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Comeback von Rodlerinnen : Mama ist die Schnellste

  • -Aktualisiert am

Comeback: Dajana Eitberger hat das Familienglück und den sportlichen Erfolg im Griff. Bild: Imago

Der Kraftakt als Spitzenathletin und Mutter zu bestehen, ist Natalie Geisenberger und Dajana Eitberger gelungen. Nach der Babypause melden sich die Rodlerinnen eindrucksvoll zurück.

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          Manchmal ist man in diesen Corona-Zeiten als Beobachter dankbar, wenn das Gegenüber keine Maske trägt. Noch nicht. So wie Natalie Geisenberger nach ihrer Fahrt durch den Eiskanal in Innsbruck-Igls. Unter ihrem Helm zeigte die Rodel-Olympiasiegerin ein breites Lächeln. Das erste Rennen nach ihrer Babypause ist der 32-jährigen Miesbacherin gut gelungen; 0,119 Sekunden vor Mannschaftskollegin Cheyenne Rosenthal und Dajana Eitberger. Auch die 29-Jährige aus Ilmenau war im Februar Mutter geworden.

          „Ich bin schon ein bisschen überrascht, dass es wieder so gut geht“, sagte Geisenberger. Am vergangenen Wochenende war sie deutsche Meisterin geworden, nun Erste im Nationencup. „Natürlich wird es am Sonntag im Weltcup richtig interessant, wenn auch Julia Taubitz und Tatjana Iwanowa und die Österreicherinnen mitfahren“, sagte sie: „Die erste Hürde habe ich ganz gut überstanden.“ Ähnlich fühlte sich auch Dajana Eitberger. „Ich hätte nicht damit gerechnet, dass ich so gut reinkomme“, sagte sie. Allerdings hofft sie nicht, „dass ich dieses Jahr den dritten Platz gebucht habe“. Denn auch bei den nationalen Titelkämpfen hatte sie Platz drei belegt. Hinter Geisenberger und Taubitz.

          Natalie Geisenberger hatte sich mit ihrem Mann Markus Scheer, den sie 2018 geheiratet hatte, ausführlich mit dem Thema Familienplanung beschäftigt. „Ich wollte 2019 noch die WM in Winterberg fahren.“ Im Oktober gab sie dann ihre Schwangerschaft bekannt. „Dass alles so geklappt hat, dafür sind wir wahnsinnig dankbar.“ Am 2. Mai dieses Jahres wurde sie Mutter. Ihr Sohn heißt Leo. Dajana Eitberger wollte eigentlich noch nicht Mutter werden. Mit ihrem Lebenspartner Christopher Mayer wollte sie noch die Zweisamkeit genießen, gemeinsam reisen. So wie nach dem Saisonende 2019 den Urlaub in Australien. Am 21. Februar 2020 wurde Sohn Levi geboren.

          Ein Reifeprozess

          Die beiden deutschen Rodlerinnen wurden nach ihrer Rückkehr herzlich aufgenommen, berichtet Eitberger: „Vor allem die älteren Sportlerinnen freuen sich sehr, fragen nach, ob man wieder gut ins Training gekommen ist. Vielleicht auch im Hinblick, selbst so ein Abenteuer zu wagen.“ Mit der Erfahrung eines Dreivierteljahres in der Mutterrolle sagt sie: „Ich merke, dass ich in der Rolle als Mutter ein Stück reifer bin und über ganz andere Dinge nachdenke wie die jungen Hühner.“ Wie dieses Abenteuer Mutter und Sportlerin im Alltag bewerkstelligt werden kann, füllen sie völlig unterschiedlich aus.

          Stehts ein breites Lächeln auf dem Eis: Olympiasiegerin Natalie Geisenberger meldet sich nach der Babypause zurück.
          Stehts ein breites Lächeln auf dem Eis: Olympiasiegerin Natalie Geisenberger meldet sich nach der Babypause zurück. : Bild: dpa

          Die Bayerin reist mit großer Entourage von Rennen zu Rennen. Während sie ihrem Beruf als Sportlerin nachgeht, passt ihr Mann auf den Sohn auf, wechselt auch die Windeln. Ihr Vater Helmut ist samt Hund Bounty ebenfalls immer vor Ort. „Wenn mein Mann Hotel-Homeoffice macht, passt mein Vater in der Zeit auf Leo auf“, erzählt sie und gibt zu, dass der Aufwand nicht ganz einfach zu bewerkstelligen ist. „Vom Eiskanal zum Stillen, dann wieder in die Werkstatt – da weiß ich abends, was ich gemacht habe“, gibt sie zu. Doch sie bekennt auch: „Aber ich habe es genau so, wie wir es uns gewünscht haben.“ Die Thüringerin Eitberger reist allein zu den Lehrgängen und den Rennen. Sie lässt ihren Filius in München bei ihrem Lebenspartner. „Auch wenn Levi ein sehr entspanntes Kind ist, braucht er sein gewohntes Umfeld“, sagt sie zur Begründung.

          „Athletik und ein guter Schlitten“

          Bundestrainer Norbert Loch ist wenig überrascht über die Leistungen seiner beiden Rodel-Mütter beim Comeback. „Zum Rodeln gehört eine gewisse Athletik und ein guter Schlitten“, sagt der Coach, „aber es gehört auch ein Feeling dazu. Und das haben beide in diesem einen Jahr nicht verloren.“ Privilegien räumt er seinen beiden Athletinnen keine ein. Und auch die Bereiche sind klar abgesteckt. „Ihre Mama-Rolle füllen sie privat – zu Hause, im Hotel oder wo sie immer sind – mit ihrem Lebensgefährten beziehungsweise Mann aus“, sagt er, „auf der anderen Seite ist der Sport, ist die Bahn. Da gehören keine Kleinstkinder und keine Ehemänner hin.“

          Nach Innsbruck-Igls gastiert der Weltcup-Zirkus auf den vier deutschen Bahnen in Altenberg, Oberhof, Winterberg und am Königssee. Anfang Januar steht ein Abstecher nach Sigulda in Lettland an. Da heißt es dann zum ersten Mal Abschied nehmen für Geisenberger. „Ich kann Geisi eine tröstende Schulter geben“, bietet sich Kollegin Eitberger als moralische Stütze an. Sie hat diese erste Trennung schon hinter sich, als sie im Oktober zu einem Lehrgang nach Sigulda reiste. „Es war schwierig“, erzählt sie, „ich habe mich im Flugzeug ganz nach hinten verkrümelt und eine halbe Stunde lang geheult.“ Umso schöner war dann das Wiedersehen.

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