https://www.faz.net/-gtl-a6exu

Rassismus im Eishockey : „Schwer getroffen“

  • -Aktualisiert am

Sorgt mit einer rassistischen Verunglimpfung für einen Eklat: Daniel Pietta Bild: Imago

Während eines Testspiels beleidigt der Eishockey-Profi Daniel Pietta mit einer „Affen-Geste“ Gegenspieler Sena Acolatse. Rassistische Vorfälle sind längst keine Seltenheit in diesem Sport. Doch in der Branche herrscht erstaunlich große Stille.

          1 Min.

          Eigentlich sollte der Dezember der Monat der guten Nachrichten werden für die gebeutelte Eishockey-Branche. Kommende Woche beginnt endlich die Saison in der Deutschen Eishockey Liga (DEL). Doch nun muss sich die DEL mit einem Rassismus-Eklat beschäftigen. Der Ingolstädter Daniel Pietta hatte während eines Testspiels den Straubinger Afroamerikaner Sena Acolatse mit einer „Affen-Geste“ beleidigt. Die Liga sperrte ihn für neun Spiele. „Dieser Vorfall hat nicht nur den Eishockey-Spieler und Menschen Sena Acolatse schwer getroffen, sondern unsere gesamte Organisation“, sagte Jason Dunham, Manager der Straubing Tigers.

          Rassismus ist im Eishockey nicht neu. Im Mutterland Kanada durften Schwarze lange gar nicht mitspielen, gründeten daher eine eigene Liga, die Colored Hockey League. Erst 1958, die NHL war bereits mehr als 40 Jahre alt, lief dort der erste dunkelhäutige Spieler auf. Und selbst heute sind mehr als neunzig Prozent der NHL-Spieler weiß. Ähnlich sieht es in anderen Ligen aus, auch in den Chefetagen und auf den Tribünen. Das Ergebnis: Kaum einer der wenigen Spieler aus gesellschaftlichen Minderheiten, der keine Erfahrungen mit Diskriminierung machen musste. Das liegt auch an der Kultur des „Trashtalks“ – den Gegner durch Provokationen aus dem Tritt zu bringen gilt im Eishockey als Kunst. Was gern als Kavaliersdelikt abgetan wird. So reagieren nun auch die Verteidiger von Pietta. Der sei kein Rassist, der habe ja Kampagnen gegen Diskriminierung unterstützt.

          „Hockey is Diversity“

          Nur was sind die wert, wenn ihm in der Hitze des Gefechts mit einem schwarzen Spieler eine rassistische Beleidigung in den Sinn kommt? Früher wäre selbst die durchgewinkt worden. Martin Hyun, koreanischstämmiger früherer Profi und Gründer des Antidiskriminierungsnetzwerks „Hockey is Diversity“, berichtete von rassistischen Beleidigungen bei einem Spiel in Augsburg. Die Fans wollten ihm klarmachen, „dass jemand wie ich nicht aufs Eis gehört“. Die Reaktion von Liga und Medien? Fehlanzeige.

          Nun gibt es die im Falle Piettas, aber das reicht Hyun nicht, er fordert einen „nachhaltigen Plan zur Bekämpfung von Rassismus“. Das Problem ist allerdings: Für den Großteil der Branche ist es kein Thema, weil er selbst nie Ausgrenzung erlebte. Entsprechend sieht es auf den Social-Media-Accounts der meisten Spieler pielern und ihrer neuen Gewerkschaft. Normalerweise wimmelt es dort von Sprüchen, Herzchen und Bizeps-Emojis. Als es im Sommer um Gehaltseinbußen und (fehlende) Konzepte zum Saisonstart ging, wurde fleißig diskutiert. Nun zum Thema Rassismus: Stille.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Schottlands Zukunft : Gekauft für englisches Gold

          Schon der schottische Dichter Robert Burns sah seine Landsleute ruiniert durch ein fehlgeschlagenes Kolonialabenteuer der Engländer. Wie ist die Stimmung heute, am Tag der schottischen Wahl, zwischen Politikern, Historikern und dem Volk?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.