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Paarlauf-Trainer König : Lange umworben, lange hingehalten

  • -Aktualisiert am

Annika Hocke und Ruben Blommaert: Gehobenes internationales Mittelmaß Bild: EPA

Alexander König führte Aljona Savchenko und Bruno Massot zum Olympiasieg. Danach sollte er Paarlauf-Bundestrainer werden – doch auf seinen Vertrag wartet er immer noch.

          Er war zu DDR-Zeiten ein guter Paarläufer, aber nicht der beste. Er war im vereinten Deutschland ein guter Eislauflehrer, schien aber weit davon entfernt, eines Tages ein Traumpaar zu olympischem Gold und zum Weltmeistertitel führen zu können. Der jahrelang unterschätzte Alexander König hat Aljona Savchenko, der zuvor schon mit ihrem früheren Partner Robin Szolkowy fünfmaligen Weltmeisterin und viermaligen Europameisterin, mit leiser Autorität dabei geholfen, sich endlich ihren Karrieretraum an der Seite ihres Partners Bruno Massot zu erfüllen. Es ist erst ein Jahr her, dass die beiden in Pyeongchang den Paarlauf-Gipfel mit ihrer betörenden Kunst auf Kufen erreichten und ein paar Wochen später auch die WM in Mailand mit ihren zauberhaften Programmen krönten.

          Inzwischen ist König wieder damit beschäftigt, die Mühen der Ebene zu meistern und bei der WM in Saitama bei Tokio mit seinem derzeitigen Spitzenpaar Annika Hocke und Ruben Blommaert kleine Zeichen des Fortschritts zu setzen. Mit einer für sie starken Leistung in der Kür kämpften sich Hocke/Bommaert an diesem Donnerstag immerhin noch vom 16. auf den 13. Platz vor. Sie schoben sich damit an ihren deutschen Konkurrenten Minerva-Fabienne Hase und Nolan Seegert vorbei, die auf Rang 14 kamen.

          Olympiasiegerin Savchenko erholt sich unterdessen nach ihrer monatelangen Tour mit der Revue „Holiday on Ice“ vom Schaulaufreisestress; ihr inzwischen in der Schweiz als Trainer arbeitender Partner Massot steht in Saitama dem österreichischen Paar Miriam Ziegler/Severin Kiefer zur Seite und feiert als Trainernovize seine zweite Premiere auf der großen Eis-Weltbühne. Zieger/Kiefer wurden zehnte.

          Alexander König: Dem Triumph in Pyeongchang folgten Monate des Wartens.

          König dagegen hat ein Jahr zwischen höchsten Glücksgefühlen und alltäglichen Enttäuschungen hinter sich. Dem Triumph in Pyeongchang und der grandiosen Zugabe in Mailand folgten Monate des Wartens auf einen Vertrag, der nun Ende März bei ihm zu Haus im Berliner Bezirk Köpenick eintreffen soll. Ein Schriftstück, das aus dem früheren Honorartrainer der Deutschen Eislauf-Union (DEU) endlich den Paarlauf-Bundestrainer machen soll. Vorausgesetzt, der lange umworbene und danach genauso lange hingehaltene König unterschreibt. Der hat inzwischen, soweit das materiell möglich war, mit dem Aufbau des von ihm initiierten Berliner Paarlaufzentrums begonnen, das einmal zur sportlichen Heimat der besten deutschen Eiskunstlaufpaare werden soll.

          Neun Paare unterschiedlichster Qualität werden dort von sechs Trainern in Schwung gebracht, voran die deutschen Meister und EM-Sechsten  Hase/Seegert, die von Romy Oesterreich, der Paarlauf-Olympiazweiten von 1976, auf ein international sehenswertes Niveau gehievt worden sind und nach dem Kurzprogramm in Saitama auf Platz zehn lagen, ehe eine verunglückte Hebung in der Kür sie aus dem Konzept brachte, und sie auf Rang 14 abrutschten. Hocke/Blommaert reifen unter Königs Obhut. „Ganzjährig eingeladen“ zur Unterstützung des Berliner Projekts in Hohenschönhausen ist auch Aljona Savchenko, die ihre Hilfe beim Aufbau der neuen deutschen Paarlauf-Plattform zugesagt hat.

          Minerva Fabienne Hase und Nolan Seegert: „Ausstrahlung ist das A und O“

          „Unsere beiden Spitzenpaare“, sagt König, „besitzen das Potential, bei einer Europameisterschaft auch mal auf dem Treppchen zu stehen.“ Bei der Weltmeisterschaft in Saitama aber verkörpern sie eher gehobenes internationales Mittelmaß. Hase/Seegert und Hocke/Blommaert stehen andererseits erst am Anfang einer gemeinsamen Karriere, in der es nicht nur um die technische Vielfalt des komplexen Paarlaufs gehen soll.

          „Den Doppelaxel springen alle“, sagt König beim Blick auf die Konkurrenz, „aber es kommt nicht so sehr darauf an, was du machst, sondern wie du es machst. Ausstrahlung ist das A und O.“ Der Meistertrainer möchte auf Sicht Paarläufer ausbilden, „die aus sich herauswachsen“. So wie der aus Frankreich nach Deutschland gekommene Bruno Massot, der sich neben der Paarlauf-Königin Savchenko von Jahr zu Jahr mehr profilierte und am Ende zum Kunstläufer der Extraklasse wurde. So wie auch König, der sein Potential als Trainer erst ausschöpfte, als er die große Gelegenheit dazu bekam.

          Das weltmeisterliche Maß: Olympiasieger Aljona Savchenko und Bruno Massot

          Dass 2018 die Gelder vom Bund an die DEU wegen der langwierigen Regierungsbildung erst später als geplant flossen, hat Alexander König verstanden. Dass ihm die Eislauf-Union deshalb bis Dezember sein Gehalt zahlte, auch. Dass er sich seitdem selbst finanzieren muss, fällt ihm verständlicherweise schwerer, auch wenn er damit rechnen darf, dass ihm sein persönlicher Vorschuss auf Heller und Pfennig ersetzt wird.

          Verwundert aber nimmt König zur Kenntnis, dass das Vertragswerk für den Bundestrainer in spe noch nicht aufgesetzt worden ist, auch um sich rasch über die Modalitäten einigen zu können. „Nach den traumhaften Auftritten von Aljona und Bruno in Pyeonchang“, sagt der 52 Jahre alte Berliner, „haben alle gesagt, jetzt müssen wir auf diese Welle aufspringen und was machen. Jetzt ist ein Jahr vorbei, und die Welle ist sonstwo.“ Keine optimale Voraussetzung, um dem Paarlauf in Deutschland zu einer neuen Blüte zu verhelfen.

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