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Peter Liebers : „Passt uff, ich bin wieder da“

  • -Aktualisiert am

Den Kopf immer schön obenhalten: Peter Liebers lässt sich nicht unterkriegen Bild: picture alliance / dpa

Eiskunstläufer Peter Liebers lässt sich auch von unzähligen Verletzungen nicht aus der Bahn werfen. Bei den deutschen Meisterschaften in Oberstdorf wagt er ein Comeback - und gewinnt.

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          An Aufgabe hat er auch nach niederschmetternden Erfahrungen im Laufe seiner glatten Karriere nie gedacht, denn Peter Liebers ist ein besonders unverdrossener Eiskunstlaufkämpfer. Der zweimalige deutsche Meister, der seinen Titel am Samstag in Oberstdorf abermals verteidigte, hat sich einmal die Mühe gemacht, seine vielen teils schweren Verletzungen seit dem Jahr 2000 detailliert aufzulisten und ist dabei zu einer erschreckenden, ihn aber nicht einschüchternden Erkenntnis gekommen: „Mir fehlen circa drei Jahre, in denen ich nichts machen konnte - nicht eingerechnet die Zeit, die ich gebraucht habe, um wieder alles auf dem Eis machen zu können.“

          Die Knie, der Rücken, die Sprunggelenke, ein Wadenbeinbruch: Der aus einer Eiskunstläuferfamilie kommende Liebers - Vater Mario war DDR-Meister, Bruder Martin bis vor kurzem ein deutscher Spitzenläufer - hat sich inzwischen ein hohes anatomisches Grundwissen angeeignet.

          Seit dem 10. Juni 2011 kennt er auch sein Kreuzbein aus schmerzlichem Erleben genau. Der 23 Jahre alte Berliner war gerade in Toronto angekommen, um mit seinem Choreographen Shin Amano die neuen Küren für den Winter einzustudieren, da passierte es schon in der ersten Übungsstunde. Liebers brach sich das Kreuzbein. Nicht etwa nach einem missglückten Vierfachtoeloop, nein, es geschah beim simplen Rückwärtsübersetzen.

          „Ich bin dabei weggerutscht und das drei, vier Meter vor einer Bande, die nur zwanzig Zentimeter hoch war. Dann bin ich mit dem Rücken gegen die Kante der Bande geprallt und war erst einmal weg.“ Als er wieder da war, wurde der zierliche Läufer mit den robusten Nehmerqualitäten in ein Krankenhaus gebracht, wo er zehn Stunden in der Ambulanz verbrachte.

          „Krücken in die Hand und nach Hause“

          Als die Diagnose Kreuzbeinbruch - das Kreuzbein befindet sich zwischen Lendenwirbel und Steißbein - gestellt war, „haben sie mir“, sagt Liebers, „Krücken in die Hand gedrückt, ein Rezept für Schmerztabletten gegeben und mich nach Hause geschickt.“ Da lag er dann zwei Wochen lang fern der Heimat in der Wohnung seines Choreographen, ehe er nach Berlin heimfliegen konnte - liegend in der Business Class, in die der Läufer im Bewegungsstillstand per Rollstuhl geschoben worden war.

          Wieder zuhause, lag er noch einmal vier Wochen „komplett flach“. Dabei seien ihm, sagt der leiderprobte Meister, keinerlei Nachtgedanken durch den Kopf geschwirrt. „Jede doofe Situation“, sagt er mit einem Anflug von Berliner Wurschtigkeit, „hat auch etwas Positives. Der Gedanke, det schaff ich jetzt nicht, war nie da. Det wird schon noch, daran habe ich immer geglaubt.“

          Schon zweimal wurde er deutscher Meister - in Oberstdorf klappte es nun abermals
          Schon zweimal wurde er deutscher Meister - in Oberstdorf klappte es nun abermals : Bild: dpa

          Und so wurde es mal wieder was mit dem Eiskunstläufer Peter Liebers, der im Vorjahr als Elfter der Europameisterschaft seine international bisher beste Plazierung schaffte und dabei auf dem Weg vom Springinsfeld zur Künstlernatur schien. Am 28. Juli verkündete er seinen Fans auf seiner Website die frohe Botschaft: „Ich kann endlich wieder ohne Krücken laufen.“ Am 11. September folgte dann die erlösende Nachricht: „Ich freue mich, euch mitteilen zu können, dass mir die Ärzte die Freigabe erteilt haben und ich jetzt alles machen kann“.

          Der Knochen war wieder zusammengewachsen, der Eiskunstläufer Peter Liebers wieder in seinem Element. Bei den Sprüngen sei sehr schnell „alles prima“ gelaufen, so dass Liebers schon nach wenigen Wochen wieder Höchstschwierigkeiten wie den Dreifachaxel mühelos überstand. Lediglich „bei meinem ersten Rückwärtsübersetzen war es schon ein komisches Gefühl. Aber auch das war schnell abgelegt.“

          „Es wird alles gut, es wird alles perfekt“

          Inzwischen hat der deutsche Meister auch schon wieder in Toronto auf dem Eis gestanden, auf einer anderen Bahn mit gleich flacher, tückischer Bande - und ist der Gefahr vorwärts wie rückwärts davongelaufen. Im November bestritt er seinen ersten Wettkampf der Saison und wurde Zweiter bei der NRW-Trophy in Dortmund.

          Das Motto des hartgesottenen Biotechnologie-Studenten und Bundeswehr-Stabsgefreiten für Oberstdorf lautete: „Passt uff, ich bin wieder da, schreibt mich nicht ab!“ Der Eiskunstlauf ist schön, manchmal aber auch ganz schön gefährlich. Peter Liebers weiß das am besten. Sein probates Küchenrezept gegen die Schmerzen lautet: „Ich sage mir immer, es wird alles gut, es wird alles perfekt.“ Bei den Titelkämpfen in Oberstdorf setzte er sich souverän gegenüber seinem Vereinskameraden Paul Fentz durch und holte sich den Sieg zum dritten Mal.

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