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Paralympics : Andrea Eskau holt Gold im Biathlon

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Biathletin Andrea Eskau hotl Gold Bild: Reuters

Die deutsche Fahnenträgerin siegt unter schwierigen Bedingungen. In der Super-Kombination holen Anna Schaffelhuber und Andrea Rothfuss in ihren Klassen jeweils Silber. Schaffelhubers Teamkollegin Anna-Lena Forster gewinnt Gold.

          Fahnenträgerin Andrea Eskau hat bei den Paralympics Gold im Biathlon gewonnen. Die 46-Jährige leistete sich am Dienstag in Pyeongchang bei schwierigen Bedingungen mit viel Wind nur einen Schießfehler und kam nach 42:36,6 Minuten ins Ziel. „Das war das beste Schießen in meiner ganzen Karriere“, sagte Eskau.Vor der zweitplatzierten Russin Marta Zainullina, die für die Neutralen Paralympischen Athleten startet, hatte Eskau mehr als eine Minute Vorsprung. „Es ist echt verrückt“, sagte die Magdeburgerin lachend im Ziel. „Das hatte ich nicht erwartet.“

          Der Präsident des Deutschen Behindertensportverbandes Friedhelm Julius Beucher war ebenfalls begeistert. „Das ist unbeschreiblich. Sie hat im stärksten paralympischen Biathlon-Feld der Welt gewonnen“, sagte er. „Bei den letzten 30 Stockschlägen habe ich bei jedem einzelnen gebrüllt.“ Für Eskau war es bereits die zweite Medaille bei den Winterspielen in Südkorea nach Silber im Langlauf und die siebte goldene bei fünf verschiedenen Paralympics insgesamt. Die querschnittsgelähmte Sportlerin hat auch bei Sommer-Paralympics schon Edelmetall geholt. Dort startet sie mit dem Handbike.

          Clara Klug hat ebenfalls eine Medaille im Biathlon gewonnen. Die 23-Jährige musste sich über zehn Kilometer bei den sehbehinderten Ahtletinnen nur Oksana Schischkowa aus der Ukraine und der umstrittenen Russin Michalina Lisowa geschlagen geben und sicherte sich am Ende Bronze. Mit einer Zeit von 42:01,6 Minuten fehlten Klug gut vier Minuten zu Gold. Bei insgesamt vier Schießeinlagen leistete sich die Münchnerin einen Fehler. „Ich habe es noch gar nicht richtig realisiert“, sagte Klug kurz nach dem Rennen. „Ich habe im Ziel hundertmal gefragt, ob das wirklich stimmt, dass ich eine Medaille habe.“ Eigentlich sei sie davon ausgegangen, dass sie „keine Chance“ habe. „Das sind eigentlich überhaupt nicht meine Bedingungen. Ich bin Wintersportlerin und das sind Sommertemperaturen für mich“, sagte Klug – im Biathlon-Stadion betrug die Temperatur rund 15 Grad Celsius.  Klug, die in Südkorea ihre Paralympics-Premiere feiert, wird auf der Strecke von ihrem Begleitläufer Martin Härtl mit verbalen Kommandos geführt.

          Martin Fleig hingegen hat eine Medaille im Biathlon nur um einen Platz verpasst. Der 28-Jährige kam 2:33,2 Minuten hinter dem Sieger Taras Rad aus der Ukraine ins Ziel. Auf Bronze und den Amerikaner Andrew Soule fehlte ihm in der sitzenden Kategorie eine Minute. Fleig leistete sich einen Schießfehler und benötige insgesamt 48:02,7 Minuten für die 12,5-Kilometer-Strecke. Über die gleiche Distanz war der Sportler vom Ring der Körperbehinderten Freiburg 2017 Weltmeister geworden.

          Rothfuss holt Silber in der Super-Kombi, Forster beendet Schaffelhubers Siegesserie

          Ihre deutsche Teamkollegin Anna-Lena Forster hat die Siegesserie von Anna Schaffelhuber bei den Paralympics beendet. Die 22-Jährige aus Radolfzell gewann am Dienstag Gold in der Super-Kombi der Klasse der Monoskifahrer, Schaffelhuber blieb nur Silber. Zuvor hatte die Regensburgerin sieben Paralympics-Rennen in Folge gewonnen. Fünf bei den Spielen 2014 in Sotschi und die ersten beiden in Südkorea. Forster hatte nach dem Super-G noch auf Rang vier gelegen, riskierte dann aber im Slalom alles und gewann. Am Ende lag sie 2,52 Sekunden vor Schaffelhuber. „Heute ist ein Traum wahr geworden. Und das in einer Disziplin, in der ich es nicht erwartet hätte“, sagte Forster nach ihrem ersten Paralympics-Gold: „Ich bin froh, dass ich Anna mal schlagen und etwas aus ihrem Schatten treten konnte.“ Schaffelhuber nahm die Niederlage sportlich und gratulierte fair. „Ich habe heute nicht Gold verloren“, sagte sie: „Anna-Lena hat es absolut verdient. Von ihr fällt sicher viel ab jetzt, und ich freue mich, dass es die Teamkollegin war, die gewonnen hat.“

          Andrea Rothfuss hat die Goldmedaille in der Super-Kombination in der stehenden Klasse ebenso knapp verpasst. Die 28-Jährige hatte nach dem Super-G geführt, ihre Dauer-Rivalin Marie Bochet war bereits ausgeschieden. Doch nach dem abschließenden Slalom hatte die Schwäbin, der die linke Hand fehlt, 0,37 Sekunden Rückstand auf die Kanadierin Mollie Jepsen. Rothfuss gewann damit ihre dritte Silbermedaille bei den Paralympics in Südkorea. In der Abfahrt und auch im Super-G hatte sie sich jeweils der Französin Bochet geschlagen geben müssen. „Im ersten Moment war es schon sehr frustrierend. Gold wäre schön gewesen, aber es war einfach kein guter Slalomlauf von mir“, sagte Rothfuss: „Ich denke, mit etwas Abstand wird es sich gut anfühlen. Es sind die Paralympics, und ich habe jetzt dreimal Silber, viele hätten das gerne. Aber im Moment kann ich mich noch nicht so richtig freuen.“

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