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Berliner Eisbären : Zu alt und zu mittelmäßig

  • -Aktualisiert am

Mal wieder hinter der Bande: Stéphane Richer Bild: Imago

Bei den einst so stolzen Eisbären herrscht Durcheinander. Nach der Trennung von Trainer Jodoin hat nun Sportdirektor Richer das Sagen – doch der steht in der Kritik.

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          Einen solch turbulenten Jahresausklang hat es bei den Berliner Eisbären seit Jahren nicht mehr gegeben. Vergangene Woche wurde Trainer Clément Jodoin entlassen, nach nur fünfeinhalb Monaten im Amt. Das ist auch deswegen eine enttäuschende Bilanz, weil der Eishockeyklub aus der Hauptstadt vor Jodoin in den vergangenen sechzehn Jahren nur vier verschiedene Cheftrainer beschäftigt hatte. Auf die durchschnittlichen vier Jahre Amtszeit eines Eisbären-Trainers kam der Kanadier nicht mal im Entferntesten.

          Seinen Posten hat übergangsweise Stéphane Richer übernommen, im Hauptberuf Sportdirektor der Berliner. Sein Einstandswochenende hinter der Bande brachte eine 1:2-Heimniederlage gegen die Augsburger Panther und einen 5:4-Sieg nach Penaltyschießen bei der Düsseldorfer EG.

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          Es ist ein gewaltiges Durcheinander, das derzeit bei den stolzen Eisbären herrscht, die vom Selbstverständnis her in jedem Jahr um die deutsche Meisterschaft mitspielen müssen. Sieben Titel von 2004 bis 2013 haben einen Anspruch geschaffen, dem die Verantwortlichen nun schon seit fünf Jahren hinterherlaufen. Auch in dieser Saison dürfte es wohl nichts werden mit der Meisterschaft in der Deutschen Eishockey Liga. Als Neunter müssen die Eisbären eher um die Teilnahme an den Play-offs fürchten. Dass nun ausgerechnet Richer den 66 Jahre alten Jodoin als Cheftrainer beerbt, nachdem er ihn im Sommer in diese Position gehoben hatte, verdeutlicht, dass die Probleme auch struktureller Natur sind.

          Die Eisbären sind Teil der Anschutz Entertainment Group, die von Kalifornien aus operiert und zu der auch die Los Angeles Kings aus der nordamerikanischen Eishockey-Profiliga NHL gehören. Die Amerikaner haben ein eigenes Verständnis davon, wie ihr Sportunternehmen in Übersee zu führen ist, nur decken sich diese Sichtweisen nicht immer mit den europäischen Praktiken. Und es steht immer mehr die Frage im Raum, ob die räumliche Distanz nicht auch eine inhaltliche mit sich bringt. Erfolgreich waren die Eisbären immer dann, wenn Kontinuität auf verschiedenen Positionen herrschte. Etwa als Pierre Pagé oder Don Jackson über mehrere Jahre als Cheftrainer fungierten. Bei der Nachfolgebesetzung taten sich die Verantwortlichen dagegen immer schwer. So war es bei dem erfolglosen Wirken von Jeff Tomlinson, der auf Jackson folgte. Und so war es nun bei Jodoin, der Uwe Krupp ersetzt hatte.

          Verantwortlich für die jüngsten Personalrochaden ist in erster Linie Richer, der schon lange für die Gruppe arbeitet und zuvor den Eishockeyklub in Hamburg verantwortete, bevor dieser von Anschutz wieder aus dem Verkehr gezogen wurde. Zu den Eisbären kam er als Ko-Trainer von Krupp, wurde dann als Sportdirektor dessen Chef, bestimmte dann Jodoin zu Krupps Nachfolger, sitzt nun wieder selbst auf der Trainerbank – und steht in der Kritik. Die Wahl von Jodoin, der viele Jahre lang erfolgreich als Assistenztrainer gearbeitet hatte, aber nur selten als Chef, wird ihm genauso angelastet wie die Kader-Struktur. Abgänge wie der des überragenden Torwarts Petri Vehanen wurden nicht kompensiert. Zu alt und zu mittelmäßig sei die spielende Belegschaft des Berliner Eishockey-Unternehmens, heißt es.

          Richer, der schon in Mannheim, Kassel und Hamburg hinter der Bande stand, ließ in den vergangenen Tagen immer wieder durchklingen, wo er die Defizite seiner Mannschaft verortet: zu wenig taktische Disziplin, zu wenig Torgefahr, zu wenig Kondition. Alles Dinge also, die unmittelbar in den Aufgabenbereich des Trainers fallen. Kritische Worte in die eigene Richtung verlor er nicht. Richer kündigte stattdessen an, dass er vermutlich bis Saisonende hinter der Bande bleiben könnte. Zeitdruck, einen Nachfolger zu finden, hätten die Eisbären seiner Meinung nach nicht.

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