochen.“

          Zusätzliches Training zahlt sich aus

          Diese zusätzlichen Trainingseinheiten zeigten Wirkung. In erster Linie beim Start. „Es funktioniert sehr gut, mit zweimal 5,37 (Sekunden) bin ich sehr zufrieden“, sagte der 1,91 Meter große Pilot. Damit kam er Teamkollege Johannes Ludwig, dem aktuell besten Starter im Feld, bis auf drei Hundertstelsekunden so nahe wie schon lange nicht mehr.

          Aber auch die Extraschichten in der Werkstatt lohnten sich. Loch gehörte mit seinem Schlitten nicht nur zu den Schnellsten auf der Geraden, der Pilot ist auch mit dem Ansprechverhalten zufrieden: „Ich fühle mich auf dem Schlitten sehr wohl, ich weiß, dass er genau das macht, was ich will. Deshalb muss ich nicht zu extrem ans Limit gehen.“ Und falls ihm dann doch ein Fahrfehler unterläuft, dann hat er die Sicherheit, ihn mit dem schnellen Schlitten ausgleichen zu können. So wie nach seinem Missgeschick im ersten Lauf.

          Wieder zurück ist auch Lochs langjährige Trainingskollegin Natalie Geisenberger. Die vergangene Saison verpasste die viermalige Olympiasiegerin wegen ihrer Schwangerschaft. Am Sonntag wurde sie Zweite hinter ihrer Landsfrau Julia Taubitz. Dajana Eitberger, die wie Geisenberger im Frühjahr Mutter geworden war, belegte Rang drei: „Mit Dajana nach der Geschichte auf dem Podest zu stehen ist doppelt schön“, sagte die 32-jährige Miesbacherin. Die Nachwuchsarbeit der Deutschen mag eher langfristig angelegt sein, kurzfristig sind die alten Kräfte stark genug, wieder vorneweg zu fahren.

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