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Abfahrtsläufer Peter Fill : Immer schneller, immer besser

Wie ein Bild: Peter Fill beim Abfahrtslauf Bild: Picture-Alliance

Der Südtiroler Peter Fill ist der erste Italiener, der einen Weltcup in der Abfahrt gewann. Im fortgeschrittenen Alter entwickelte er sich zu einem der stärksten Fahrer der Welt in seiner Disziplin. Der Grund ist simpel.

          5 Min.

          Es war ein Rennen, das keiner so schnell vergaß. Kitzbühel 2016: ein bedeckter Januar-Tag, flaches Licht und schlechte Sicht auf der gefährlichsten Abfahrtsstrecke des Ski-Weltcups. Die Bedingungen waren grenzwertig. Drei Spitzenfahrer stürzten schwer, auch der bis dahin überragende Norweger Aksel Lund Svindal. Das Rennen stand kurz vor dem Abbruch, und nach 30 Startern war dann endgültig Schluss – genau so vielen, wie nötig waren, um das Rennen werten und einen Sieger krönen zu können.

          Bernd Steinle

          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Trotz dieser Umstände, vielleicht gerade deswegen, hatte das Rennen, da waren sich alle einig, einen würdigen Sieger: Peter Fill. Es war erst sein zweiter Weltcup-Sieg, obwohl er damals schon 33 Jahre alt war. Der erste stammte aus dem November 2008, aus der Abfahrt in Lake Louise (Kanada). Aber Kitzbühel 2016, das war eine ganz andere Kategorie. „Es war ein schwieriges Rennen“, sagt Fill, auch wenn er den spektakulären Verlauf erstaunlich nüchtern sieht. „In Kitzbühel“, sagt er, „gibt es immer zwei, drei schwere Stürze.“

          Fill weiß, wovon er spricht. Der heute 35 Jahre alte Italiener hat 2013 selbst so einen Sturz erlebt, mit dem er sich für alle Zeiten einen Ehrenplatz im Zusammenschnitt der übelsten Kitzbühel-Stürze gesichert hat, die jedes Jahr gern zur Einstimmung auf die Streif gezeigt werden. In der Steilhang-Ausfahrt geriet er bei hohem Tempo auf das Fangnetz, flog im Rückwärtssalto hoch durch die Luft und knallte zurück auf die eisige Piste. Der Crash sah fürchterlich aus. Doch Fill überstand ihn überraschend glimpflich. Nun stand er 2016 genau dort ganz oben, in Kitzbühel, und das am Geburtstag seines Sohns. „Das war mein schönster Tag“, erinnert sich Fill: „Bis zu diesem Zeitpunkt.“

          Denn seither hat sich viel getan im Leben des Peter Fill. Zwei Monate nach Kitzbühel war er der erste Italiener, der den Abfahrts-Weltcup gewann. Ein Jahr später war er der Erste, der den Abfahrts-Weltcup zweimal gewann. In diesen zwei Wintern entwickelte sich der Südtiroler zum stärksten Abfahrer der Welt. „Die Abfahrtskugel war für mich ein Kindheitstraum“, sagt er. „Dass ich dann noch der erste Italiener war, war das Sahnehäubchen.“ Fragt sich: Wie kommt es, dass Fill im fortgeschrittenen Alter plötzlich so erfolgreich ist?

          Auszeichnung von Peter Fill als bester Abfahrer der Welt: „Die Abfahrtskugel war für mich ein Kindheitstraum“

          Peter Fill galt früh als extrem talentierter Fahrer, als feiner Kurventechniker. 2002 war er Juniorenweltmeister, und auch bei den Großen war er bald vorne dabei: 2008 der erste Weltcup-Sieg, 2009 Weltmeisterschaftszweiter im Super-G, 2011 WM-Bronze in der Super-Kombination. Dazwischen aber wurde er immer wieder durch Verletzungen zurückgeworfen, von Rückschlägen gebeutelt. Es sind auch diese Erfahrungen des ewigen Auf und Ab, die langen Jahre, die Fill schon auf den Abfahrtsstrecken der Welt unterwegs ist und die in seiner Disziplin so wichtig sind, die ihm nun das späte Glück bescheren.

          „Man muss schon verstehen, wo auf den Strecken man Geschwindigkeit aufnehmen, wo man sie behalten und wo man riskieren muss. Wo man den Unterschied machen kann.“ Das hat er jetzt verstanden, meistens jedenfalls. „Nur in Gröden hab ich’s nie richtig hinbekommen.“ Pech, blöde Umstände, fehlende Lockerheit und wohl auch der krampfhafte Vorsatz, es dort besonders gut machen zu wollen – irgendwas kam immer dazwischen bei seinem Heimrennen. Platz vier vor zwei Jahren, „das war für mich schon ein Riesenerfolg“, sagt er. An diesem Freitag (12.15 Uhr bei Eurosport1) im Super-G und am Samstag in der Abfahrt nimmt er nun einen neuen Anlauf. Seine Lieblingsstrecke im Weltcup ist aber ohnehin eine andere: die Lauberhorn-Abfahrt in Wengen. „Der Start mit Aussicht auf Eiger, Mönch, Jungfrau – es gibt nichts Schöneres“, sagt er. „Wengen von ganz oben zu fahren, das ist ein Traum.“

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