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Abfahrt in Cortina : Rebensburg hält die Fahne hoch

  • -Aktualisiert am

Viktroia Rebensburg fährt bei der Abfahrt in Cortina auf Platz drei Bild: dpa

Erst enttäuscht, dann „super happy“: Viktoria Rebensburg fährt beim Abfahrtsklassiker von Cortina auf das Podest. Unterschiedliche Bedingungen bescheren ihr den Erfolg – und verwehrten Skistar Vonn einen Rekord.

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          Das feuchte Nachspiel bei der Siegerehrung hatte auf den ersten Blick nicht viel zu tun mit dem Weltcuprennen, das ein paar Minuten zuvor zu Ende gegangen war. Viktoria Rebensburg stellte sich am geschicktesten an beim Öffnen der Sektflasche und machte ihre Kolleginnen auf dem Podest schon mal nass, während die erst mit Verspätung den Korken knallen ließen. Als Elena Fanchini und Larisa Yurkiw dann so weit waren, um das prickelnde Getränk zu verspritzen, flossen aus der Flasche der Deutschen nur noch ein paar Tropfen.

          Und da war sie, die Parallele mit der ersten der beiden geplanten Weltcup-Abfahrten in Cortina d’Ampezzo. Denn auch im Rennen war Viktoria Rebensburg im oberen Teil die Schnellste gewesen, „aber unten“, gab die deutsche Skirennfahrerin zu, „habe ich die Schwünge nicht richtig durchgezogen.“ Cheftrainer Markus Anwander sprach von „fehlender Aggressivität“, weshalb die Italiener Fanchini schließlich 0,31 Hundertstelsekunden schneller war und Larisa Yurkiw aus Kanada immerhin noch 0,15. „Wenn es dann aber trotzdem noch zu Rang drei reicht, ist das zufriedenstellend“, sagte Anwander, was nicht direkt überschwänglich klang.

          Die Ansprüche an Viktoria Rebensburg in der Abfahrt sind eben gestiegen. Während sie bis zu diesem Winter vor allem im Riesenslalom regelmäßiger und im Super-G immerhin gelegentlicher Gast auf dem Podium gewesen war, gehört sie in dieser Saison zum ersten Mal zu den beständigsten Athletinnen in der schnellsten Disziplin. Mit dem dritten Platz von Cortina kletterte sie in der Abfahrts-Gesamtwertung sogar auf den zweiten Platz hinter der Amerikanerin Lindsey Vonn, die am Freitag wie alle Athletinnen mit höherer Startnummer chancenlos war und nur Zehnte wurde. „Das ist richtig cool“, sagt die 25-Jährige vom Tegernsee, „Abfahrten machen mir richtig Spaß. Da passt alles zusammen.“ Fast alles.

          Materialwechsel verändert das Skifahren

          Für Viktoria Rebensburg lässt sich so leichter verschmerzen, dass es im Riesenslalom nicht nach Wunsch läuft. In ihrer Lieblingsdisziplin kam sie bisher nicht über einen sechsten Platz hinaus, den hatte sie obendrein beim Auftakt in Sölden im Oktober geschafft, seitdem ging es abwärts: Rang sieben in Aspen, ausgeschieden in Are, Rang zehn im Kühtai nach Weihnachten. Angekündigt haben sich die Schwierigkeiten schon im Herbst, weil sich nach einem Materialwechsel die perfekte Abstimmung zwischen Ski, Bindungsplatte und Schuh einfach nicht finden konnte. „Dann ist das Vertrauen und die Sicherheit nicht da“, sagt sie. In Riesenslalom war sie 2010 Olympiasiegerin geworden, anschließend wurde sie zweimal mit der Weltcupkugel der Saisonbesten ausgezeichnet. Im vergangenen Jahr gewann sie nach längerer Krankheit und vielen verpassten Rennen in Sotschi immerhin noch die olympische Bronzemedaille. Sie mache sich deshalb schon Gedanken, schließlich „hängt mein Herz am Riesenslalom“.

          Rebensburg sieht es als große Herausforderung, das fehlende Mosaiksteinchen zu finden und hofft auf einen neuen Ski, den die kleine Schweizer Firma derzeit extra für sie baut und der Ende Januar geliefert wird. Allerdings weiß sie, dass es für die Weltmeisterschaft im Februar in Vail/Beaver Creek knapp werden könnte. In Colorado bleibt wegen der Starts in Abfahrt und Super-G in der ersten Woche nicht mehr viel Zeit zum Testen und Trainieren. Sie spricht von einem „Übergangsjahr“, denn man könne nach einem Materialwechsel nicht davon ausgehen, dass man gleich überall top sei. So gesehen, ist es sogar sehr gut, wenn es in einer Disziplin auf Anhieb besser läuft als früher.

          Schritt einer geplanten Entwicklung

          Lange Zeit hatte Viktoria Rebensburg dabei gezögert, das Abfahrtstraining – wie von den Trainern gewünscht – zu forcieren. Sie hatte sich nie ganz wohl bei hohen Geschwindigkeiten und Sprüngen gefühlt. Das alles, sagt sie, „ist nun gesprengt. Ich habe gesehen, dass ich auch in der Abfahrt diese Coolness habe“ - und die Gewissheit, zur WM trotz der Riesenslalom-Probleme als Medaillenkandidatin anzureisen.

          Es ist der nächste Schritt einer geplanten Entwicklung hin zur Anwärterin auf den Sieg im Gesamtweltcup. Sie hätte sich keinen besseren Zeitpunkt aussuchen können, um ihre Liebe zu den schnellen Disziplinen zu entdecken. Nach dem Rücktritt von Maria Höfl-Riesch befürchtete Alpinchef Wolfgang Maier schon, „dass wir in der Abfahrt das Podium längere Zeit nicht sehen.“ Nun schickt sich Rebensburg an, in die sehr großen Fußstapfen der ehemaligen Teamkollegin zu treten. „Extrem positiv“, findet es Maier, „dass jemand da ist, der in zwei Disziplinen aufs Podium fahren kann und die Fahne hochhält im Frauen-Rennsport.“

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