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Olympiastar Ledecká : Pflegeleicht kann ja jeder

Pflegeleicht geht anders: Ester Ledecká braucht Freiraum Bild: AFP

Ester Ledecká war die Olympia-Sensation in Pyeongchang. Die Snowboarderin gewann auch auf Skiern Gold. Nun streitet Tschechiens Skiverband mit dem Snowboard-Star. Und natürlich geht es ums Geld.

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          Eigentlich ist Ester Ledecká ein unkomplizierter Typ. Man muss ihr nur ihren Willen lassen. Dass die junge Frau dann zu großen Taten fähig ist, hat die tschechische Ausnahmesportlerin nicht zuletzt bei den Olympischen Spielen von Pyeongchang bewiesen. Dort raste die damals 22-Jährige auf geliehenen Skiern zu Olympia-Gold, ehe sie wenige Tage nach ihrem alpinen Überraschungscoup im Super-G auch noch den Parallel-Riesenslalom auf ihrem bevorzugten Brett, dem Snowboard, gewann.

          Zumindest die mit Wintersport vertraute westlich orientierte Welt überschlug sich danach vor Begeisterung über die Sensation, die die Pragerin in den Schnee gezaubert hatte. Und auch Tschechiens Skiverband konnte sein Glück kaum fassen. Und mancher musste auch stille Abbitte leisten. Schließlich hatten die Funktionäre ihrem multibegabten Wildfang vorher eindringlich geraten, sich nicht zu verzetteln, das Skifahren einzustellen, um die sicher eingeplante Snowboard-Medaille nicht zu verspielen. Die Sportlerin selbst wollte sich aber nicht beschränken lassen, gemäß ihres Mottos: „Wenn man Mut hat und Spaß an dem, was man tut, ist alles möglich.“

          Dementsprechend schlug Ester Ledecká alle wohlmeinende Warnungen in den Wind. Und weil der verband nicht allzuviel Geld für das doppelte Abenteuer beisteuern konnte, baute sie sich eben ein eigenen Team auf, mit eigenen Trainern, die in ihrer Vielseitigkeit kein Laster, sondern Lust sahen. Gesponsert wurde das Privatunternehmen teilweise von ihrem Vater, einem in Tschechien sehr populären Sänger. Ein bisschen „Rampensau“ steckt also drin in Ester Ledecká. Zudem das Glück, in einer halbwegs begüterten Familie aufgewachsen zu sein – und natürlich kann sie sich auch auf gute Gene stützen, denn schon ihr Opa war bei Olympia erfolgreich gewesen, gewann Bronze mit dem Eishockey-Team der CSSR.

          Die allgemeine Begeisterung über Ester Ledeckás Olympiacoup ist ein halbes Jahr danach auch in Tschechien spürbar gesunken. Nun prägt Ärger um Werbeeinnahmen an dem Wintersportstar die Diskussion. Ester Ledeckás Agentur Sport Invest und der tschechische Skiverband streiten erbittert um die Aufteilung der Reklameflächen auf Skianzug und Helm sowie die Wahl des Skiherstellers.

          Ein Repräsentationsvertrag, den der Verband vorlegte sei nach Auskunft ihres Vermarkters inakzeptabel gewesen, heißt es. Ester Ledeckás Agentur verweist darauf, dass die Sportlerin sich über Jahre selbst finanzierte. Deshalb sei nicht einzusehen, nun einen Vertrag zum Vorteil der Funktionäre zu unterzeichnen. Das Geld komme nicht den Funktionären zugute, sondern der Entwicklung des ganzen Verbands, konterte Jiri Kejval, der Leiter des Nationalen Olympischen Komitees, im Sender CT24 und erklärte freimütig: „Nach den Olympischen Spielen hat sich der Marketingwert Esters dramatisch gesteigert - und jetzt geht es darum, wer wie viel vom Kuchen abbekommt.“

          Die Fronten scheinen verhärtet. Es wurde sogar kolportiert, der Skiverband hindere Ledecká daran, unter der tschechischen Flagge anzutreten, solange die Vertragsfrage nicht geklärt sei. „Wir weisen die Anschuldigung zurück, dass wir Ester Ledecka erpressen“, erklärte der Verbandsvorsitzende Lukas Sobotka gegenüber der Agentur CTK. Radio Prag zitiert Sport Invest dagegen mit den Worten: „Die Vertreter des Skiverbandes der Tschechischen Republik lügen und verdrehen vorsätzlich die Fakten. Wir bestehen auf unserer Erklärung, dass der Skiverband Ester Ledecká ein Ultimatum gestellt hat.“ Der Sportlerin sei gedroht worden, sie nicht zu Rennen anzumelden, falls sie den Vertrag nicht bis 31. August unterschreiben werde.

          Ester Ledecká bereitet sich derzeit in Südamerika auf den WM-Winter vor. Vermutlich will sie einfach nur Ski fahren. Und Snowboard. Oder beides.

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