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Freestyle-Skifahrer David Wise : „Im Extremfall reagieren wir mit Boykott“

  • Aktualisiert am

X-Games-Gewinner und Olympiasieger: David Wise verbindet die Szene mit dem Establishment Bild: Picture-Alliance

Zwischen Kunst und Kampf: Olympiasieger David Wise über den großen Reiz des Freestyle-Sports - und das Gefühl der Szene, bei Olympia schon mal missbraucht worden zu sein.

          Medaillen zu gewinnen, ist nicht sein Ziel. David Wise will neue Tricks entwickeln und seinen Sport prägen. Bei den Olympischen Spielen 2014 in Sotschi gewann der heute 25 Jahre alte Freestyle-Skifahrer aus Reno/Nevada trotzdem Gold in der Halfpipe. Bei den Winter-X- Games in Aspen sicherte er sich in den Jahren 2012, 2013 und 2014 den Titel.

          Sie sind mit 25 Jahren längst verheiratet, Vater von zwei Kindern und Olympiasieger. Wie machen Sie das nur?

          Ich muss Ihnen nicht erklären, wie man Vater wird? Im Sport konnte ich wahrscheinlich viel erreichen, weil ich grundsätzlich nicht ans Gewinnen denke.

          Sondern?

          Mein Ansatz ist ein kreativer, kein erfolgsorientierter. Ich will meinen Sport verändern, ihn prägen, neue Tricks entwickeln. Das ist meine Triebfeder. Außerdem besteht mein Leben nicht nur aus Sport. Mein größtes Glück ist meine Familie.

          Verfolgen Sie als Freestyle-Skifahrer auch den alpinen Ski-Weltcup?

          Allein schon wegen Ted Ligety, mit dem mich eine langjährige Freundschaft verbindet. Ihm zuzuschauen ist die reinste Augenweide. Außerdem stamme ich aus einer skiverrückten Familie. Ich bin bis zu meinem zwölften Lebensjahr Skirennen gefahren. Als ich zu Hause offenbarte, dass ich auf Freestyle umsteigen und nicht mehr durch Tore fahren will, erntete ich Unverständnis. Ich war damals ein passabler Rennläufer, hatte es in meiner Altersklasse unter die Top Five der Vereinigten Staaten geschafft.

          Vom Stangenwald ging’s direkt in die Halfpipe?

          Angefangen habe ich mit Buckelpiste und Aerials (Kunstsprünge über steile Schanzen/d. Red.). Und zwar bei null. Es hat eine Weile gedauert, bis mein Vater die Entscheidung - zähneknirschend - akzeptierte. Später spezialisierte ich mich auf Halfpipe.

          Künstler in der Halfpipe: Ich will meinen Sport prägen

          Das IOC zieht aus Kostengründen und wegen schwindenden Interesses an entsprechenden Fernsehübertragungsrechten in Erwägung, den Abfahrtslauf aus dem olympischen Programm zu streichen. Was sagt ein Freestyle-Skifahrer dazu?

          Wirklich? Das ist die Königsdisziplin im alpinen Skisport. Sollte man den Abfahrtslauf aus dem olympischen Programm nehmen, dann können sie die Winterspiele gleich abschaffen. Olympische Spiele müssen an Traditionen festhalten, das ist es doch, worum es dabei geht. Wenn es zu teuer ist, abfahrtstaugliche Pisten anzulegen, muss man vielleicht die Wahl der Austragungsorte hinterfragen.

          Sie halten nicht viel von Winterspielen in Sotschi, Pyeongchang oder Peking?

          Als Sportler wünscht man sich Austragungsorte wie Oslo, Denver, gern auch München. Aber die Spiele will ja keiner mehr, was traurig und leider zugleich verständlich ist. Bei der Vergabe der Spiele entscheidet Geld, nichts anderes.

          Wie erfolgreich waren die Freestyle-Disziplinen bisher bei Olympia?

          Ich weiß, dass unser Sport, sowohl auf Ski als auch auf dem Snowboard, bei den Spielen, bei Zuschauern und Medien, extrem gut ankommt, was zur Folge hat, dass 2018 die Snowboard-Disziplin „Big Air“ ebenfalls olympisch wird. Freestyle liegt im Trend.

          Also verdrängen Freestyle-Disziplinen eventuell den olympischen Abfahrtslauf.

          Medaillen gewinnen ist nicht sein primäres Ziel: Vielleicht gewinnt er sie gerade deshalb

          Olympische Spiele dürfen nicht zu einem medienwirksamen Spektakel verkommen, sondern müssen den Wintersport weiterhin in seiner Ganzheit abbilden und Sportgeschichte zelebrieren. Wenn bei Olympischen Spielen etwas in die falsche Richtung läuft, dann nur, weil man sich bei grundsätzlichen Entscheidungen ausschließlich von Geld leiten lässt.

          Bei den X-Games haben Sie dreimal Gold in der Halfpipe gewonnen. Wie unterscheiden sich X-Games in der öffentlichen Wahrnehmung von Olympischen Spielen?

          Bei den X-Games ist das Publikum jünger und trendiger. Die X-Games sind eine actiongeladene Extremsportveranstaltung mit spannenden Side-Events wie Rock- und Popkonzerten. Bei den Olympischen Spielen ist der Fokus ein völlig anderer: Ich muss wieder auf die Tradition verweisen. Olympische Spiele erreichen viel mehr Menschen, während die X-Games vor allem in Nordamerika innerhalb der Freestyle-Szene wahrgenommen werden. Für uns Athleten sind Olympische Spiele etwas ganz Besonderes, weil wir dort auch unser Land repräsentieren. Plötzlich feuern dich vor den Bildschirmen Menschen aus Florida an, die noch nie in ihrem Leben Schnee gesehen haben, geschweige denn Ski fahren können. Das schafft nur Olympia.

          Sie waren 2014 als Favorit nach Sotschi gereist. Wie geht man bei seinen ersten Olympischen Spielen mit dem großen Erwartungsdruck um?

          So groß war er nicht. Die bloße Teilnahme empfand ich schon als Sieg. Mich zu fokussieren, fiel mir allerdings sehr schwer.

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