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Rodeln : Lange Nacht fürs "tolle Gefühl"

Georg Hackl Bild:

Erst ballte er die Faust, dann löste sich die Anspannung im Gesicht in ein breites Lächeln auf: Rang eins, Weltcup-Sieg für Georg Hackl. Eigentlich nur einer von 32, allein der neunte schon in Winterberg. Aber der erste Erfolg dieser Saison.

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          Erst ballte er die Faust, dann löste sich die Anspannung im Gesicht in ein breites Lächeln auf: Rang eins, Weltcup-Sieg für Georg Hackl. Eigentlich nur einer von 32, allein der neunte schon in Winterberg. Und doch ein ganz besonderer. "Es ist ein tolles Gefühl, wieder ganz vorne zu sein", sagte der dreimalige Rodel-Olympiasieger. Das klang durchaus erleichtert - nach einem mäßigen neunten Platz bei der Europameisterschaft in Oberhof und nach einer bestenfalls mittelmäßig verlaufenen Weltcup-Saison. Im sechsten Rennen feierte er endlich den ersten Sieg.
          Eine Bestätigung sei es, behauptet er, weniger eine Genugtuung. Einen Seitenhieb auf all jene, die ihm als "leicht überaltertem Athleten" nahegelegt hätten, er "solle es jetzt mal bleiben lassen", kann er sich trotzdem nicht verkneifen. "Ich fühle mich einfach wohl hier in Winterberg", sagte Hackl, "hier hab' ich schon als Junger meine erste deutsche Meisterschaft gewonnen." Die Gleiterbahn kommt dem erfahrenen Kufentüftler entgegen. So fuhr der 37 Jahre alte Hackl in beiden Läufen Bestzeit, obwohl er am Start jeweils eine Zehntelsekunde hinter seinem schärfsten Konkurrenten, dem Oberhofer David Möller, zurücklag. Der 22 Jahre alte Möller hatte ihn tags zuvor noch im Challenge Cup auf derselben Bahn bezwungen. "Ich hatte also Handlungsbedarf", sagte Hackl trocken - und ging über Nacht noch mal in Klausur, um seinem Schlitten den letzten Schliff zu geben. Möller war trotz 23 Hundertstelsekunden Rückstand nach zwei Läufen zufrieden mit Platz zwei, zumal er damit auch in der Weltcup-Gesamtwertung seinen zweiten Rang verteidigte. Hackl rückte durch seinen Sieg auf Rang drei vor. In Führung liegt weiter der Italiener Armin Zöggeler, in Winterberg Dritter. Für Aufregung hatten vor dem Rennen Vorwürfe gegen die deutschen Rodler gesorgt, wonach sie die Kufendämpfung an ihren Schlitten regelwidrig manipuliert hätten. Diese wiesen die Kritik aber zurück. "Das hat nichts mehr mit Fair play zu tun", sagte der Europameisterschaftszweite David Möller. "Ich bin beispielsweise einfach am Start weit voraus. Ich habe keinen besonders schnellen Schlitten, schon gar keinen regelwidrigen." Olympiasiegerin Sylke Otto bezeichnete die Vorwürfe als lächerlich. "Daß wir so gut sind, liegt nicht an unserem Material, sondern unserer guten Arbeit." Und Georg Hackl sollte man mit dem Thema Regeln, Regeländerungen und Regelverstöße am besten gar nicht erst kommen. "Ich gebe den anderen Mannschaften den guten Rat, sich besser auf die eigenen Stärken zu besinnen und nicht neidisch auf die deutschen Rodler zu blicken", sagte er sichtlich verärgert. Hackl hatte für seinen Sieg daher eine ganz andere Erklärung anzubieten. "Vielleicht", sagte er, "lag es ja einfach an meinen positiven Erinnerungen an Winterberg."

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