https://www.faz.net/-gtl-rqra

Risikosport Rodeln : Wie eine Flipperkugel zwischen Bande und Brüstung

  • -Aktualisiert am

Wer die Kurve nicht kriegt, muß um sein Wohl bangen Bild: REUTERS

Der olympische Eiskanal von Cesana ist auch nach dem Umbau nicht frei von Gefahren. Rodel-Olympiasieger Georg Hackl hatte bereits im Februar von einer fehlenden „Auslaufzone“ gesprochen. Daran hat sich nichts geändert.

          3 Min.

          Ein strahlend blauer Himmel überspannt die nagelneue Bob- und Rodelbahn ein paar hundert Meter oberhalb des italienischen Wintersportortes Cesana. In der Sonne glitzert die mit silbernen Blechen verkleidete Eisröhre auf rund 1.600 Meter. Platz, so weit das Auge reicht, ein traumhafter Ausblick auf den Mont Chaberton im benachbarten Frankreich.

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Die modernste Bahn der Welt verbreitet knapp drei Monate vor Beginn der Winterspiele olympischen Glanz. Zumindest wenn man sich das schwere Gerät wegdenkt, die Bagger, Räumer und Tieflader, wenn man das Bohren, Hämmern und Sägen überhört und diesen Südhang in Gedanken mit einer jeden Baukrach erstickenden Schneedecke überzieht. "Vor einem Monat noch haben alle gesagt, das schaffen wir nicht", berichtet Bahnmanager Ivo Ferriani, "aber jetzt sieht man: Wir kriegen es hin." Mehr als 2000 Sonnensegel verwandeln den Kanal auf Wunsch zur Indoor-Sause, mehr als 2000 Neonröhren erlauben Talfahrten um Mitternacht. Und weil das alles vom Fernsehen angemessen dokumentiert werden soll, tauchen Flutlichtmasten das gesamte Areal auch an düsteren Winterabenden in Studiolicht (1400 Lux).

          „So oft habe ich die Hubschrauber noch nie fliegen sehen“

          Die Italiener scheinen nach zahlreichen Problemen die Kurve also doch noch elegant zu kriegen. Das aber wird wohl nicht jedem Athleten gelingen. "Da unten", sagt ein Bahnarbeiter und zeigt auf den gefürchteten Abschnitt 17 und 18, "hat es dieser Tage eingeschlagen, daß es gefunkt hat." Februar 2005: Vor acht Monaten brach der Internationale Rennrodel-Verband (FIL) die Trainingswoche auf der Olympiabahn ab und verschob den Weltcup-Wettbewerb auf dieses Wochenende. Zu viele Athleten hatten in der Kurve 17 die Kontrolle verloren und sich in Folge der Stürze schwer verletzt.

          Auch Hackls Kritik führte zum Umbau

          "So oft habe ich den Krankenwagen und die Hubschrauber noch nie fliegen sehen", schilderte die deutsche Rodelikone Georg Hackl seine Eindrücke von der Premiere in Cesana. Nach zwanzig Jahren als Weltcup-Pilot erkannte der Berchtesgadener sofort die Schwachstelle: "Der Sturzraum ist völlig verkehrt ausgebaut." Auf den Protest der Deutschen, die ohne Sturz zu Tale schossen, reagierte die FIL und ordnete eine Entschärfung der heiklen Passage an. Die Betonschale der überhöhten Kurve 17 wurde steiler. "Dann fällt es leichter, die Spur zu halten", erklärt die Gesamtweltcup-Siegerin von 2004, Barbara Niedernhuber, das Ziel des Umbaus.

          „Eightyone“ steht für Sturz

          Seit einer Woche nun versuchen die Rodler zum zweiten Mal, die Ideallinie im Geschlängel zu finden. Dabei spürten einige Athleten am eigenen Leib, wie schmal der Grat zwischen gelungener Kurveneinfahrt und einem Crash auf der Bahn von Cesana sein kann. Barbara Niedernhuber erlitt bei der blitzschnellen Verwandlung von der Pilotin zum hilflosen Passagier eine Rippenprellung. Der Italiener Rainer Reinhold zog sich eine Bänderdehnung zu, der Slowake Lubomir Mick (Doppelsitzer) brach sich die Schulter. Christian Niccum (Doppelsitzer) war am Donnerstag noch immer schwindelig: Er hatte am Dienstag eine Gehirnerschütterung dritten Grades davongetragen. Das ist eine Stufe über dem K.o.-Schlag beim Boxen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Thunberg setzt Segel-Trend : Per Anhalter über die Weltmeere

          Wie Greta Thunberg die Meere zu besegeln, ist für junge Abenteurer das neue Rucksackreisen. Viele Bootsbesitzer sind von den teils penetranten Anfragen aber schon genervt. Und der Trip über den Ozean kann schnell zur Tortur werden.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.