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Kuriose Bilanz : 27:0 für deutsche Frauen bei den Paralympics

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Ein gewohntes Bild: Eine deutsche Frau, wie hier Anna Schaffelhuber, holt eine Medaille bei den Paralympics. Bild: dpa

Wie schon vor vier Jahren in Sotschi fällt die deutsche Bilanz bei den Paralympics ziemlich erstaunlich aus. Nur die Frauen holen Medaillen für Deutschland. Wie kann das sein?

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          Bei der Halbzeitpressekonferenz des Deutschen Behindertensportverbands (DBS) in Pyeongchang saß am Mittwoch auch Steffen Lehmker auf dem Podium. Das, so ließ sich mit einem kleinen Augenzwinkern sagen, passte recht gut. Denn zum einen hat Lehmker, ein Langläufer und Biathlet, keine Medaille gewonnen bei den Paralympischen Winterspielen. Zum anderen ist er ein Mann. Und das ist eine ziemlich typische Merkmalkombination für das DBS-Team in Pyeongchang. Sämtliche zwölf Medaillen, die bislang von deutschen Athleten errungen worden sind, gingen auf das Konto der Frauen, einschließlich der beiden silbernen, die Andrea Rothfuss (Riesenslalom) und Andrea Eskau (Langlauf-Sprint) am Mittwoch gewannen.

          Was man(n) vielleicht noch für einen Zufall oder eine Laune der Natur halten könnte – wenn, ja wenn nicht das Bild schon vor vier Jahren in Sotschi so einseitig ausgefallen wäre. 27:0 heißt es in der Addition nun für die Frauen. Und das wirkt dann doch einigermaßen erstaunlich. Lehmker jedenfalls wusste keinen plausiblen Grund für dieses Ungleichgewicht zu nennen. Karl Quade, der Chef de Mission, konstatierte, dass die „Damen-Mannschaft sehr dominant sei“, ging bei dieser Gelegenheit aber nicht näher darauf ein. Die Erklärungsansätze im Team reichen vom „harten Generationswechsel“ bei den Männern (DBS-Chef Beucher) über das dort „viel größere Feld“ und die damit insgesamt größere Leistungsdichte (Skirennläuferin Forster) bis zur „gesellschaftlichen Anerkennung“ für behinderte Frauen, die in Deutschland höher sei als in anderen Ländern (Nordisch-Bundestrainer Rombach). Ändern jedenfalls, so die gängige Vermutung im Team, wird sich so schnell daran nichts.

          Für den Augenblick gab sich der DBS mit der geschlechterübergreifenden Zwischenbilanz von viermal Gold, siebenmal Silber und ein Mal Bronze „sehr zufrieden“; in der Medaillenbilanz von Sotschi hatten am Ende neun goldene, fünf silberne und eine bronzene gestanden. Der Mittwoch aber wird dem DBS-Team nicht in bester Erinnerung bleiben. Anna Schaffelhuber und Anna-Lena Forster blieben im Riesenslalom mit den Plätzen fünf und sechs klar hinter den Erwartungen. Das größere Missgeschick aber passierte, richtig, einem Mann. Georg Kreiter stürzte auf der Abfahrt-Piste und brach sich dabei das Schlüsselbein. Er wurde noch am selben Tag operiert, soll aber am Montag mit dem Team zurückfliegen.

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